Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Den Phantomschmerz in die Schranken weisen

21.08.2008
Schmerzforscher der Universität Jena entwickeln neuartige Handprothese

Die Hand schmerzt, obwohl sie gar nicht mehr da ist: Patienten, denen Gliedmaßen amputiert wurden, leiden häufig am sogenannten Phantomschmerz.

Eine interdisziplinäre Forschergruppe der Friedrich-Schiller-Universität Jena untersucht, wie sich spezielle Arm- und Handprothesen auf die Entwicklung von Phantomschmerz und das Gehirn auswirken. Ist das Gehirn doch permanent dazu in der Lage, sich zu verändern oder weiterzuentwickeln, wie die Jenaer Forscher bereits an vielen Beispielen bewiesen haben. Die Erfolgsaussichten des neuen Projektes haben die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bewogen, die Arbeit der interdisziplinären Forschergruppe in den nächsten drei Jahren mit etwa 300.000 Euro zu fördern.

"Phantomschmerz ist bis heute schlecht therapierbar, weil seine Ursachen nicht ausschließlich in der amputierten Extremität zu suchen sind", sagt Prof. Dr. Thomas Weiß vom Institut für Psychologie. Vielmehr nehmen die Wissenschaftler von der Universität Jena an, dass es erhebliche Umstrukturierungsprozesse in jenen Teilen des Gehirns gibt, die vor der Amputation mit der Verarbeitung von Informationen aus der nun fehlenden Extremität beschäftigt waren. Diese Umstrukturierungsprozesse seien fehladaptiv, sie gehen sozusagen ins Leere. Eine mögliche Folge ist der Phantomschmerz. Um diese Fehlentwicklung wenigstens teilweise rückgängig zu machen, nutzt die Jenaer Forschergruppe herkömmliche Prothesen, bei denen Druckinformationen aus den künstlichen Fingern dem Gehirn gemeldet werden. "Die ersten Untersuchungen in einer Experimentalanordnung erwiesen sich als sehr vielversprechend", sagt Prof. Dr. Wolfgang Miltner, Lehrstuhlinhaber für Biologische und Klinische Psychologie.

Im neuen Projekt soll nun die Experimentalanordnung zu einer funktionstüchtigen Prothese weiterentwickelt werden. Die Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität arbeiten dabei intensiv mit dem Unternehmen VisuMotion Jena und der Firma Otto Bock aus Duderstadt zusammen. "Anfang nächsten Jahres soll die neue Prothese zur Verfügung stehen", sagt Thomas Weiß. Bis dahin werde mit der Experimentalanordnung weitergearbeitet.

Die Forschergruppe kooperiert dabei eng mit der Bernstein-Gruppe "Neuromatrix des Schmerzes", die Teil des vom Bundesforschungsministerium geförderten nationalen Netzwerkes für Computational Neurosciences ist. Dieses Netzwerk wurde 2004 von der Bundesregierung unter der Bezeichnung "Bernstein-Zentren" bzw. "Bernstein-Gruppen" ins Leben gerufen, um deutschlandweit die Forschung auf diesem Gebiet nachhaltig zu fördern und zu bündeln. Der Bernstein-Gruppe der Friedrich-Schiller-Universität gehören Informatiker, Psychologen, Neurologen, Unfallchirurgen, Physiker und Mathematiker an.

Für das neue Projekt werden Patienten mit Arm- oder Handamputationen gesucht, die an der Studie teilnehmen wollen. Anmeldungen nehmen Dipl.-Psych. Caroline Dietrich (Tel. 03641 / 945157, E-Mail: caroline.dietrich@uni-jena.de), Prof. Dr. Thomas Weiß (Tel. 03641 / 945143) und Angelika Kippe (Tel. 03641 / 945140) entgegen.

Kontakt:
Prof. Dr. Thomas Weiß
Institut für Psychologie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Am Steiger 3 / Haus 1
07743 Jena
Tel.: 03641 / 945143
E-Mail: thomas.weiss[at]uni-jena.de

Stephan Laudien | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte