Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Prostatakarzinom: Besser verstehen - besser therapieren

08.09.2008
Das Prostatakarzinom ist die häufigste Krebserkrankung und die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache des Mannes und macht seit einigen Jahren mehr als 20% aller Krebsneuerkrankungen aus.

Hinzu kommt die Zunahme von Risikofaktoren wie Übergewicht, zunehmender Alkohol- und Nikotinmißbrauch, die ein ernst zu nehmendes Problem darstellen. Leider sind weder in der Diagnostik noch der Therapie des Prostatakarzinoms in den vergangenen Jahren durchschlagende Erfolge erzielt worden. Wünschenswert für den Arzt wäre es, bereits in einem Frühstadium effektive Gegenmaßnahmen ergreifen zu können.

Unser Projekt soll nun dazu beitragen, die Entwicklung des Prostatakarzinoms und die dabei ablaufenden molekularen Schaltprozesse besser zu verstehen, so dass eine bessere Basis für Früherkennung und Therapie entstehen kann.

Ausgangspunkt für diese Untersuchungen war der Befund, dass Verlust der Expression des Gens Usf2 mit dem beschleunigten Wachstum des Prostatakrebses korreliert. Das Gen Usf2 kodiert einen Transkriptionsfaktor, ein molekulares Relais im Zellkern, das es ermöglicht, dass wiederum andere Gene an- bzw abgeschaltet werden können.

In der gesunden Prostata ist USF-2 nun sehr aktiv, d.h. das Relais wird sehr häufig eingeschaltet, wohingegen USF-2 beim Prostatakrebs inaktiv ist. Sehr häufig spielen sogenannte Kinasen eine wichtige Rolle als Schalter, die das Relais nun einschalten, d.h. Transkriptionsfaktoren aktivieren. Kinasen wirken dabei so, indem sie Phosphormoleküle an zahlreiche Proteine, darunter Transkriptionsfaktoren wie USF-2, anfügen. Unsere aktuellen Forschungsarbeiten zeigen nun, dass ein bestimmter Bereich innerhalb des Faktors USF-2 durch derartige Phosphorylierungen reguliert wird. Alles deutet nun darauf hin, dass die Glycogen-Synthase-Kinase-3 (GSK3) dabei eine wichtige Rolle spielt. Unbekannt ist jedoch noch, wo genau USF-2 durch die GSK3 phosphoryliert wird und welche Auswirkungen dies auf die Tumorzellproliferation hat.

Es ist daher unser Ziel die detaillierten Mechanismen dieser Schaltprozesse zu identifizieren und in Zellkultur- sowie Tiermodellen zu überprüfen. Dabei werden wir in einem Mausmodell USF-2 Varianten testen, die nicht durch GSK3 phosphoryliert werden können. Weiterhin werden wir in einem anderen Mausmodell dem USF-2 komplett fehlt, den GSK3-vermittelten Mechanismus überprüfen und Tumorproliferation und Invasivität untersuchen. Insgesamt werden die erhobenen Daten nicht nur das Verständnis über die Regulation von USF-2 verbessern, sondern auch mögliche neue Optionen für die Tumortherapie durch Kinaseinhibitoren aufzeigen. Dieser Forschungsansatz erscheint uns äußerst vielversprechend, denn Kinaseinhibitoren gehören seit einigen Jahren zu einer neuen Generation von Medikamenten, die eine neue Ära in der Tumortherapie mitbestimmen können.

Kontakt: Dr. Elitsa Dimova, Fachbereich Chemie/Abt. Biochemie, Technische Universität Kaiserslautern;
Tel.: +49 (631) 205 4953 Fax: +49 (631) 205 3419
E-mail: dimova@chemie.uni-kl.de
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 100.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie