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Prostatakrebs: MikroRNAs könnten Hinweise auf die Aggressivität des Tumors geben

13.09.2011
Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung der Männer in Deutschland. Ein erheblicher Anteil der Tumore muss wegen des langsamen Wachstums und des geringen Metastasierungspotenzials nicht behandelt werden.

Der andere Teil erweist sich unter Umständen jedoch als sehr aggressiv und führt ohne Eingriff schnell zum Tod des Patienten. Die Abschätzung, wie sich der Tumor verhalten wird, ist derzeit schwierig. In einem Kooperationsprojekt sind Prof. Bernd Wullich an der Uniklinik Erlangen und Prof. Friedrich Grässer am Uniklinikum des Saarlandes auf der Suche nach Biomarkern, die eine frühzeitige Prognose des Wachstumsverhaltens der Tumoren ermöglichen.

Prostatakrebs gilt als „Tumor des alten Mannes“. Zu Unrecht: 30 Prozent der Patienten mit einem neu entdeckten Prostatakrebs sind jünger als 65 Jahre. Die Vorhersagemodelle zur Risikoabschätzung bei Prostatakarzinomen beruhen im Wesentlichen auf der Menge des im Serum nachweisbaren „Prostata-spezifischen Antigens“ (PSA) und der Untersuchung von Gewebeproben durch erfahrene Pathologen. Ziel des aktuellen Forschungsvorhabens ist die Entwicklung individueller Biomarker um das Wachstumsverhalten von Tumoren voraussagen zu können.

Dabei haben sie so genannte mikroRNAs (miRNAs) im Visier. MikroRNAs sind kurze RNA-Moleküle, die die Produktion von Eiweißen in der Zelle steuern. Sie sind unter anderem beteiligt an der Abwehr von Virusinfektionen und bei der Zelldifferenzierung. Darüber hinaus scheinen sie auch das Wachstum von Zellen zu beeinflussen. In manchen Fällen führt die gesteigerte Produktion bestimmter miRNAs zum Zellwachstum, bei anderen miRNAs kann derselbe Effekt durch deren Hemmung erzielt werden. Ungeklärt ist bislang auch, auf welche Abschnitte im Erbgut die miRNAs Einfluss nehmen.

Die bisherigen Ergebnisse der Untersuchungen sind vielversprechend. In der erstzen Projektphase haben die Arbeitsgruppen um die Professoren Wullich und Grässer die in gesundem und mäßig bösartig verändertem Prostatagewebe vorkommenden mikroRNAs erfasst und beschrieben. Neben einigen schon bekannten miRNAs konnten neue, bislang nicht mit der Entstehung von Prostatakrebs in Verbindung gebrachte miRNAs sowie einige ihrer Zielstrukturen im Erbgut identifiziert werden.

In der aktuellen zweiten Projektphase weiten die Forscher ihre Analysen auf sehr aggressive Tumore aus. Sie wollen herausfinden, inwieweit spezifische Muster bei der Produktion von miRNAsin den Krebszellen eine Vorhersage erlauben, ob die Krankheit harmlos oder aggressiv verläuft. Dazu setzten sie prostata-spezifische Biochips in das Tumorgewebe ein. Außerdem soll die Funktion der in den Tumoren veränderten Eiweiße näher untersucht werden. Prof. Wullich formuliert das Fernziel des Projektes: „Da miRNAs relativ leicht in Gewebe eingebracht oder durch geeignete Methoden stillgelegt werden können, eröffnen sich neben verbesserten Diagnoseverfahren potenziell auch neue Therapieansätze für Prostatakrebs“.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert die zweite Phase dieses Forschungsprojekts mit rund 200.000 Euro, nachdem die erste Projektphase bereits im selben Umfang unterstützt wurde.

Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Publikationen, die aus der ersten Projektphase hervorgegangen sind:

MicroRNA profiles of prostate carcinoma detected by multiplatform microRNA screening.
Wach S, Nolte E, Szczyrba J, Stöhr R, Hartmann A, Orntoft T, Dyrskjøt L, Eltze E, Wieland W, Keck B, Ekici AB, Grässer F, Wullich B.

Int J Cancer. 2011 Mar 11. doi: 10.1002/ijc.26064.

The microRNA profile of prostate carcinoma obtained by deep sequencing.
Szczyrba J, Löprich E, Wach S, Jung V, Unteregger G, Barth S, Grobholz R, Wieland W, Stöhr R, Hartmann A, Wullich B, Grässer F.

Mol Cancer Res. 2010 Apr;8(4):529-38. Epub 2010 Mar 30.

Kontakt:

Prof. Dr. med. Bernd Wullich
Klinikdirektor der Urologischen Universitätsklinik Erlangen
Telefon: 09131-822-3178
E-Mail: Bernd.Wullich@uk-erlangen.de
Prof. Dr. Friedrich Grässer
Institut für Mikrobiologie und Hygiene, Abteilung für Virologie, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de
http://www.uniklinikum-saarland.de

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