Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Polypill: Wundermittel gegen Herzerkrankungen

31.03.2009
Experten bestätigen Wirksamkeit - Sinnhaftigkeit dennoch fraglich

Eine billige Tablette, die gleich fünf Medikamente in sich vereinigt, könnte gegen Herz- und Schlaganfälle schützen.

Das Konzept dieser Polypill mit der Bezeichnung Polycap wurde vor mehr als fünf Jahren eingeführt. Sie sollte bei allen Menschen über 55 Jahren die Anzahl der Herzerkrankungen um bis zu 80 Prozent senken. Bisher wurden bei der Erreichung dieses Ziels laut BBC allerdings nur geringe Fortschritte gemacht.

Eine Studie der McMaster University hat jetzt in Indien nachgewiesen, dass eine derartige Tablette tatsächlich die gewünschte Wirkung hat und die Einnahme gut vertragen wird. Details der Studie wurden in The Lancet veröffentlicht.

Trotzdem beschäftigen Experten wie Mike Rich von der Blood Pressure Association die ethischen Fragen bei der Einnahme eines Medikaments als reine Lifestyle-Maßnahme.

Kritiker erklären, dass Problemen wie hohem Blutdruck und zu hohen Cholesterinwerten durch eine Umstellung der Ernährung und mehr Bewegung begegnet werden sollte und nicht durch das Einnehmen einer Tablette. Die aktuell untersuchte Polypill kombiniert fünf Präparate, die auch einzeln auf dem Markt sind: Aspirin, ein Statin und drei Mittel zur Senkung des Blutdrucks sowie Folsäure. Die Tests mit 2.053 gesunden Teilnehmern ohne kardiovaskuläre Erkrankungen aber mit Risikofaktoren wie hohem Blutdruck und starkem Rauchen ergaben, dass die Kombination eine ähnliche Wirkung erzielte, wie die getrennte Einnahme. Blutdruck und Cholesterinwerte sanken ohne große Nebenwirkungen.

Das Team um Salim Yusuf geht davon aus, dass die Kombination aller Bestandteile in der von Cadila Pharmaceuticals hergestellten Polycap potenziell die Anzahl der Herzanfälle und Schlaganfälle bei Menschen mittleren Alters halbieren könnte. Weltweit betrachtet könnten so Millionen Leben gerettet werden. Yusuf wählte Teilnehmer aus 50 medizinischen Einrichtungen in ganz Indien zur Teilnahme aus.

Ein britisches Team unter der Leitung von Simon Thom vom Imperial College London untersucht derzeit, ob der Einsatz derartiger Medikamente die Sterblichkeit wirklich senken kann. Sie testen die Red Heart Pill, die vier verschiedene Präparate in sich vereint. Laut Thom wird es aber noch mindestens fünf Jahre dauern, bis ausreichende Daten für eine Zulassung vorliegen.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://fhs.mcmaster.ca
http://www.cadilapharma.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

23. Baltic Sea Forum am 11. und 12. Oktober nimmt Wirtschaftspartner Finnland in den Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

6. Stralsunder IT-Sicherheitskonferenz im Zeichen von Smart Home

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

OLED auf hauchdünnem Edelstahl

21.09.2017 | Messenachrichten

Weniger (Flug-)Lärm dank Mathematik

21.09.2017 | Physik Astronomie

In Zeiten des Klimawandels: Was die Farbe eines Sees über seinen Zustand verrät

21.09.2017 | Geowissenschaften