Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Wie passt sich das Gehirn an die Umwelt an? Forscher in Saarbrücken und Peking suchen Antworten

21.06.2012
Wie speichert das menschliche Gehirn Informationen ab, etwa wenn eine neue Sprache erlernt wird? Wie kann man Patienten helfen, deren räumliche Wahrnehmung gestört ist? Und beeinflussen kulturelle Unterschiede die Art und Weise, wie das Gehirn seine Leistungen vollbringt?
Mit solchen Fragen beschäftigen sich seit vier Jahren Wissenschaftler eines internationalen Graduiertenkollegs der Universität des Saarlandes. Die Saarbrücker Forscher arbeiten dabei eng mit Psychologen an der renommierten Chinese Academy of Sciences in Peking zusammen.

Nach einer umfänglichen Evaluation hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) dieses Kolleg jetzt bis 2017 verlängert und wird weitere rund 3,7 Millionen Euro für die Doktoranden der Psychologie und Neuroradiologie zur Verfügung stellen.

„In mehreren Forschungsprojekten beschäftigen wir uns mit der Frage, wie Gedächtnisleistungen und andere kognitive Prozesse durch die Lebensumwelten innerhalb und über Kulturen hinweg beeinflusst werden“, erläutert Axel Mecklinger, Professor für Experimentelle Neuropsychologie der Saar-Uni und Sprecher des Graduiertenkollegs. In diesen Projekten kommen deshalb auch verstärkt moderne neurowissenschaftliche Verfahren wie die Elektroenzephalographie und die funktionelle Magnetresonanztomographie zum Einsatz.

Zum Beispiel geht es dabei um die Frage, wie sich in beiden Kulturen verschiedene Faktoren wie Motivation, Persönlichkeitsstruktur des Kindes oder der elterliche Einfluss auf den schulischen Erfolg auswirken. Auch die Veränderbarkeit kognitiver Strukturen und ihre neuronalen Grundlagen werden erforscht. Dabei wird beispielsweise untersucht, ob man das Erlernen einer neuen Sprache verbessern kann, indem man gezielt jene Gedächtnisprozesse trainiert, die in der Zielsprache besonders gefordert werden. „Die Wissenschaftler interessiert hierbei auch, wie sich solche Prozesse über die Lebensspanne verändern. Was ändert sich, wenn sich Kinder, Jugendliche oder Erwachsene neues Wissen aneignen?“, erläutert Mecklinger.

Bei den künftigen Forschungsprojekten sollen verstärkt auch krankhafte Veränderungen im Gehirn und psychische Erkrankungen einbezogen werden. „Wenn wir besser verstehen, wie das menschliche Gehirn funktioniert, können wir geschädigte Hirnregionen möglicherweise durch gezieltes Training reaktivieren. Dies ist nicht nur für Schlaganfall-Patienten wichtig, die häufig mit Sprachverlusten zu kämpfen haben, sondern auch bei Tumoren oder nach Unfällen, wenn etwa die Wahrnehmung des Raumes gestört ist“, erklärt der Psychologie-Professor. Die Zusammenarbeit mit den chinesischen Forschern erlaubt neue Einsichten, da unterschiedliches Verhalten von Menschen, die in der westlichen und fernöstlichen Kultur sozialisiert wurden, auch auf unterschiedliche kognitive Mechanismen schließen lassen. Ein Beispiel sind traumatische Erlebnisse. „China weist viele Erdbebenregionen auf, in denen die Menschen mit posttraumatischen Belastungen zurechtkommen müssen. Hier könnten neue Forschungsprojekte ansetzen, mit denen man dann auch Menschen helfen könnte, die andersartige traumatische Erlebnisse hatten“, nennt Mecklinger als Ziel.

Alle Saarbrücker Doktorandinnen und Doktoranden des internationalen Graduiertenkollegs verbringen einen mehrmonatigen Forschungsaufenthalt in China und mehrere chinesische Psychologen forschen außerdem für längere Zeit in Saarbrücken. Die Fördergelder der Deutschen Forschungsgemeinschaft fließen komplett an die Universität des Saarlandes. Die Psychologen der Saar-Uni betreuen die Forschungsvorhaben und koordinieren das Kolleg. In dem deutsch-chinesischen Graduiertenkolleg mit dem Titel „Adaptive Minds: Neural and Environmental Constraints on Learning and Memory“ haben bisher mehr als zwanzig Doktoranden und vier Postdoktoranden erfolgreich unterschiedliche Forschungsprojekte bearbeitet.

Fragen beantwortet:

Prof. Dr. Axel Mecklinger
Lehrstuhl für Experimentelle Neuropsychologie
Tel. 0681 / 302 6510
Mail: mecklinger@mx.uni-saarland.de

Friederike Meyer zu Tittingdorf | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de/campus/forschung/forschungsaktivitaeten/graduiertenkollegs/graduiertenkolleg-adaptive-minds/general-informat
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics