Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Plötzlichem Herztod vorbeugen - EKG-Phänomen erlaubt Erkennung von Hochrisikopatienten

19.03.2014

Wissenschaftler und Ärzte der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen haben aktuell in Kooperation mit den Universitäten TU München und Helsinki (Finnland) in „The Journal of Clinical Investigation“ eine Arbeit zu einem neu identifizierten Phänomen im Elektrokardiogramm (EKG) veröffentlicht, das Rückschlüsse auf das Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden erlaubt.

Der plötzliche Herztod ist eine der häufigsten Todesursachen der westlichen Welt. Ursächlich sind meist bösartige Herzrhythmusstörungen, die unbehandelt innerhalb weniger Minuten zu irreversiblen Hirnschäden führen.

Der plötzliche Herztod kann bei Risikopatienten durch die prophylaktische Implantation eines Defibrillators verhindert werden. Die rechtzeitige Erkennung von Hochrisikopatienten gilt jedoch als ungelöstes Problem in der Medizin.

Aus experimentellen und klinischen Studien ist bekannt, dass Störungen des Nervensystems maßgeblich an der Entstehung bösartiger Rhythmusstörungen des Herzens beteiligt sind. Insbesondere eine Überaktivität des sympathischen Nervensystems – des so genannten „Stressnervs“ – kann das Risiko für den plötzlichen Herztod erhöhen. Bislang war es jedoch nicht möglich, die Wirkung des Nervus sympathicus auf das Herz nicht-invasiv, also ohne operativen Eingriff, zu messen.

In der Arbeit stellt das Forscherteam unter der Leitung von Prof. Dr. Axel Bauer, Medizinische Klinik am Universitätsklinikum Tübingen, ein neues elektrokardiographisches Phänomen vor, welches mutmaßlich die Effekte des N. sympathicus auf das Herz widerspiegelt.

Mit Hilfe eigens entwickelter mathematischer Techniken konnten die Wissenschaftler zeigen, dass die Erregungsrückbildung (Repolarisation) des Herzens (T-Welle im EKG) niederfrequenten Modulationen unterliegt. Sie bezeichnen die neu identifizierten Schwingungen, die im 10-Sekunden bis Minutentakt auftreten, als Periodic Repolarization Dynamics (PRD). 

Die Experten untersuchten die prognostische Bedeutung dieses neuen Phänomens an 908 Patienten nach einem Herzinfarkt und an 2965 Patienten mit Verdacht auf koronare Herzerkrankung. Patienten mit erhöhten PRD wiesen dabei ein deutlich erhöhtes Mortalitätsrisiko auf. Der prädiktive Wert von PRD war dabei allen bekannten Risikofaktoren in der Erkennung von Hochrisikopatienten überlegen. Mit Hilfe von PRD ließen sich insbesondere gefährdete Patienten erkennen, die mit anderen Verfahren nicht erkannt worden wären.

Zur Messung von PRD wird lediglich ein Oberflächen-EKG benötigt, welches über einige Minuten beim liegenden Patienten aufgezeichnet wird. Die Auswertung kann über herkömmliche Computer erfolgen. Dieses Verfahren kann in Zukunft einen entscheidenden Beitrag leisten, um Hochrisikopatienten frühzeitig zu erkennen und entsprechend prophylaktisch, z.B. durch Implantation eines Defibrillators, zu behandeln.

Titel der Originalpublikation

Sympathetic activity–associated periodic repolarization dynamics predict mortality following myocardial infarction
J Clin Invest. 2014; doi:10.1172/JCI70085

Konstantinos D. Rizas,1 Tuomo Nieminen,2 Petra Barthel,3 Christine S. Zürn,1 Mika Kähönen,4 Jari Viik,5 Terho Lehtimäki,6 Kjell Nikus,7 Christian Eick,1 Tim O. Greiner,8 Hans P. Wendel,8 Peter Seizer,1 Jürgen Schreieck,1 Meinrad Gawaz,1 Georg Schmidt,3 and Axel Bauer;1

1 Medizinische Klinik III, Abteilung für Kardiologie und Herz-Kreislauferkrankungen, Eberhard Karls University, Tübingen, Germany.
2 Division of Cardiology, Helsinki University Central Hospital, Helsinki, Finland.
3 Medizinische Klinik, Technische Universität München, Germany.
4 Department of Clinical Physiology and 5 Department of Biomedical Engineering, University of Tampere and Tampere University Hospital, Tampere, Finland.
6 Department of Clinical Chemistry, Fimlab Laboratories, School of Medicine at University of Tampere, Tampere, Finland.
7 Heart Centre, Department of Cardiology, Tampere University Hospital, Tampere, Finland.
8 Department of Thoracic, Cardiac and Vascular Surgery, Eberhard Karls University, Tübingen, Germany.

Medienkontakt

Universitätsklinikum Tübingen
Medizinische Klinik, Kardiologie und Kreislauferkrankungen
Prof. Dr. Axel Bauer
Tel. 0174 9659059
E-Mail bauer.de@googlemail.com

Dr. Ellen Katz | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neurorehabilitation nach Schlaganfall: Innovative Therapieansätze nutzen Plastizität des Gehirns
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

nachricht Die Parkinson-Krankheit verstehen – und stoppen: aktuelle Fortschritte
25.09.2017 | Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

Die Stromregelung ist eine der wichtigsten Komponenten moderner Elektronik, denn über schnell angesteuerte Elektronenströme werden Daten und Signale übertragen. Die Ansprüche an die Schnelligkeit der Datenübertragung wachsen dabei beständig. In eine ganz neue Dimension der schnellen Stromregelung sind nun Wissenschaftler der Lehrstühle für Laserphysik und Angewandte Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) vorgedrungen. Ihnen ist es gelungen, im „Wundermaterial“ Graphen Elektronenströme innerhalb von einer Femtosekunde in die gewünschte Richtung zu lenken – eine Femtosekunde entspricht dabei dem millionsten Teil einer milliardstel Sekunde.

Der Trick: die Elektronen werden von einer einzigen Schwingung eines Lichtpulses angetrieben. Damit können sie den Vorgang um mehr als das Tausendfache im...

Im Focus: The fastest light-driven current source

Controlling electronic current is essential to modern electronics, as data and signals are transferred by streams of electrons which are controlled at high speed. Demands on transmission speeds are also increasing as technology develops. Scientists from the Chair of Laser Physics and the Chair of Applied Physics at Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) have succeeded in switching on a current with a desired direction in graphene using a single laser pulse within a femtosecond ¬¬ – a femtosecond corresponds to the millionth part of a billionth of a second. This is more than a thousand times faster compared to the most efficient transistors today.

Graphene is up to the job

Im Focus: LaserTAB: Effizientere und präzisere Kontakte dank Roboter-Kollaboration

Auf der diesjährigen productronica in München stellt das Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT das Laser-Based Tape-Automated Bonding, kurz LaserTAB, vor: Die Aachener Experten zeigen, wie sich dank neuer Optik und Roboter-Unterstützung Batteriezellen und Leistungselektronik effizienter und präziser als bisher lasermikroschweißen lassen.

Auf eine geschickte Kombination von Roboter-Einsatz, Laserscanner mit selbstentwickelter neuer Optik und Prozessüberwachung setzt das Fraunhofer ILT aus Aachen.

Im Focus: LaserTAB: More efficient and precise contacts thanks to human-robot collaboration

At the productronica trade fair in Munich this November, the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT will be presenting Laser-Based Tape-Automated Bonding, LaserTAB for short. The experts from Aachen will be demonstrating how new battery cells and power electronics can be micro-welded more efficiently and precisely than ever before thanks to new optics and robot support.

Fraunhofer ILT from Aachen relies on a clever combination of robotics and a laser scanner with new optics as well as process monitoring, which it has developed...

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

“Lasers in Composites Symposium” in Aachen – from Science to Application

19.09.2017 | Event News

I-ESA 2018 – Call for Papers

12.09.2017 | Event News

EMBO at Basel Life, a new conference on current and emerging life science research

06.09.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Bakterielle Nano-Harpune funktioniert wie Power-Bohrer

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

eTRANSAFE – ein Forschungsprojekt für mehr Sicherheit bei der Arzneimittelentwicklung

26.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die schnellste lichtgetriebene Stromquelle der Welt

26.09.2017 | Physik Astronomie