Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Optische Biopsie - Laserendomikroskopie für die intraoperative Diagnostik

30.12.2011
Bösartig verändertes Gewebe etwa in den Verdauungsorganen zu erkennen, ist nicht immer einfach.

„Es kommt beispielsweise im Gallengang vor, dass wir mehrere Gewebeproben nehmen müssen, um endlich Klarheit zu bekommen“, sagt Prof. Jörg Schirra, Oberarzt an der Medizinischen Klinik II am Klinikum der Universität München (LMU). Denn mit den bisherigen Diagnoseverfahren lässt sich bei der Biopsie nicht optisch nachvollziehen, ob man wirklich eine krebsartig veränderte Stelle im Gallengang „erwischt“ hat.

Die Trefferquote könnte sich allerdings zukünftig verbessern: Mit der Anschaffung der konfonkalen Laserendomikroskopie, im Fachjargon kurz pCLE genannt, lässt sich während der endoskopischen Untersuchung des Gallengangs zumindest das Muster eines verdächtigen Bereichs identifizieren. Nach einer ersten Studie an einer anderen Klinik „erhöht sich die Trefferquote für die Gewebeentnahme mit der pCLE von bislang 75 auf 90 Prozent“, erklärt Prof. Schirra. Für den Gastroenterologen ein „deutlicher Fortschritt.“

Gekauft wurde das neue Gerät mit finanzieller Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft von T.E.A.M., einem Netzwerk aus zwölf Kliniken und Instituten vorwiegend am Klinikum der Universität München. „T.E.A.M. leistet wissenschaftliche Pionierarbeit in der intraoperativen Diagnostik“, betont dessen Sprecher, der Physiker Dr. Herbert Stepp. Die Entwicklung der intraoperativen Diagnostik hat Tradition am LMU-Klinikum. Schon in den 1990er Jahren hat das Laser-Forschungslabor, seinerzeit Teil der Urologischen Klinik, ein Fluoreszenz-Verfahren entwickelt, das Tumorgewebe rot leuchtend darstellt.

Dieses Verfahren ist seit 2005 im Routine-Einsatz, um Harnblasenkrebs und Hirntumoren verlässlicher zu diagnostizieren. Damit sind an der Harnblasen-schleimhaut auch Krebsherde sichtbar, die zuvor Augen und medizinischem Gerät verborgen blieben. Die T.E.A.M.-Mannschaft will die Methode jetzt so weit verbessern, dass mit Rechnertechnik die gesamte Harnblase abgebildet werden kann.

Perspektiven kombinierter Techniken
Allerdings erlaubt das Fluoreszenz-Verfahren keine direkten Aussagen über die Art der Gewebeentartung der Zellen – ein rot fluoreszierendes Areal kann auch gutartig sein, zum Beispiel eine Entzündung. „Dazu braucht es eine mikro-skopische Auflösung, die mit der pCLE möglich ist“, sagt Dr. Stepp. Im Kanal eines Endoskops schiebt der Arzt dabei eine hauchdünne Sonde bis zum Gewebe vor und setzt sie auf verdächtigen Stellen auf. Dann kann man bis etwa 150 Mikrometer tief unter die Gewebeoberfläche Zellen mikroskopisch darstellen. Das Gerät ist einsetzbar in allen Organen mit einem Hohlraum – also beispielsweise in der Blase, im Rachenraum oder eben im Verdauungstrakt. Die Ausbreitung eines Tumors in das umgebende Bindegewebe kann die pCLE aber nicht bestimmen. Dies erfolgt mit einer Ultraschallsonde oder – mit deutlich besserer Auflösung - durch ein ebenfalls neues Verfahren, die optische Kohärenztomografie (OCT). Auch diese Methode wird mit zwei Leihgeräten am Klinikum klinisch erprobt. Wie sich die OCT und die pCLE entwickeln werden, „ist trotz aller Perspektiven derzeit noch nicht absehbar“, gibt Dr. Stepp zu bedenken.

Denn noch ist etwa die pCLE so neu, dass entsprechende Studien fehlen, die das Team um Prof. Schirra jetzt etwa für den Einsatz im Gallengang und in der Speiseröhre starten will. In der Speiseröhre geht es um die Erkennung von Krebsvorstufen bei Patienten mit dem „Barrett-Syndrom“ – einer chronisch-entzündlichen Erkrankung. Bei der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung „Colitis ulcerosa“ liegt dagegen bereits eine positive Studie des Universitätsklinikums Mainz vor. Nach etwa zehn Jahren haben diese Patienten ein erhöhtes Krebsrisiko, wobei sich die Tumorvorstufen im entzündeten Gewebe oft nur schwer identifizieren lassen Bei der Studie zeigte sich, dass pCLE die Trefferquote bei der Gewebeentnahme verbessert.

Zukunftsmusik
Ob eines Tages eine intraoperative Diagnose so aussehen wird, dass erst die Fluoreszenz-Diagnostik verdächtige Gewebeareale lokalisiert, dann die pCLE ohne eine nachfolgende Gewebeentnahme die verdächtigen Zellen mikroskopisch beurteilt und die OCT in einem dritten Schritt die Mikroinvasion von Tumorzellen in Bindegewebe erkennt, bleibt einstweilen eine Vision. „Bis auf weiteres“, sagt Prof. Schirra, „entnehmen wir weiter Gewebe, und der Pathologe hat bei dessen Beurteilung im Labor das letzte Wort.“ Die Proben, die er bekommt, werden allerdings dank der pCLE schon jetzt oft besser sein als zuvor. Und „nebenbei“ werden alle neuen optischen Verfahren wissenschaftlich auf ihren Wert geprüft.
Kontakt:
Prof. Dr. Jörg Schirra
Medizinische Klinik II
Klinikum der Universität München
Marchioninistr. 15
81377 München
E-Mail: joerg.schirra@med.uni-muenchen.de
Dr. Herbert Stepp
Laser-Forschungslabor
Klinikum der Universität München
Marchioninistr. 23
81377 München
Tel.: 089/7095-4880
Fax: 089/7095-4864
Klinikum der Universität München
Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2010 an den Standorten Großhadern und Innenstadt 465.000 Patienten ambulant, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 45 Fachkliniken, Institute und Abteilungen sowie 35 interdisziplinäre Zentren verfügen über mehr als 2.200 Betten. Von insgesamt über 10.000 Beschäftigten sind rund 1.800 Mediziner. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2010 rund 70 Millionen Euro an Drittmitteln verausgabt und ist seit 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Gemeinsam mit der Medizinischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität ist das Klinikum der Universität München an sechs Sonderforschungsbereichen der DFG (SFB 455, 571, 594, 596, 684, 824), an drei Sonderforschungsbereichen-/Transregio (TR 05, TR 22, TR 36), einer Forschergruppe (FOR 535) sowie an drei Graduiertenkollegs (GK 1091 und 1202, SFB-TR 36) beteiligt. Hinzu kommen die drei Exzellenzcluster „Center for Integrated Protein Sciences“ (CIPSM), „Munich Center of Advanced Photonics“ (MAP) und „Nanosystems Initiative Munich“ (NIM) sowie die Graduiertenschule „Graduate School of Systemic Neurosciences“ (GSN-LMU).

Philipp Kressirer | idw
Weitere Informationen:
http://www.laser-forschungslabor.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn
11.06.2018 | Universität Bern

nachricht Malaria: Kooperierende Antikörper verbessern Immunreaktion
08.06.2018 | Deutsches Krebsforschungszentrum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Im Focus: First real-time test of Li-Fi utilization for the industrial Internet of Things

The BMBF-funded OWICELLS project was successfully completed with a final presentation at the BMW plant in Munich. The presentation demonstrated a Li-Fi communication with a mobile robot, while the robot carried out usual production processes (welding, moving and testing parts) in a 5x5m² production cell. The robust, optical wireless transmission is based on spatial diversity; in other words, data is sent and received simultaneously by several LEDs and several photodiodes. The system can transmit data at more than 100 Mbit/s and five milliseconds latency.

Modern production technologies in the automobile industry must become more flexible in order to fulfil individual customer requirements.

Im Focus: ALMA entdeckt Trio von Baby-Planeten rund um neugeborenen Stern

Neuartige Technik, um die jüngsten Planeten in unserer Galaxis zu finden

Zwei unabhängige Astronomenteams haben mit ALMA überzeugende Belege dafür gefunden, dass sich drei junge Planeten im Orbit um den Säuglingsstern HD 163296...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz – Schafft der Mensch seine Arbeit ab?

15.06.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Asteroidenforschung in Garching

13.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Abwehrmechanismus gegen Sauerstoffradikale entdeckt

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Umwandlung von nicht-neuronalen Zellen in Nervenzellen

18.06.2018 | Biowissenschaften Chemie

Im Fußballfieber: Rittal Cup verspricht Spannung und Spaß

18.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics