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Prognose-Skala für Hirntumoren hilft bei Therapieentscheidung

02.07.2012
Kehren Hirntumore nach der ersten Behandlung zurück, kann eine zweite Strahlentherapie bei einigen Patienten das Tumorwachstum hinauszögern – bei anderen nicht.

Um die Erfolgsaussichten besser abschätzen zu können, hat Privatdozentin Dr. Stephanie E. Combs, Strahlentherapeutin am Universitätsklinikum Heidelberg, eine Prognose-Skala entwickelt: Ein Punktesystem zeigt an, welche Patienten am meisten von einer solchen Behandlung profitieren und für welche Patienten spezielle Studien zur Therapieoptimierung notwendig sind. Für ihre Arbeit ist sie mit dem mit 5.000 Euro dotierten Robert Janker-Preis des Fördervereins der MediClin Robert Janker-Klinik in Bonn ausgezeichnet worden.

Kehren Hirntumoren nach der ersten Behandlung zurück, kann eine zweite Strahlentherapie bei einigen Patienten das Tumorwachstum hinauszögern – bei anderen nicht. Um die Erfolgsaussichten besser abschätzen zu können, hat Privatdozentin Dr. Stephanie E. Combs, Strahlentherapeutin am Universitätsklinikum Heidelberg, eine Prognose-Skala entwickelt: Sie zeigt an, welche Patienten am meisten von einer solchen Behandlung profitieren und für welche Patienten spezielle Studien zur Therapieoptimierung notwendig sind. Für ihre Arbeit ist sie mit dem Robert Janker-Preis des Fördervereins der MediClin Robert Janker-Klinik in Bonn ausgezeichnet worden.

Der Forschungspreis, benannt nach dem Gründer und Namensgeber der Fachklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie, Palliativmedizin, Radiologie und Neuroradiologie, ist mit 5.000 Euro dotiert.

Überlebenszeit verlängern und Lebensqualität verbessern

Gliome umfassen eine große Gruppe von Hirntumoren, von gutartigen, langsam wachsenden Tumoren bis hin zu den Glioblastomen, die zu den häufigsten und bösartigsten Hirntumoren bei Erwachsenen zählen. Die durchschnittliche Überlebenszeit beträgt wenige Jahre. Die Behandlung besteht aus der möglichst vollständigen Entfernung des Tumors mit anschließender Bestrahlung, oft in Kombination mit Chemotherapie. Eine Heilung ist derzeit allerdings nicht möglich: Aus verbliebenen Krebszellen entwickelt sich in der Regel erneut ein Tumor (Rezidiv), der mit einer Operation, einer Chemo- oder Immuntherapie oder durch eine zweite Strahlentherapie behandelt wird.

Die zweite Strahlentherapie wurde in den letzten Jahren – dank der wissenschaftlichen und klinischen Forschung der Preisträgerin – etabliert: Sie kann, insbesondere mit modernen Methoden der Präzisionsstrahlentherapie, das Tumorwachstum vorläufig stoppen, die Überlebenszeit der Patienten verlängern und gleichzeitig Lebensqualität erhalten. Allerdings gelingt dies nicht bei allen Patienten. Die Erfolgsaussichten der Rezidivbestrahlung hängen von verschiedenen Faktoren ab, z.B. dem Alter der Patienten, dem Stadium des ersten Tumors und der Zeit bis zum Auftreten des Rezidivs. Für die Therapieentscheidungen muss das interdisziplinäre Ärzteteam bestehend aus Neuroonkologen, Neurochirurgen, Neuropathologen und Neuroradiologen gemeinsam mit der Strahlentherapie alle diese Faktoren gegeneinander abwägen.

Skala zeigt an, welche Patientengruppen am meisten profitieren

„Die neue Prognose-Skala bezieht alle wichtigen Faktoren mit ein, stellt die Erfolgschancen der Bestrahlung übersichtlich dar und kann als Orientierungshilfe für die ärztliche Therapieempfehlung sowie im Gespräch mit den Patienten und ihren Angehörigen dienen“, erklärt Dr. Combs. Sie entwickelte die Skala anhand der Daten von 233 Patienten mit Gliomrezidiven, die an der Radiologischen Universitätsklinik eine Hochpräzisionsbestrahlung erhielten. Jedem der therapieentscheidenden Faktoren werden bestimmte Zahlenwerte zugeordnet, die anschließend aufsummiert werden: Die Skala reicht von null Punkten mit einer exzellenten Prognose bis zu vier Punkten mit eher schlechter Prognose. „Diese Einteilung der Patienten erwies sich als sehr aussagekräftig“, so die Radioonkologin.

Das hieße allerdings nicht, dass Therapieentscheidungen in Zukunft allein an dieser Punkteskala ausgerichtet würden, betont Combs. „Wir versuchen die Therapiewünsche der Patienten und ihrer Familien immer mit einzubeziehen. Therapieentscheidungen müssen immer individuell und interdisziplinär getroffen werden.“ So profitiert der Patient eventuell mehr von einer anderen palliativen Versorgung oder der Teilnahme an einer klinischen Studie.

Die Skala kann aber auch helfen, Patientengruppen zu identifizieren, bei denen Therapieoptimierungen, z.B. im Rahmen von neuen Behandlungsmöglichkeiten der Strahlentherapie oder Kombinationen mit Chemo- oder Immuntherapien, von Vorteil sein können. „Vor allem Patienten mit den Werten drei und vier sind diejenigen, für die wir weiter forschen müssen“, sagt die Wissenschaftlerin. Hierzu wird eine Reihe von Untersuchungen angeboten, z.B. eine Studie zur Schwerionentherapie (CINDERELLA-Studie) bei Patienten mit Rezidiven von Gliomen.

Literatur:
Combs SE, Edler L, Rausch R, Welzel T, Wick W, Debus J. Generation and Validation of a Prognostic Score to Predict Outcome after Re-Irradiation of Recurrent Glioma. Acta Oncologica 2012 Jun 11.

Combs SE, Thilmann C, Edler L, Debus J and Schulz-Ertner D. Efficacy of fractionated stereotactic re-irradiation in recurrent gliomas: Long-term results in 172 patients treated in a single institution. Journal of Clinical Oncology 2005 Dec 1;23(34):8863-9.

Internet:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/Radioonkologie-und-Strahlentherapie.106715.0.html
Kontakt:
Privatdozentin Dr. med. Stephanie E. Combs
Leitende Oberärztin
Abteilung für Radioonkologie und Strahlentherapie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel: 06221 / 56 82 01
E-Mail: Stephanie.Combs@med.uni-heidelberg.de
Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Jürgen Debus
Ärztlicher Direktor
Abteilung für Radioonkologie und Strahlentherapie
Universitätsklinikum Heidelberg
Tel: 06221 / 56 82 01
E-Mail: Juergen.Debus@med.uni-heidelberg.de
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Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 11.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 50 Departments, Kliniken und Fachabteilungen mit ca. 2.000 Betten werden jährlich rund 550.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.600 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland.
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