Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Patienten sollen Teil der Sehfähigkeit zurückerhalten: Neuartige Netzhautprothese am UKE implantiert

03.09.2013
Erstmals in Norddeutschland haben Augenärzte des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) eine neuartige Netzhautprothese implantiert, die Patienten mit einer angeborenen schweren Netzhauterkrankung funktionale Sehkraft zurückgeben kann.

„Die 69-jährige Patientin leidet an Retinitis pigmentosa, einer vererbten Augenkrankheit, bei der die Photorezeptoren der Netzhaut absterben, der Sehnerv aber intakt bleibt. Die Sehkraft dieser Patientin verschlechterte sich immer stärker und führte zu völliger Blindheit“, erläutert Prof. Dr. Gisbert Richard, Direktor der UKE-Augenklinik.

Bei der Operation kam das sogenannte „bionische Auge“ der Firma Second Sight zum Einsatz. Dabei wird eine Retina-Prothese („Argus II“) in das Auge eingesetzt. Das Implantat stimuliert die Nervenzellen der Netzhaut, um wieder visuelle Eindrücke bei blinden Menschen hervorzurufen. Das System überträgt Videobilder, die durch eine Miniaturkamera in der Brille des Patienten erfasst werden, an Elektroden, die auf die Oberfläche der Netzhaut implantiert werden. Patienten lernen, die entstehenden visuellen Muster zu interpretieren und können sich damit wieder visuell im Raum orientieren.

„Das Argus II-Implantat bedeutet einen großen medizinischen Fortschritt für unsere Patienten“, sagt Prof. Richard. „Menschen, die durch die Erbkrankheit Retinitis pigmentosa vollständig erblinden, können nun wieder lernen, sich visuell zu orientieren, Hindernissen auszuweichen und teilweise sogar wieder Buchstaben lesen.“ Auch die 69-jährige Patientin, die am 4. Juli operativ im UKE behandelt wurde, hat in den vergangenen Wochen erhebliche Fortschritte gemacht.

Das UKE ist die erste Klinik in Norddeutschland, die das Argus II-Implantat einsetzt. In der klinischen Erprobung befindet sich in der Augenklinik ein weiteres Implantat, das Intelligente Retina Implantat System (IRIS), das maßgeblich von Prof. Richard und seinem Team entwickelt wurde. Es soll erblindeten Menschen helfen, einen Teil ihrer Sehfähigkeit wiederzuerlangen und damit ihre Lebensqualität erheblich zu verbessern. Auch dieses Implantat wird bei degenerativen Erkrankungen der Netzhaut, für die es bisher keine ausreichenden Therapien gibt, angewendet.

In der Augenklinik des UKE wurden bislang zehn Patienten mit Retina-Implantaten versorgt. Über erste Erfahrungen mit der Technik werden die UKE-Wissenschaftler auch bei der Jahrestagung der Europäischen Retina-Gesellschaft (EURETINA) berichten, die vom 26. bis 29. September im Hamburger CCH stattfindet (www.euretina.org). Prof. Richard ist sowohl Präsident der Fachgesellschaft als auch Leiter der EURETINA, der weltweit größten Tagung dieser Art.

Kontakt:
Prof. Dr. Gisbert Richard
Klinik und Polklinik für Augenheilkunde
Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf
Martinistr. 52
20246 Hamburg
Telefon: (040) 7410-52301
E-Mail: richard@uke.de

Christine Trowitzsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uke.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

nachricht Neue Risikofaktoren für Angsterkrankungen
22.02.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

6. Internationale Fachkonferenz „InnoTesting“ am 23. und 24. Februar 2017 in Wildau

22.02.2017 | Veranstaltungen

Wunderwelt der Mikroben

22.02.2017 | Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt

22.02.2017 | Medizin Gesundheit

Möglicher Zell-Therapieansatz gegen Zytomegalie

22.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Meeresforschung in Echtzeit verfolgen

22.02.2017 | Geowissenschaften