Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Plasmamedizin: Behandlungsform sorgt für Furore

02.02.2010
Anwendung liefert gute Ergebnisse bei chronischen Wunden

Mit "Plasmamedizin" sorgt derzeit eine neue Behandlungsform für Furore, die den vierten Aggregatzustand der Materie - nach fest, flüssig und gasförmig - zur Basis hat. Plasma ist ein leuchtendes Gemenge aus angeregten Teilchen: Ionen, freie Elektronen, Radikale, Atome und Moleküle.

Mit der Plasmamedizin könnten Erreger von Entzündungen sicher getötet werden. Es würden keine Resistenzen erzeugt und menschliche Zellen nicht gefährdet, berichtet die "Apotheken Umschau".

Plasma kann zudem Wachstums- und Regenerationsprozesse anregen. Noch wird das Verfahren wissenschaftlich in Studien geprüft - beispielsweise im Münchner Klinikum Schwabing und im Universitätsklinikum Regensburg. Georg Isbary, der in München mit Plasma chronische Wunden behandelt, meint zu den Ergebnissen: "Nach den Anwendungen fanden wir deutlich weniger Erreger auf den Wunden als nach einer reinen Antibiotikabehandlung. Außerdem heilten diese besser und schneller ab." Noch ein Vorteil ist laut Isbary, dass die Behandlung völlig schmerzfrei ist. Nach heutigem Kenntnisstand gibt es auch keine Nebenwirkungen. Dies muss allerdings noch in weiteren Untersuchungen bestätigt werden, bevor die Anwendung Routine werden könnte.

"Komplexe" Plasmen

Forscher am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) http://www.mpe.mpg.de/theory/plasma-med/ haben herausgefunden, dass sogenannte "Komplexe" Plasmen unter besonderen Bedingungen flüssig werden können oder sogar kristallisieren. In diesem Zustand ermöglichen sie ganz neue Einblicke in die Physik von Flüssigkeiten oder Festkörpern. Die Plasmaphysiker können so beispielsweise das Schmelzen und Erstarren (die Kristallisation), die Gitter-Defektbewegung in Kristallen oder Flüssigkeitseffekte auf der Basis einzelner Atome beobachten.

Die Erforschung Komplexer Plasmen mit dem Labor PKE-Nefedov war 2001 das erste naturwissenschaftliche Projekt auf der Internationalen Raumstation ISS und in der Anfangsphase auch das erfolgreichste. Mittlerweile ist das Nachfolgelabor PK-3 Plus bereits seit vier Jahren in Betrieb und liefert wie schon sein Vorgänger einzigartige Ergebnisse. Die vom 27. bis 29. Januar durchgeführte Serie von neuen Experimenten ist die 25. Mission zur komplexen Plasmaforschung unter Schwerelosigkeit. Mit diesem Experiment wird PK-3 Plus außerdem permanent im neuen ISS-Modul MIM-2 installiert und als dessen erstes wissenschaftliches Experiment betrieben.

Die Erforschung Komplexer Plasmen ist somit eine interdisziplinäre, auf grundlegende physikalische Fragestellungen ausgerichtete Forschung. Wie so oft stellt diese allerdings wichtige Weichen für die angewandte Forschung. Die Erkenntnisse und Erfahrungen der Plasma-Experimente im Labor und auf der ISS führten zu dem ganz neuen Zweig in der Medizin, der sogenannten Plasmamedizin.

Interdisziplinärer Erfahrungsaustausch

Das junge Fachgebiet Plasmamedizin soll in Deutschland durch einen bislang einzigartigen interdisziplinären Erfahrungsaustausch am 2. März in Erfurt gefördert werden. Der Anwenderkreis Atmosphärendruckplasma (ak-adp) widmet sich an diesem Tag explizit dem hoch aktuellen Gebiet der Plasmamedizin in dem Workshop "Atmosphärendruckplasma trifft Medizin - Chancen und Perspektiven".

Michael Fiala | pressetext Focusthema Pharma
Weitere Informationen:
http://www.ak-adp.de
http://www.mpe.mpg.de/theory/plasma-med/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise