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Pfiffige Alternative zur Operation an künstlicher Mitralklappe

23.04.2009
Sogar im Sitzen bekam Brigitte K. keine Luft mehr. Denn die Naht an ihrer künstlichen Herzklappe klaffte. Doch für eine Operation an der Herz-Lungen-Maschine war die siebzigjährige Frau zu schwach.

Mittels Katheter verschlossen Kardiologen am Universitätsklinikum Bonn daher das Leck an der Mitralklappe mit zwei neuartigen Doppelschirmen. Bereits kurz nach dem schonenden Eingriff an ihrem schlagenden Herzen konnte die Patientin viel besser atmen. Von dieser weltweit zum ersten Mal in dieser Form durchgeführten lebensrettenden Alternative berichtete jetzt die renommierte Fachzeitschrift "European Heart Journal".

Seit Monaten fiel ihr das Atmen schwer. Sogar im Sitzen bekam Brigitte K. keine Luft mehr. Lippen und Nagelhaut waren blau angelaufen. "Ich konnte gar nichts mehr", sagt Brigitte K. Vor zwanzig Jahren wurde ihr zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer eine künstliche Mitralklappe implantiert. Doch die Naht zwischen Klappenring und Herzgewebe riss ein. "Die künstliche Herzklappe als Ventil war jetzt sinnlos geworden. Denn das mit Sauerstoff angereicherte Blut floss nun direkt an der Klappe vorbei wieder zurück in die Lunge", erklärt Professor Dr. Georg Nickenig, Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn.

Ein solches so genanntes paravalvuläres Leck ist selten und wird in der Regel operativ behoben. Doch für ältere, bereits stark geschwächte Betroffene wie Brigitte K. ist eine große Operation an der Herz-Lungen-Maschine zu belastend. Daher entschlossen sich die Bonner Kardiologen, bei ihrer siebzigjährigen Patientin das Leck mit einem neuartigen Doppelschirm zu verschließen. Dessen längliche Schirme sind wie ein Surfbrett geformt. Der minimal-invasive Eingriff mittels Katheter ist für den Patient schonender, und dieser erholt sich schneller. Auf der anderen Seite sind hier auch Können und viel Erfahrung erforderlich. "Es ist allein schon schwierig, das Leck neben der Mitralklappe zu finden", sagt Professor Nickenig, dem ein modernes Echtzeit-3D-Echokardiographiegerät mittels Magensonde einen räumlichen Blick direkt in das schlagende Herz erlaubt.

Tanz des "Surfbretts" auf dem Drahtseil

Die Wege im Herzen sind stark verwinkelt. So muss der Katheter allein kurz vor der Mitralklappe eine extrem enge Kurve überwinden. "Das ist selbst mit den neuen Doppelschirmen nicht immer möglich", sagt Professor Nickenig. Daher ließen sich die Bonner Kardiologen einen Trick einfallen. Sie legten zunächst mittels Katheter von der Arterie über die linke Herzkammer sowie von der Vene über die rechte Herzkammer mit einem flexiblen Draht eine Schleife. "Dann schoben wir den zusammengefalteten Doppelschirm auf dem Draht zum Leck an der der Mitralklappe. Dort öffneten wir diesen und zogen dabei vorsichtig den Draht zurück", sagt Professor Nickenig. Es waren zwei Doppelschirme nötig, um die gerissene Nahtstelle an der künstlichen Mitralklappe von beiden Seiten wie die Brotscheiben eines Sandwichs optimal abzudecken.

Die Bonner Universitätskardiologen behandelten bisher drei Patienten mit diesem Verfahren - mit großem Erfolg. Alle drei erholten sich sehr schnell. "Jetzt kann ich sogar wieder langsam eine Treppe hochgehen. Es geht mir deutlich besser", freut sich Brigitte K..

Kontakt für die Medien:
Professor Dr. Georg Nickenig
Direktor der Medizinischen Klinik II des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: 0228/287-15217
E-Mail: georg.nickenig@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

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