Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ein Protein ermöglicht Risikobewertung

04.04.2013
Verlauf von Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird berechenbarer
Wissenschaftlern der Charité – Universitätsmedizin Berlin ist es gelungen vorherzusagen, wie groß die Wahrscheinlichkeit für einen Herz-Kreislauf-Patienten ist, innerhalb von drei Monaten einen Herzinfarkt, Hirninfarkt oder Arterienverschluss zu erleiden. Dieses Wissen kann langfristig gezielt vorbeugende Maßnahmen ermöglichen. Die Ergebnisse der Studie sind in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Canadian Medical Association Journal* erschienen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache in den westlichen Industrienationen. Etwa die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland geht auf eine Erkrankung des Herzens oder des Gefäßsystems zurück. Die Forschungsgruppe um Dr. Stephan von Haehling von der Medizinischen Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie am Campus Virchow-Klinikum hat in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum Tübingen insgesamt 2.568 Patientinnen und Patienten im Alter von 57 bis 79 Jahren untersucht, die mit Herzbeschwerden oder Brustschmerzen die Klinik aufgesucht hatten.
Sie litten unter chronischen Beschwerden infolge einer Verengung der Herzkranzgefäße oder hatten ein akutes Ereignis, wie einen Herzinfarkt, aufgrund derartiger Veränderungen. Den Patienten wurde Blut entnommen und das Serum bei minus 80°C eingefroren. Danach wurden die Proben auf die Konzentration eines bestimmten Eiweißes, des Plasma-Proteins PAPP-A (Pregnancy-associated Plasma Protein A) untersucht. PAPP-A wurde erstmals in den 70er Jahren im Blutserum schwangerer Frauen nachgewiesen. Die Konzentration des Proteins im Blut der Schwangeren gibt Hinweise auf genetische Veränderungen im Erbgut des Fötus und wird üblicherweise zum fetalen Screening eingesetzt. Seit 2001 arbeiten Forscher an der Möglichkeit, PAPP-A auch zur Abschätzung des Risikos bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzusetzen.

Die aktuelle Studie hat gezeigt, dass alle Patienten, die innerhalb von 90 Tagen nach der ersten Untersuchung einen Herzinfarkt, einen Hirninfarkt oder einen Arterienverschluss erlitten, eine höhere PAPP-A-Konzentration in ihrem Blutserum aufwiesen, als Patienten ohne derartige Ereignisse innerhalb des gleichen Zeitraums. Zudem hat sich gezeigt, dass die Art der Grunderkrankung, das Geschlecht und der Body-Mass-Index keinen Einfluss auf die Konzentration des Proteins haben. Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die Konzentration von PAPP-A ein starker, unabhängiger Biomarker ist, mit dem abgeschätzt werden kann, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Patient mit Herzbeschwerden kurzfristig eine Folgeerkrankung erleiden könnte. „Bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit ist die Beurteilung zukünftiger Risiken eine wesentliche ärztliche Aufgabe. Mithilfe einer Blutuntersuchung könnten zukünftig Krankheitsverläufe bei Herzpatienten deutlich besser prognostiziert und somit schwerwiegende Folgen verringert werden“, erklärt Dr. Stephan von Haehling.

* von Haehling, Stephan et al. 2013. Value of serum pregnancy-associated plasma protein A for predicting cardiovascular events among patientspresenting with cardiac chest pain. In: Canadian Medical Association Journal, doi:10.1503. /cmaj.110647.

Kontakt:
Dr. Stephan von Haehling
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Kardiologie
Campus Virchow-Klinikum
t: +49 30 450 553 506
stephan.von.haehling[at]charite.de

Dr. Julia Biederlack | idw
Weitere Informationen:
http://kardio-cvk.charite.de/
http://www.charite.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

nachricht Kommunikation ist alles – auch im Immunsystem
28.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Goldmedaille für die praktischen Ergebnisse der Forschungsarbeit bei Nutricard

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Nachwuchs knackt Nüsse - Azubis der Friedhelm Loh Group für Projekte prämiert

11.12.2017 | Unternehmensmeldung

Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen

11.12.2017 | Medizin Gesundheit