Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Plasma-Medizin: Eine Forschungskooperation sagt Hautkrankheiten den Kampf an

06.02.2012
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert Gemeinschaftsprojekt von HAWK, Hautklinik Universitätsmedizin Göttingen und TU Clausthal

Mit dem Gemeinschaftsprojekt „Grundlegende Untersuchungen zur Wirkung von Plasma auf kutane Lipidsysteme“ wollen Wissenschaftler der Region Südniedersachsen die Wirkung von physikalischem Plasma auf Hautkrankheiten erforschen. Das Vorhaben basiert auf Forschungsergebnissen der HAWK-Arbeitsgruppe für Laser- und Plasma-Technik und wird mit knapp 400.000 Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Projektpartner sind die HAWK, die Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen und die TU Clausthal.

Unsere Haut ist ein Schutzpanzer gegen die zahlreichen Umwelteinflüsse, denen wir täglich ausgesetzt sind. Die äußere Hautbarriere, der wir den Schutz verdanken, besteht aus Lipiden. Liegt eine Störung der Lipid-Bildung vor, kann der „Panzer“ geschädigt werden. Krankheiten wie trockene Haut oder Neurodermitis können auftreten. Brennen, Jucken, Entzündungen und offene Wunden sind Folgen für die Patienten, die oft auf Medikamente mit starken Nebenwirkungen angewiesen sind. An dieser Stelle greift die Plasma-Medizin. Gemeint ist hier nicht das eher bekannte Blutplasma, sondern physikalisches Plasma, ein ionisiertes Gas. Plasma entsteht, wenn einem Gasgemisch (elektrische) Energie zugeführt wird. Es wird auch als vierter Aggregatzustand bezeichnet und kommt in der Natur beispielsweise in Gewitterblitzen vor.

Plasma wird industriell zur Oberflächenmodifizierung genutzt. So kann es dafür sorgen, dass Plastiktüten bedruckbar werden. Andere Verwendungsmöglichkeiten haben sich erst in den vergangenen Jahren herausgebildet. Dank neuer Erkenntnisse, die auf Forschungsergebnissen der HAWK-Arbeitsgruppe für Laser- und Plasma-Technik beruhen, kann Plasma auch zur Behandlung von Hautkrankheiten eingesetzt werden.

Plasma kann mit geringer elektrischer Energie erzeugt werden, hinterlässt keinen Abfall und wirkt positiv auf Oberflächen wie Holz, Metall, Glas – und eben menschliche Haut. Industrieplasma ist durch die Zufuhr von Energie genauso heiß wie Wasserdampf kurz nach dem Übergang in den Aggregatzustand Gas. Dank neuer Technologien kann Plasma nun auch mit einer kalten Temperatur von circa 40 Grad Celsius mit geringem Stromfluss erzeugt werden, so dass Behandelte weder unter der Temperatur noch unter einem elektrischen Schlag leiden. Der Patient/die Patientin fühlt nicht einmal, dass das Plasma die Haut berührt.

Zahlreiche Versuche belegen die Wirksamkeit von Plasma. Das eigens gegründete Forum Plasma-Medizin (FPM) zur Erforschung des klinischen Einsatzes kalter Plasmen der Universitätsmedizin Göttingen beschäftigt sich ebenso wie die Abteilung Plasma-Medizin der HAWK-Forschungsgruppe mit der neuen Technik. Die Forscher und Forscherinnen haben herausgefunden, dass es Schmerz und Juckreiz lindert, die Wundheilung anregt und beschleunigt und selbst multiresistenten Keimen gefährlich wird.

Bislang wurden äußere Reaktionen untersucht und Gefahrlosigkeit ebenso wie Verträglichkeit sichergestellt. Nun rücken die physikalischen, chemischen und medizinischen Vorgänge in den Forschungsfokus. Im Förderprojekt der Deutschen Forschungsgesellschaft (DFG) stellen die HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/ Holzminden/Göttingen, die Universitätsmedizin Göttingen und die Technische Universität Clausthal mit dem Zentrum für Materialforschung Fachwissen und Experten zur Verfügung.

Gemeinsam wollen Prof. Dr. med. Steffen Emmert (Hautklinik der Universitätsmedizin Göttingen), der lehrende und forschende Prof. Dr. Wolfgang Maus-Friedrichs (Technische Universität Clausthal) und der lehrende und forschende Prof. Dr. Wolfgang Viöl von der Göttinger Fakultät Naturwissenschaften und Technik und Vizepräsident für Forschung und Transfer der HAWK, herausfinden, wie genau Plasma auf den Lipid-Film der Haut wirkt, welche chemischen Prozesse ablaufen und welche Faktoren ausschlaggebend sind.

Verglichen werden gesunde und kranke, menschliche und nicht-menschliche Zellen im Rahmen der Plasma-Behandlung. Erste Prototypen für die medizinische Plasma-Behandlung gibt es bereits. In der Kosmetik (Nagelpflege) werden schon Plasma-Produkte vertrieben. Wenn nun auch das theoretische Fundament für die Wirkungsweisen der neuen Technologien bekannt wird, kann in näherer Zukunft mit einer unschädlichen, schmerzfreien Behandlungsmethode gerechnet werden.

Sabine zu Klampen | idw
Weitere Informationen:
http://www.hawk-hhg.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Innovative Antikörper für die Tumortherapie
20.02.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Nervenschmerzen zukünftig wirksamer behandeln
20.02.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

Schwerstverletzungen verstehen und heilen

20.02.2017 | Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innovative Antikörper für die Tumortherapie

20.02.2017 | Medizin Gesundheit

Multikristalline Siliciumsolarzelle mit 21,9 % Wirkungsgrad – Weltrekord zurück am Fraunhofer ISE

20.02.2017 | Energie und Elektrotechnik

Wie Viren ihren Lebenszyklus mit begrenzten Mitteln effektiv sicherstellen

20.02.2017 | Biowissenschaften Chemie