Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Eine Pille gegen Metastasen?

20.02.2014
Wissenschafter entdecken neuartigen Mechanismus zur Bekämpfung metastatischer Tumore

Metastasen gehören zu den häufigsten Todesursachen bei Krebspatienten. Ihre Bekämpfung ist eine der größten Herausforderungen in der Tumor-Therapie.


Rejection of lung melanoma metastasis in mice lacking the gene for Cbl-b (down left) or carrying a mutation in this gene (down right), as compared to Cbl-b sufficient mice (upper panels)
IMBA

Wissenschafter am Institut für Molekulare Biotechnologie (IMBA) der österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) haben nun einen neuartigen Mechanismus entdeckt, wie Immunzellen metastatische Tumore angreifen. Ihre Ergebnisse könnten der Grundstein zur Entwicklung einer „Pille“ gegen Metastasen sein.

Das Immunsystem ist nicht nur für die Bekämpfung von Infektionen verantwortlich, es spielt auch eine wichtige Rolle in der Erkennung und Zerstörung von Krebszellen. Bei der Krebs-Immuntherapie wird der ganze Körper in den Kampf gegen die Krankheit miteinbezogen – für das Magazin "Science" war es der wissenschaftliche Durchbruch des Jahres 2013.

Österreichische Wissenschafter haben jetzt – in Zusammenarbeit mit Kollegen aus Australien und Deutschland – gezeigt, dass ein Protein namens Cbl-b eine Art molekulare Bremse für Immunzellen darstellt. Löst man diese Bremse, können die so genannten natürlichen Killerzellen (NK Zellen) Tumormetastasen hocheffektiv bekämpfen.

„Wenn wir Cbl-b in den NK-Zellen abschalten, werden diese sozusagen scharfgestellt und reduzieren signifikant Metastasen von Brusttumoren und Melanomen“, fasst Erstautorin Magdalena Paolino, Postdoc in der Forschungsgruppe von Josef Penninger, die Ergebnisse der Studie zusammen.

Der Pfad zum Heiligen Gral der Krebstherapie

Den Forschern ist es gelungen, einen Pfad zu identifizieren, über den Cbl-b die Funktion der NK Zellen reguliert. Gemeinsam mit dem Lead Discovery Center der Max Planck Gesellschaft in Dortmund, haben sie ein Molekül entwickelt, dass die dafür verantwortlichen Rezeptoren blockiert. „Cbl-b wirkt über die so genannten TAM Rezeptoren wie eine molekulare Bremse auf die NK Zellen. Wenn wir diese Rezeptoren mit unserem Molekül – oral verabreicht oder als Injektion – gezielt blockieren, werden die Metastasen in unseren genetischen Modellen deutlich reduziert“, weiß Magdalena Paolino.

„Metastasen sind eine der Hauptursachen, warum Krebspatienten sterben. Unsere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es möglich sein wird, Inhibitoren gegen diesen und weitere Pfade zu entwickeln. So wird das Immunsystem dazu angeregt, Krebsmetastasen zu zerstören. Eine derartige Entwicklung wäre ein Heiliger Gral der Krebstherapie. Trotz allem müssen noch weitere Experimente folgen, um unsere Erkenntnisse zu vertiefen und mögliche Nebenwirkungen ausschließen zu können“, beschreibt Josef Penninger, Direktor am IMBA und Letztautor der Studie, das Potenzial der Entdeckung.

Ein Rätsel um die Kontrolle von Metastasen ist gelöst

Die IMBA Wissenschafter konnten in ihrer Arbeit auch ein mehr als 50 Jahre altes Rätsel in der Krebstherapie lösen. Seit langem war bekannt, dass Warfarin – der weltweit am häufigsten eingesetzte Gerinnungshemmer – Tumormetastasen in Modellsystemen reduziert. Der zugrundeliegende Mechanismus war bis dato jedoch unklar.

„Unsere Erkenntnisse zeigen, dass der anti-metastatische Effekt von Warfarin durch die Inhibierung unseres neu entdeckten Cbl-b/TAM Signalweges in NK Zellen erklärt werden kann. Dieses Ergebnis liefert einen Anstoß, die Behandlung von Metastasen mit Warfarin und anderen Vitamin K-Antagonisten erneut zu überdenken“, schließt Magdalena Paolino.

Die Ära der Krebs-Immuntherapie

Täglich verändern sich zahlreiche Zellen im Körper und können zu Krebszellen werden. Diese Zellen werden vom körpereigenen Immunsystem erkannt und bekämpft. Die moderne Medizin sucht daher nach Strategien, um die körpereigene Abwehr in die Krebstherapie miteinbeziehen zu können. Aus diesem Grund wurde die Krebs-Immuntherapie im Jahr 2013 vom renommierten „Science“-Journal zum wissenschaftlichen Durchbruch des Jahres gewählt. Die Erkenntnisse der IMBA Forscher zeigen nun, dass die Entdeckung und Lösung dieser und weiterer molekularer Bremsen das Immunsystem dazu anregen kann, Tumormetastasen effektiv zu zerstören, was einen wesentlichen Schritt in der Weiterentwicklung der Krebs-Immuntherapie darstellt.

IMBA
Das IMBA – Institut für Molekulare Biotechnologie ist ein international anerkanntes Forschungsinstitut mit rund 200 Mitarbeitern aus 25 Ländern. Die Wissenschafter wollen molekulare Prozesse in Zellen und Organismen erforschen und Ursachen für die Entstehung humaner Erkrankungen aufklären. Zwölf wissenschaftliche Arbeitsgruppen arbeiten an biologischen Fragestellungen aus den Bereichen Zellteilung, Zellbewegung, RNA-Interferenz und Epigenetik, ebenso wie an unmittelbaren medizinischen Fragestellungen aus den Gebieten Onkologie, Stammzellforschung und Immunologie. Das IMBA ist eine 100% Tochtergesellschaft der ÖAW.
ÖAW
Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) ist die führende Trägerin außeruniversitärer akademischer Forschung in Österreich und verfügt über ein Jahresbudget von rund 75 Millionen Euro. Die 28 Forschungseinrichtungen beschäftigen insgesamt etwa 1.300 Personen und betreiben anwendungsoffene Grundlagenforschung in gesellschaftlich relevanten Gebieten der Natur-, Lebens- und Technikwissenschaften sowie der Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften. www.oeaw.ac.at

Weitere Informationen:

Bild Download unter http://de.imba.oeaw.ac.at/Presse-Foto
Originalpublikation in Nature: “The E3 Ligase Cbl-b and TAM receptors regulate cancer metastases via natural killer cells” http://dx.doi.org/10.1038/nature12998

Elena Bertolini | idw
Weitere Informationen:
http://www.imba.oeaw.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive