Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Parlament plant gemeinsame EU-Maßnahmen zu neurodegenerativen Krankheiten

18.11.2009
Das Europäische Parlament (EP) nahm am 12. November eine Entschließung über eine gemeinsame europäische Forschungsplanung zu neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson an, um finanzielle Ressourcen, Fähigkeiten und Wissen zu bündeln und optimalen Nutzen aus EU-übergreifenden Forschungsbemühungen zu ziehen.

Jüngsten Daten zufolge leiden in Europa derzeit mehr als 7 Millionen Menschen an der Alzheimer-Krankheit und anderen Formen von Demenz, eine Zahl, die sich voraussichtlich bis 2020 noch verdoppeln wird, schätzen Experten. Da es zurzeit keine Heilungsmöglichkeiten gibt und das Wissen um Vorbeugung und Behandlung begrenzt ist, haben weitere Forschungen in diesem Zusammenhang oberste Priorität.

Zudem wird der Zuwachs an Patienten die finanziellen Mittel Europas zusätzlich schröpfen. Allein für einen einzigen Patienten belaufen sich die Behandlungskosten auf 21.000 EUR, was im Jahre 2005 in Europa Gesamtkosten von fast 1,3 Milliarden EUR verursachte.

Mit der Entschließung ruft das Parlament alle 27 Mitgliedstaaten auf, eine gemeinsame Forschungsagenda im Bereich neurodegenerativer Erkrankungen zu entwickeln. Dabei sollen auch epidemiologische Daten über die Alzheimer-Krankheit und andere Formen von Demenz verbessert werden.

Tests für Frühdiagnostik, die Erforschung von Risikofaktoren (wie Umwelteinflüsse) und Kriterien für eine Frühdiagnose sind im Kampf gegen die Krankheit von entscheidender Bedeutung.

Die Abgeordneten schlagen vor, groß angelegte epidemiologische und klinische Studien in staatenübergreifender Zusammenarbeit durchzuführen und betonen, wie wichtig ein fachgebietsübergreifender Forschungsansatz, eine umfassende Diagnose, Behandlung, Prävention und sozialwissenschaftliche Forschungen sind.

Die Forschung solle zudem auch die Verbindung zwischen Alterungsprozess und Demenz sowie zwischen Demenz und Depression bei älteren Menschen prüfen. Forschungsprogramme sollten vor allem auf Prävention, Frühdiagnostik, Standardisierung von Diagnoseverfahren und den Aufbau umfassender Datenbanken setzen.

Die Abgeordneten rufen die Kommission auf, die mit Demenzerkrankungen einhergehenden Probleme in allen EU-Präventionsmaßnahmen zu berücksichtigen. Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert, Lebensweisen zu unterstützen, die die geistige Beweglichkeit fördern. In diesem Zusammenhang schlagen die Abgeordneten ein "Europäisches Jahr des Gehirns" vor mit Schwerpunkt auf altersbedingten Gehirnerkrankungen und dementsprechenden Präventionsmaßnahmen.

Auch sollten bürokratische Hürden für das Pilotprojekt abgebaut werden, heißt es in der Entschließung. Besonders wichtig sei die Zusammenarbeit zwischen den Partnern des Pilotprojekts und der Industrie, sodass alle Beteiligten von den diversen Ressourcen und Fähigkeiten profitieren können.

Die Mitglieder des Parlaments betonten, dass alle zukünftigen Initiativen im Rahmen gemeinsamer Forschungsaktivitäten unter der rechtlichen Zuständigkeit der Union im Bereich Forschung verabschiedet werden müssen, um das Mitbestimmungsrecht des Parlaments nach der Umsetzung des Lissabon-Vertrags zu gewährleisten.

Zudem wurde Alzheimer als häufigste Ursache für Pflegebedürftigkeit herausgestellt, der durch entsprechende politische Maßnahmen in den Bereichen Forschung, Prävention und soziale Absicherung entgegengewirkt werden müsse.

In diesem Zusammenhang folgte die Entschließung des Parlaments der Kommission, die die Mitgliedstaaten im Juli 2009 zur Bündelung ihrer Ressourcen und besseren Koordinierung ihrer Forschungsplanung im Kampf gegen Alzheimer und ähnliche Erkrankungen aufgerufen hatte. Der Vorschlag der Kommission wiederum folgte einer Empfehlung des Rates der Europäischen Union aus dem Jahre 2008 zum Start der gemeinsamen Programminitiative.

"Wir wollen die Forschung unterstützen, damit sie eine größere Rolle bei der Bekämpfung gesellschaftlicher Herausforderungen wie Alzheimer und ähnlicher Erkrankungen spielen kann", sagte EU-Wissenschafts- und Forschungskommissar Janez Potocnik im Sommer dieses Jahres. "Dieser Ansatz ist eine Chance für die europäische Wissenschaft und eine Antwort auf eine der großen Herausforderungen unserer modernen Gesellschaft."

Dazu sagte EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou zu Beginn des Jahres: "Der Verlust geistiger Fähigkeiten durch Demenz ist mehr als nur eine normale Begleiterscheinung des Alterns. Und da die europäische Bevölkerung insgesamt altert, müssen wir zusammenarbeiten, um diese Phänomene besser verstehen und bekämpfen zu können. Wir müssen den Demenzkranken unsere Solidarität zeigen, indem wir Informationen über bewährte Pflegepraktiken zur Verfügung stellen und die Rechte und Würde des Patienten respektieren."

Referenz: Gestützt auf eine Pressemitteilung des Europäischen Parlaments (REF.: 20091110IPR64183)

| CORDIS
Weitere Informationen:
http://www.kooperation-international.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Im Focus: Metalle verbinden ohne Schweißen

Kieler Prototyp für neue Verbindungstechnik wird auf Hannover Messe präsentiert

Schweißen ist noch immer die Standardtechnik, um Metalle miteinander zu verbinden. Doch das aufwändige Verfahren unter hohen Temperaturen ist nicht überall...

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Event News

Invitation to the upcoming "Current Topics in Bioinformatics: Big Data in Genomics and Medicine"

13.04.2018 | Event News

Unique scope of UV LED technologies and applications presented in Berlin: ICULTA-2018

12.04.2018 | Event News

IWOLIA: A conference bringing together German Industrie 4.0 and French Industrie du Futur

09.04.2018 | Event News

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Moleküle brillant beleuchtet

23.04.2018 | Physik Astronomie

Sauber und effizient - Fraunhofer ISE präsentiert Wasserstofftechnologien auf Hannover Messe

23.04.2018 | HANNOVER MESSE

Fraunhofer IMWS entwickelt biobasierte Faser-Kunststoff-Verbunde für Leichtbau-Anwendungen

23.04.2018 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics