Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Parkinson-Erkrankung auf der Spur

22.07.2013
Den Ursachen der Parkinson-Krankheit wollen Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gemeinsam mit Forscherkollegen aus ganz Bayern auf die Spur kommen.

Dazu nutzen die Wissenschaftler eine der innovativsten Biotechnologien der jüngeren Zeit: Sie programmieren die Körperzellen Erwachsener zurück ins Stammzellenstadium und züchten daraus dann Nervenzellen.

Die Bayerische Staatsregierung fördert dieses Forschungsvorhaben im interdisziplinären Forschungsverbund ForIPS – „Humane induzierte pluripotente Stammzellen“ in den kommenden vier Jahren mit rund vier Millionen Euro.

Parkinson-Patienten leiden unter Bewegungsarmut sowie einem unkontrolliertem Zittern und einer erhöhten Muskelspannung. In ihrem Gehirn sterben Nervenzellen ab, die den wichtigen Botenstoff Dopamin produzieren. Bei einigen Patienten steuert ein Gen den Ausbruch der Krankheit.

Die Mehrheit der Patienten erkranken hingegen, ohne dass sich ein genetischer Defekt nachweisen lässt. Mediziner vermuten, dass bei diesen Patienten der Stoffwechsel in den Nervenzellen gestört ist. Hier wollen die Wissenschaftler von ForIPS ansetzen und untersuchen, welche Mechanismen in den Nervenzellen dazu beitragen, die Erkrankung auszulösen.

Sie setzen dabei auf eine bahnbrechende Biotechnologie: Sie programmieren gereifte Zellen des erwachsenden menschlichen Körpers zurück zu Stammzellen. Stammzellen gelten als die mächtigsten Zellen des Körpers. Sie sind wandlungsfähige Alleskönner, die sich zu jeder beliebigen spezialisierten Zelle weiterentwickeln können bzw. züchten lassen – Herz- oder Leberzellen, weiße Blutkörperchen oder Nervenzellen. Im Jahr 2012 wurde der Nobelpreis für Medizin für diese Entdeckung vergeben, denn es birgt unzählige Möglichkeiten für die medizinische Forschung – und entlastet die ethische Debatte, denn die Stammzellen müssen nicht mehr aus Embryonen gewonnen werden.

Im Forschungsverbund ForIPS wollen die Wissenschaftler Parkinson-Patienten Bindegewebszellen der Haut entnehmen und diese in der Petrischale über das Stammzellenstadium zu Nervenzellen züchten. Dieses aufwändige Verfahren ist notwendig, weil es sich ethisch verbietet, aus dem Gehirn von Patienten direkt Nervenzellen zu entnehmen. Diese umprogrammierten Zellen werden dann die gleichen Eigenschaften –und die gleichen Defekte – aufweisen wie die Nervenzellen der betroffenen Parkinson-Patienten.

Anhand dieser Proben können die Wissenschaftler untersuchen, welche Mechanismen die Krankheit tatsächlich auslösen. Hierdurch kann individuelle, auf den einzelnen Patienten zugeschnittene Erforschung zur Krankheitsentstehung und möglichen Interventionen vorangetrieben werden. Außerdem wird am Universitätsklinikum Erlangen eine Biobank aufgebaut, in der die Zellproben gelagert und anderen Forschern zur Verfügung gestellt werden.

In ForIPS arbeiten Wissenschaftler der Universitäten bzw. Universitätsklinika Erlangen-Nürnberg, München (LMU und TUM), Regensburg und Würzburg aus den Fachbereichen Medizin, Biologie und Ethik fachübergreifend zusammen. Sprecher des Forschungsverbunds ist Prof. Dr. Jürgen Winkler, Leiter der Abteilung für Molekulare Neurologie und Bewegungsambulanz am Universitätsklinikum Erlangen.

Informationen für die Medien:
Prof. Dr. Jürgen Winkler
Tel.: 09131/85-39323
juergen.winkler@uk-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen