Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Precut-Verfahren für lamellare Hornhaut-Transplantate

21.05.2010
Ein fs-Laser Mikro-Keratom ermöglicht zukünftig, bereits vor der OP und unter Reinraumbedingungen planparallele, sehr dünne Keratoplastiken herzustellen. Das für Gewebebanken vielversprechende neue Verfahren wird am 6. Juni auf dem World Ophthalmology Congress 2010 in Berlin vorgestellt.

Allein in Deutschland sind jährlich etwa 8.000 Menschen auf die Transplantation einer Augenhornhaut angewiesen. Dieser hohe Bedarf an Spendergewebe kann von den Gewebebanken nicht ausreichend gedeckt werden. Vielen Patienten, denen mit Erkrankung des Hornhautendothels eine extreme Einschränkung ihres Sehvermögens bis hin zur Erblindung droht, kann daher erst nach mehrmonatiger Wartezeit mit einem geeigneten Transplantat geholfen werden.


Beim Laser-Mikrokeratom der Firma Rowiak schneidet ein fs-Laser die Kornea knapp über dem Endothel. Der Abstand zum Endothel kann über OCT-Kontrolle frei gewählt werden.

Augenärzte der Medizinischen Hochschule Hannover erproben in einem aktuellen Kooperationsprojekt zwischen der Deutschen Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) und der Firma Rowiak ein präoperatives Verfahren, bei dem eine Lamelle exakter geometrischer Konfiguration aus den hinteren Schichten einer Spenderhornhaut gewonnen werden kann. Die Spender-Kornea steht der Gewebebank anschließend zur Gewinnung eines weiteren Transplantats zur Verfügung.

Bisher gibt es zur Transplantation hinterer Korneaschichten im Wesentlichen zwei Verfahren, die so genannte DSAEK (Descemet Stripping Automated Keratoplasty) und DMEK (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty). Bei der DSAEK-Methode wird während der OP eine ca. 100-150 Mikrometer starke Kornea-Lamelle mit Hilfe eines mechanischen Mikrokeratoms geschnitten. Dabei sind Abweichungen in der Dicke und der Konfiguration der Lamelle nicht zu vermeiden, was nicht selten zu einer postoperativen Änderung der Refraktion und zu einer vermehrten Ablösung der Lamelle führen kann.

Demgegenüber setzen die Hannoveraner Mediziner zum Schneiden der Spenderhornhaut auf den Einsatz eines Laser-Mikrokeratoms – und zwar bereits vor der OP, im Labor und unter Reinraumbedingungen. Die Vorteile sind für den Leiter der Hornhautbank Hannover, Dr. Lutz Blomberg, enorm: „Bei diesem Precut-Verfahren gewinnen wir eine sehr hohe Sicherheit, ein wirklich planparalleles Transplantat herzustellen. Wir können die genaue Schnitttiefe bestimmen und haben die Möglichkeit einer Qualitätskontrolle nach der Lamellation“, erläutert der Augenarzt. Die Reinraumbedingungen garantieren zudem keimfreie Transplantate, die direkt von den Gewebebanken hergestellt und ohne Qualitätsverlust an die OP-Teams verschickt werden können.

Möglich wird diese innovative Methode durch den Einsatz eines neuen Mikro-Keratoms auf der Basis von Femtosekundenlaser-Technologie. Der vom Kooperationspartner Rowiak GmbH entwickelte „CorneaSurgeon“ gestattet eine sehr präzise Schnitttiefe von weniger als 100 Mikrometern mit einer maximalen Abweichung von 5 Mikrometern. Unterstützt durch integrierte Bildgebung in Form Optischer Kohärenztomografie (OCT), findet eine direkte Qualitätskontrolle im Schneideprozess statt. Somit entstehen optimal an den Bedarf der Patienten angepasste Schnittgeometrien.

Die Voraussetzungen für einen klinischen Einsatz der Methode wird spätestens Ende dieses Jahres, mit Fertigstellung eines geeigneten Reinraums, gegeben sein.

Die neuesten Ergebnisse zum Kornea-Projekt wird Dr. Lutz Blomberg am 6. Juni während des World Ophthalmology Congress 2010 präsentieren (Vortrag Nr. SU-75-07). Auf dem Gemeinschaftsstand der DGFG (Halle 12, Stand A/17) bietet sich während des Kongresses vom 4. bis 8. Juni die Möglichkeit, sich über den CorneaSurgeon zu informieren. Die Markteinführung ist, nach Angaben der Rowiak GmbH, für das kommende Jahr geplant.

Die Entwicklungskooperation zwischen der DGFG und der Rowiak GmbH wird mit Geldern aus der Stiftung Zukunfts- und Innovationsfonds Niedersachsen gefördert.

Kontakt:
Rowiak GmbH
Dr. Fabian Will
Garbsener Landstr. 10
30419 Hannover
Tel. 0511 / 277 29 53
Fax: 0511 / 277 29 59
E-Mail: fw@rowiak.de

Für weitere Informationen wenden Sie sich gerne auch an unsere Kooperationspartner:
Ansprechpartner DGFG:
Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation gGmbH
Martin Börgel
Feodor-Lynen-Str. 21a
30625 Hannoverr
Tel. +49 (511) 0511 563 559-30
Fax: +49 (511) 563 559-55
E-Mail: info@gewebenetzwerk.de
Wissenschaftliche Leitung:r
Hornhautbank Hannover
Medizinische Hochschule Hannover
Dr. Lutz Blomberg
Carl-Neuberg-Str. 1
30625 Hannover
+49 (511) 532 – 3800s
+49 (511) 532 – 3050r
LJBlomberg@aol.com

Anja Nieselt-Achilles | ACHILLES Kommunikation
Weitere Informationen:
http://www.rowiak.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik