Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prostatakarzinom: Entwicklung einer Nachweis-Methode von Mikrometastasen in Lymphknoten

24.03.2011
Patienten mit Prostatakarzinom, bei denen eine radikale Prostataentfernung vorgenommen wurde, erleiden mit einer Wahrscheinlichkeit von bis zu 40 Prozent einen Rückfall.

Eine mögliche Ursache dafür ist die zum Operationszeitpunkt zwar bereits vorhandene, klinisch jedoch nicht nachweisbare Streuung einzelner Tumorzellen in die Lymphknoten.

Die Forschungsgruppe um Dr. Matthias Heck an der Technischen Universität München arbeitet daran, eine zuverlässige Methodik zu entwickeln, die diese sogenannten Mikrometastasen nachweisbar macht. Damit könnten Mediziner das Rückfallrisiko beim einzelnen Patienten vorab zuverlässiger bestimmen und vorbeugende Therapien rechtzeitig in die Wege leiten.

Das Prostatakarzinom ist der häufigste Tumor und die zweithäufigste tumorbedingte Todesursache des Mannes in westlichen Industrienationen. Ausgehend von der Prostata streuen Prostatakarzinomzellen zunächst in Lymphknoten im Bereich des Beckens. Im Spätstadium bilden sich auch Knochenmetastasen. Der Nachweis von Lymphknotenmetastasen gilt daher als wesentlicher Anhaltspunkt für die Abschätzung der Überlebenschance bzw. der Wahrscheinlichkeit, dass die Tumorerkrankung auch nach radikaler Operation der Prostata wieder auftritt.

In der klinischen Diagnostik werden die Lymphknotenmetastasen üblicherweise durch bildgebende Verfahren wie Computertomografie oder Magnet-Resonanz-Tomografie sowie durch Begutachtung von Zellmaterial festgestellt. Diese Verfahren eignen sich jedoch nicht zum sicheren Nachweis von vereinzelten Prostatakarzinomzellen, den sogenannten Mikrometastasen, in Lymphknoten.

Bei anderen Krebsarten wie Dickdarm-, Magen- Speiseröhren- und Brustkrebs lassen sich ersten Studien zufolge mithilfe der sogenannten Polymerasekettenreaktion (PCR) Mikrometastasen in Lymphknoten erfolgreich aufspüren. Der Nachweis von Mikrometastasen bedeutet für den betroffenen Patienten auch hier ein erhöhtes Rückfallrisiko. Die behandelnden Ärzte können aber entsprechend frühzeitig reagieren und mittels einer gezielten Therapie die gestreuten Tumorzellen bekämpfen und dadurch die langfristigen Heilungsaussichten des Patienten verbessern. Für das Prostatakarzinom konnte bisher jedoch kein zuverlässiges Verfahren zum Nachweis von Mikrometastasen in Lymphknoten etabliert werden.

Ziel des Münchner Forschungsteams um Dr. Matthias Heck, Dr. Roman Nawroth, PD Dr. Margitta Retz und Prof. Dr. Jürgen E. Gschwend ist es, eine vergleichbares Verfahren für das Prostatakarzinom zu entwickeln. Dazu setzen die Wissenschaftler auf eine spezielle Form der Polymerasekettenreaktion, der sogenannten Multiplex-PCR. Im Hochdurchsatzverfahren können damit zeitgleich mehrere Lymphknotenproben auf Krebszellen überprüft werden. Mithilfe der PCR lässt sich nachweisen, ob in den Proben Gene aktiv sind, die für Krebszellen typisch sind. Dr. Heck schildert die besondere Herausforderung des Projekts: „Entscheidend dabei ist es, eine geeignete Kombination von Tumorgenen festzulegen, die die PCR aufspüren soll. Das neue Verfahren soll außerdem möglichst kleine Mengen an verdächtigem Material nachweisen können und gleichzeitig hochspezifisch nur auf Mikrometastasen in Lymphknoten reagieren.“

Die Wissenschaftler wollen das Verfahren im Rahmen einer Studie aufbauen und die Aussagekraft und Praktikabilität der Methode überprüfen. Die Studie soll auch darüber Aufschluss geben, in welchen Lymphknoten die Metastasen besonders häufig auftreten. Dazu werden die Proben anatomisch exakt zugeordnet. Zusätzlich will die Forschergruppe überprüfen, ob ein spezieller Fall der Erbgutschädigung, nämlich das Verzahnen verschiedener Gene zu sogenannten Fusionsgenen für eine vermehrte Metastasierungsneigung bei Prostatakarzinompatienten verantwortlich gemacht werden kann.

Die Wilhelm Sander Stiftung fördert dieses Projekt mit über 130.000 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Kontakt:
Dr. med. Matthias Heck
Urologische Klinik und Poliklinik der Technischen Universität München
Klinikum rechts der Isar
Ismaninger Str. 22
81675 München
Email: m.heck@lrz.tum.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte