Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Peptid hilft beim Angst-Verlernen

06.08.2008
Was genau läuft bei einem Trauma im Gehirn ab? Welche Rolle spielt die Hirnchemie bei der Verarbeitung von Angst und Furcht?

Einen kleinen Teil dieser gewaltigen Fragestellung konnte nun eine Forschungsgruppe von Prof. Dr. Hans-Christian Pape vom Institut für Physiologie I (Neurophysiologie) am Universitätsklinikum Münster lösen. Im Mittelpunkt steht dabei das Peptid "Neuropeptid S", kurz NPS.

Dieses Peptid beeinflusst einen konkreten Bereich der Amygdala, dem Areal des Gehirns, in dem furchtrelevante Erinnerungen gespeichert werden. NPS ist speziell beim Verlernen von Angst von besonderer Bedeutung, wie die Wissenschaftler nun nachweisen konnten.

Die Ergebnisse der Studie, bei der die Münsteraner Forscher mit einem Team von Wissenschaftlern aus den USA um Prof. Dr. Rainer Reinscheid von der University of California in Irvine zusammenarbeiteten, veröffentlichten sie jetzt in der renommierten Fachzeitschrift "Neuron".

... mehr zu:
»Amygdala »Neuropeptid »Peptid

Auf zwei Ebenen gingen die Forscher vor, erklärt Dr. Kay Jüngling: "Im Labor untersuchten wir einerseits an Hirnpräparaten, wie das Peptid auf die Zell-Zell-Kommunikation wirkt. In einem anderen Schritt wurden Verhaltensstudien durchgeführt."

Das Ergebnis der an Mäusen durchgeführten Studie: Nach gezielter Gabe des Peptids in die Amygdala wurde das Angstverhalten enorm reduziert. Auch zuvor durch pawlowsche Furchtkonditionierung erlernte negative Erfahrungen wurden mit dem Neuropeptid wieder schneller verlernt. "Wurden hingegen die Rezeptoren für das Peptid in der Amygdala gezielt blockiert, trat der gegenteilige Effekt ein: Das Verlernen der Angst bzw. der unangenehmen Erfahrung dauerte erheblich länger", so Dr. Jörg Lesting. Vom Prinzip her funktioniert das Verlernen der Angst folgendermaßen: Ein zuvor negativ assoziierter Reiz wird mehrmals ohne aversive Folgen präsentiert.

Die Furchtantwort bezüglich des Reizes nimmt ab, der Fachbegriff hierfür lautet Extinktion. Dieser Prozess beruht auf dem Anlegen einer neuen Gedächtnisspur, welche das ursprüngliche Furchtgedächtnis hemmt. Genau das geschieht aber bei traumatisierten Menschen nicht oder nicht vollständig. Im Grunde harmlose Reize können dann Assoziationen mit der schlimmen Erfahrung auslösen. Ängstliche Reaktionen bis hin zu Panik-Attacken sind die Folgen für die Betroffenen. Und genau hier könnte ein zukünftiger Anwendungsbereich des Neuropeptides liegen. Aber soweit ist die Forschung noch lange nicht, betonen Jüngling und Lesting.

"Die Einsichten aus dem Tiermodell können als Grundlagen für die klinische Forschung am Menschen dienen. Allerdings ist eine gezielte Injektion des Peptids beim Menschen nicht denkbar. Wenn wir aber die exakte Wirkungsweise des Peptides kennen, könnte etwa eine Substanz mit ähnlicher Wirkung verabreicht werden. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Allerdings haben wir nun eine sehr gute Basis, auf der wir weiterarbeiten können", so Jüngling.

Simone Hoffmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

Weitere Berichte zu: Amygdala Neuropeptid Peptid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise