Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Parallelen zwischen Wundheilung und Krebs

18.03.2009
Immer mehr Menschen erkranken weltweit an Hautkrebs. Grund dafür sind die erhöhte Lebenserwartung und die zunehmende Belastung durch UV-Strahlen.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Sabine Werner an der ETH Zürich erforscht die molekularen Mechanismen, die der Entstehung und dem Wachstum von Hauttumoren zugrunde liegen. Dabei nutzt sie ihre Erfahrungen auf dem Bereich der Wundheilung und die interessanten Parallelen zwischen Wundheilung und Krebs.

"Tumore sind Wunden, die nicht heilen", ist eine wichtige Aussage des amerikanischen Pathologen Dr. Harold Dvorak. Sie beruht auf histologischen Beobachtungen, die er bereits vor mehr als 20 Jahren an Hautwunden und bösartigen Tumoren gemacht hat. Seine Hypothese konnte inzwischen zumindest teilweise bestätigt werden. Insbesondere auf der molekularen Ebene lassen sich wichtige Parallelen zwischen Wundheilung und Krebs finden.

So konnte gezeigt werden, dass das Genexpressionsmuster in heilenden Wunden starke Ähnlichkeit mit dem Genexpressionsmuster in bösartigen Tumoren aufweist, wobei die Parallelen bei besonders aggressiven Tumoren am stärksten sind. Es ist deshalb wichtig, die Gene zu identifizieren und funktionell zu charakterisieren, die sowohl die Wundheilung als auch das Wachstum von Tumoren steuern.

Das Team von Prof. Dr. Sabine Werner an der ETH Zürich konnte in den neuesten Arbeiten zeigen, dass dieselben Mechanismen, welche für die Wundheilung entscheidend sind, auch beim Entstehen und Wachsen von Tumoren eine Rolle spielen.

Aggressive Moleküle und schützendes Enzym

Eine besonders wichtige Rolle bei Wundheilung und Krebsentstehung spielen reaktive Sauerstoffspezies. Geringe Mengen dieser reaktiven Moleküle werden in allen Zellen gebildet, denn sie werden für die Übertragung von bestimmten Signalen in der Zelle benötigt. Während der Wundheilung werden jedoch durch die eingewanderten Entzündungszellen mehr reaktive Sauerstoffspezies produziert. Diese sind wichtig für die Bekämpfung von eindringenden Bakterien. In höheren Konzentrationen schädigen sie aber die Zellen. Es kann zum Zelltod und manchmal auch zur malignen Entartung kommen. Äussere Faktoren wie UV-Strahlung oder bestimmte Chemikalien verstärken die Bildung reaktiver Sauerstoffspezies in der Haut. Das ist ein Grund dafür, warum die Forschung heute zu viel UV-Strahlung als schädlich, resp. tumorbildend einstuft.

Zur Bekämpfung reaktiver Sauerstoffspezies haben Zellen verschiedene Mechanismen entwickelt. Besonders wichtig sind hierbei Enzyme, die diese aggressiven Moleküle detoxifizieren. Hierzu gehören auch die sogenannten Peroxiredoxine. Die Arbeitsgruppe an der ETH Zürich konnte zeigen, dass ein bestimmtes Peroxiredoxin (Peroxiredoxin 6) in der Lage ist, Hautzellen vor den schädigenden Wirkungen von UV Licht zu schützen. Das gleiche Enzym fördert auch den Prozess der Wundheilung, insbesondere bei älteren Tieren.

Schützt Peroxiredoxin 6 vor Hautkrebs?

Die Wilhelm Sander Stiftung fördert nun das ETH-Projekt, das die Funktion von Peroxiredoxin 6 bei der Entstehung und Progression von epithelialem Hautkrebs untersucht. Für die Studie wurden Mäuse genetisch so verändert, dass eine Gruppe erhöhte Mengen des Enzyms in der Haut produziert, während der zweiten Gruppe das Enzym fehlt. So soll untersucht werden, ob Peroxiredoxin 6 vor der Entstehung von Hautkrebs schützt bzw. das Tumorwachstum und die Bildung von Metastasen beeinflusst. Parallel dazu wird zusammen mit verschiedenen Hautkliniken untersucht, ob in menschlichen Hauttumoren (Basalzellkarzinome und Plattenepithelzellkarzinome) die Bildung von Peroxiredoxin 6 erhöht oder erniedrigt ist. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen zu einem besseren Verständnis der Mechanismen beitragen, die der Entstehung und dem Wachstum von Hauttumoren zugrunde liegen. Dies ist die Voraussetzung für die Entwicklung von Strategien zur Prophylaxe und Therapie dieser bösartigen Erkrankungen.

Kontakt: Prof. Dr. S. Werner, ETH Zürich, Departement Biologie
Telefon: +41 44 633 39 41 / E-Mail: sabine.werner@cell.biol.ethz.ch
Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 150.000 €. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise