Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Organspende rettet Leben – Chirurgen und Internisten gründen Task Force Transplantationsmedizin

09.04.2013
Im Jahr 2012 transplantierten Ärzte in Deutschland 3706 Organe: Herz, Nieren, Leber, Lunge, Bauchspeicheldrüse und Dünndarm.

Eine Organtransplantation verbessert die Lebensqualität der meisten Empfänger erheblich, vielen von ihnen rettet sie das Leben. Um hierzulande die Prozesse und die Qualität von Organspenden zu verbessern, haben die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) und die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) jetzt eine „Task Force Transplantationsmedizin“ gegründet.

Ziel ist es, dass Transplantationen zu jeder Zeit transparent und noch erfolgreicher verlaufen und geltenden Standards entsprechen. Zudem sollten Patienten bestmöglich davon profitieren und Ärzte anhand messbarer Kriterien, die dem aktuellen Stand der Wissenschaft angepasst sind, nachvollziehbare Entscheidungen treffen können.

Das Gremium wird Richtlinien und Standards für die Vergabe und den Umgang mit Spenderorganen erarbeiten. „Klarer Konsens und wichtige Maßgabe ist, dass wir über Transplantationen künftig immer interdisziplinär entscheiden“, betont DGIM-Vorsitzende Professor Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann aus Wiesbaden. Denn beide Disziplinen begleiten eine Organspende in der Regel gleichermaßen intensiv: Der Internist behandelt den Patienten lückenlos vor und nach der Operation. Der Chirurg führt die Transplantation durch und ist damit in die Therapie entscheidend eingebunden.

Als wissenschaftliche Fachgesellschaften sehen DGIM und DGCH es als ihre Aufgabe an, objektive, messbare und bundesweit geltende Parameter nach aktuellem Wissensstand weiter zu entwickeln. Dringlichkeit und Aussicht auf Erfolg einer Transplantation bestimmen den Vorgang wesentlich, erläutert DGCH-Generalsekretär Professor Dr. Dr. med. Hans-Joachim Meyer aus Berlin: „In ethisch und medizinisch derart komplexen Fragen benötigen die behandelnden Ärzten klare, nachvollziehbare Vorgaben und Entscheidungskompetenzen.“ Diese müssten noch vor einer übergeordneten Überwachung durch Bundesärztekammer und Politik gelten.

Ein Maß für den Schweregrad einer Lebererkrankung etwa ist der sogenannte „labMELD-Score“, der sich aus mehreren Laborwerten zusammensetzt. Je höher der MELD-Score, desto höher das Risiko, innerhalb der nächsten drei Monate zu versterben. Eindeutige Regeln fordert die DGIM auch für Patienten mit Leberzellkrebs oder bei alkoholinduzierter Lebererkrankung sowie bei der Labordiagnostik. „Ein Problem ist, dass messbare Kriterien wie diese wegen Ausnahmeregelungen immer wieder außer Kraft gesetzt werden“, bedauert Professor Ulrich R. Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel.

Auch die organisatorische Seite gelte es zu vereinheitlichen: Daten müssten sicher und vollständig übertragbar sein, um die Transparenz zu verbessern. Die Task Force fordert deshalb eine lückenlose schriftliche Dokumentation sämtlicher Schritte des Transplantationsvorgangs: „Von der Anzeige für eine Transplantation bis zur Zuteilung des Organs müssten Internisten und Chirurgen interdisziplinär zukünftig noch enger zusammenarbeiten“, betont Professor Dr. med. Karl-Walter Jauch, Präsident der DGCH aus München. Um ärztliche Qualität zu sichern, wird das Gremium seine Vorschläge auch in die Novelle der ärztlichen Weiterbildungsordnung einbringen.

Die Task Force Transplantationsmedizin ist paritätisch besetzt: Jeweils fünf Experten von DGIM und DGCH gehören ihr an, außerdem ein Repräsentant der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und ein Medizinethiker. Transplantationsmedizin in Deutschland war ein Thema auf dem 119. Internistenkongress, der vom 6. bis 9. April 2013 in Wiesbaden stattfand, und ist es auch auf dem 130. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie, der vom 30. April bis 3. Mai 2013 in München stattfindet.

Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM)
Pressestelle
Anna Julia Voormann/Corinna Spirgat
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Tel.: 0711 8931-552
Fax: 0711 8931-167
voormann@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgim.de
http://www.dgim2013.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie