Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Plötzlicher Herztod bei Sportlern – Radiologen erkennen Warnsignale

03.06.2011
Immer wieder schockieren Fallberichte von Sportlern, die während der Ausübung ihrer Sportart tot zusammenbrechen. Die Diagnose lautet zumeist auf plötzlichen Herztod.

Zu den häufigsten Ursachen des plötzlichen Herztodes zählen die hypertrophe Kardiomyopathie (HCM) oder eine verschleppte Herzmuskelentzündung (Myokarditis). Eine sichere Methode, um diese Hauptrisiken frühzeitig zu identifizieren, ist die Magnetresonanztomografie (MRT).

Das fanden Radiologen an der Universitätsklinik Tübingen heraus, die 51 Leistungssportler und 25 weitere Probanden mit diesem Schnittbildverfahren untersucht haben. Auf dem 92. Deutschen Röntgenkongress in Hamburg werden sie ihre Ergebnisse präsentieren.

Asymmetrisches Herzwachstum – eine Sache der Gene

Die häufigste Ursache für den tödlichen Zusammenbruch bei jungen Sportlern ist die HCM. „Das Wachstum des Herzmuskels ist ein physiologischer Anpassungsvorgang an intensivierte Trainingsleistungen“, erklärt Studienleiterin Dr. Stefanie Mangold. Gefährlich aber wird es, wenn es zu einer asymmetrischen Verdickung des Ventrikelseptums, der Scheidewand von linker und rechter Herzkammer kommt. „Hierdurch kann es zu einer Hemmung des Blutflusses aus der linken Herzkammer in die Hauptschlagader kommen, was bei hoher körperlicher Belastung unter Umständen tödliche Folgen haben kann“, führt Mangold aus.

„Das unregelmäßige Wachstum des Herzmuskels ist dabei nicht das Resultat falschen Trainings, sondern bereits genetisch bedingt, ergänzt Oberarzt PD Dr. Ulrich Kramer. Bei den meisten Menschen, die keinen ausgiebigen Sport betreiben, wird diese Genmutation aber unter Umständen aufgrund fehlender klinischer Symptomatik lange nicht erkannt. Das gefährliche an der HCM: Der Sportler selbst merkt zunächst nichts von diesem ungleichmäßigen Muskelwachstum und selbst im Ultraschall und EKG lässt sich die HCM nicht immer eindeutig nachweisen. „Eine sichere Diagnosestellung ist häufig erst durch die Magnetresonanztomografie möglich“, sagt Stefanie Mangold und ergänzt: „Die MRT stellt die Organstrukturen sehr genau dar, sodass wir auf den Bildern sehen können, ob das Ventrikelseptum unnatürlich verdickt ist und somit beurteilen können, ob der Befund physiologisch auf die sportliche Belastung zurückzuführen ist oder eine genetisch bedingte Hypertrophie vorliegt.“

Myokarditis – oft fängt es mit einer Erkältung an

Hochleistungs-, aber auch ambitionierte Amateursportler neigen dazu, sich nach einer schweren oder langwierigen Erkältung nicht ausreichend zu schonen, sondern zu rasch das Training wieder aufzunehmen. Das kann gefährlich werden, wenn hinter einer scheinbar harmlosen Grippe eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) lauert. Unter körperlicher Belastung kann diese in den meisten Fällen durch Viren ausgelöste Entzündung zu schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand führen. „Auch eine Myokarditis ist mitunter schwer mit EKG oder Echokardiographie alleine zu diagnostizieren“, sagt PD Dr. Kramer. In der MRT sehen die Experten allerdings narbige Veränderungen des Herzmuskels mit charakteristischem Verteilungsmuster, in der akuten Phase der Entzündung auch die für die Myokarditis typischen Wasssereinlagerungen (Ödem) am Herzmuskelgewebe.

Kardio-MRT – für manche Sportler empfehlenswert

Sollte sich aufgrund dieser diagnostischen Genauigkeit jeder Sportler regelmäßig einer MRT unterziehen? „Die regelmäßige Anwendung der MRT ist sicher übertrieben“, sagt Kramer, „allerdings wäre es vorstellbar, dass zukünftig Profi- / Hochleistungssportler (z.B. Fußballer) im Rahmen der medizinischen Untersuchungen einer Kardio-MRT zugeführt werden. Und auch der engagierte Amateursportler tut gut daran, im Rahmen eines Check-ups auch über eine MRT-Untersuchung des Herzens nachzudenken – immerhin haben wir in unserem Studienkollektiv bei vier Teilnehmern entzündliche Prozesse des Herzmuskels und bei einem Sportler eine HCM nachweisen können. Alle Teilnehmer fühlten sich dabei subjektiv beschwerdefrei und körperlich fit.“

Florian Schneider | idw
Weitere Informationen:
http://www.drg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie