Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ophtalmologisch höchst relevant: Regeneration des Sehnervs durch Pam3Cys

19.08.2009
Schädigungen des Sehnervs, die zum Beispiel durch Unfälle, Tumore oder verschiedene neurodegenerative Erkrankungen ausgelöst werden können, sind in der Regel immer mit einem irreversiblen funktionellen Verlust des Sehens verbunden. Auch beim grünen Star (Glaukom), der einer der häufigsten Ursachen für Erblindungen in unserer Gesellschaft darstellt, ist durch eine Schädigung des Sehnervens bedingt.

Die Ursache dafür, dass Sehnervschädigungen nicht mehr repariert werden können, liegt daran, dass die Axone von den Retinalen Ganglienzellen, die die visuellen Signale von der Netzhaut zum Gehirn weiterleiten, bei Sehnervverletzungen durchtrennt werden.

Eine Regeneration dieser Axone kann unter normalen Umständen nicht erfolgen, da die Retinalen Ganglienzellen zum einen ihre Fähigkeit zum axonalen Wachstum nach der Geburt größtenteils einbüßen und darüber hinaus im Sehnerven inhibitorisch wirkende Faktoren zu finden sind, die eine axonale Regeneration ebenfalls erschweren. Wenige Tage bis Wochen nach Sehnervtraumata beginnen die geschädigten, nicht-regenerierenden Retinalen Ganglienzellen abzusterben.

Vor einigen Jahren haben Professor Dietmar Fischer (Experimentelle Neurologie der Universität Ulm) und andere entdeckt, dass durch eine Verletzung der Linse des Auges der Zelltod von verletzten Retinalen Ganglienzellen stark verzögert wird und diese Zellen in einen aktiven regenerativen Zustand übergehen. Dieser regenerative Zustand erlaubt es den retinalen Nervenzellen Axone zurück in den verletzten Sehnerven zu regenerieren. Die Arbeitsgruppe Fischers konnte in den letzten Jahren zeigen, dass diese starken neuroprotektiven und regenerationsfördernden Effekte einer Linsenverletzung indirekt über die Aktivierung von Astrozyten und Müller Zellen in der Netzhaut vermittelt werden, die als Folge die beiden Faktoren ciliary neurotrophic factor (CNTF) und leukemia inhibitory factor (LIF) freisetzen. Sowohl CNTF als auch LIF besitzen starke regenerationsfördernde Eigenschaften auf Axone von Retinalen Ganglienzellen. Da eine Verletzung der Linse allerdings immer zu deren Verlust führt, ist diese Methode zur Induktion der Neuroprotektion oder Stimulation zur axonalen Regeneration beim Menschen nicht denkbar.

In der international renommierten ophthalmologischen Zeitschrift Investigative Ophthalmology and Visual Science berichtet nun die Arbeitsgruppe von Professor Fischer, dass die positiven Effekte einer Linsenverletzung über die Injektion des spezifischen Toll-like-Rezeptor-Agonisten Pam3Cys nicht nur imitiert, sondern zudem noch deutlich übertroffen werden können, so dass ein Einsatz dieser Substanz zur Neuroprotektion und Regenration des Sehnerven und so zum Beispiel zur Behandlung von bisher nicht-therapierbaren Formen des Glaukoms möglich sein könnte. Bei diesem Ansatz, der bislang allerdings nur im Tiermodell durchgeführt wurde, bleibt die Linse des Auges unbeschädigt und der Glaskörper des Auges klar, so dass der Lichteinfall auf die Netzhaut durch diese Anwendung nicht wesentlich beeinträchtigt wird. Diese Eigenschaften sind aus opthalmologischer Sicht von höchster Relevanz. Ob und in wieweit Pam3Cys bei Patienten angewendet werden kann, die an den Folgen einer Schädigung des Sehnervens leiden, muss in Zukunft untersucht werden.

Rückfragen an:
Prof. Dr. Dietmar Fischer
Experimentelle Neurologie
Albert-Einstein-Allee 11
89081 Ulm
Tel.: 0731-500-63048
dietmar.fischer@uni-ulm.de
Hauk, T.G., et al., Intravitreal application of the Toll-like receptor 2 agonist Pam3Cys stimulates axon regeneration in the mature optic nerve. Invest Ophthalmol Vis Sci, 2009, doi:10.1167/iovs.09-4203

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/klinik/neurologie/fischer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen