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Operationen durch den Hintereingang – Die chirurgische Entfernung von Rektumadenomen ohne Bauchschnitt

02.04.2009
Polypen im Enddarm – ein Thema, über das man doch eigentlich gar nichts wissen will, oder? Sollte man aber!

Denn die Anzahl der Betroffenen ist höher als man denkt. Bei fast 20 Prozent der über 50-jährigen Mitteleuropäer treten diese Schleimhautgeschwülste, die in den Hohlraum des Dickdarms hineinragen, auf.

Sie können verschiedene Formen und Größen haben sowie einzeln oder zahlreich vorliegen. Besonders im Rektum, dem letzten Darmabschnitt, sind die gutartigen Tumore zu finden. Je nach Gewebeart unterscheidet man verschiedene Arten von Polypen. Am häufigsten sind die so genannten Adenome, die sich zu Vorstufen von Dickdarmkrebs entwickeln können. Ihr Entartungsrisiko liegt bei bis zu 50 Prozent.

Besonders tückisch: Adenome verursachen zumeist keine Beschwerden und werden daher kaum bemerkt. Nur gelegentlich führen sehr große Polypen zu einer schmerzhaften Verstopfung, abwechselnd dünnem und festem Stuhl, Blähungen oder Koliken. Selten können auch auffällige Schleimabsonderungen festgestellt werden. Allerdings: Wenn sich das Rektumadenom durch Symptome bemerkbar macht, ist es häufig bereits bösartig geworden. Die sicherste Methode zur Früherkennung der Tumore ist die Darmspiegelung. Personen über 50 wird deshalb empfohlen, alle fünf Jahre eine solche durchführen zu lassen. „Keine andere Screeningmethode ist effektiver für die frühzeitige Erkennung von Adenomen im unteren Darmabschnitt als die Rektoskopie und die Koloskopie“, bestätigt Prof. Dr. Peter Markus, Direktor der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Unfallchirurgie des Essener Elisabeth-Krankenhauses. „Tests auf nicht sichtbares Blut im Stuhl sind zu ungenau und ein manuelles Abtasten des Enddarms ist nur in den ersten Zentimetern möglich.“

Schlinge oder Messer?

Werden bei einem Check Adenome im Rektum gefunden, kommt ein endorektaler Ultraschall zum Einsatz. Ein kleiner Schallkopf wird rektal eingeführt und liefert aussagekräftige Bilder der Darmschleimhaut. „Mit Hilfe des endorektalen Ultraschalls können wir sehen, wie tief der Tumor in die Darmwand eingedrungen und ob er bereits bösartig geworden ist“, erläutert der Chirurg. Zur Entfernung der Rektumadenome stehen zwei Therapieverfahren zur Auswahl. Je nach Diagnose werden im Elisabeth-Krankenhaus entweder die endoskopische Schlingenabtragung oder die transanale endoskopische Mikrochirurgie – kurz TEM – eingesetzt. Prof. Markus: „Die beiden unterschiedlichen Methoden sind keine konkurrierenden Verfahren. Es wird individuell entschieden, welche angewendet wird. Das Ziel ist natürlich immer die komplette Entfernung des Adenoms. Die Schlingenabtragung eignet sich nur für oberflächliche Polypen mit einem Basisdurchmesser von weniger als drei Zentimetern. Ist die Entfernung mit der Schlinge nicht durchführbar oder war eine Schlingenabtragung unvollständig, müssen Rektumadenome operativ entfernt werden.“

TEM: Ohne Bauchschnitt

„Die operative Entfernung von großen oder sehr breitbasigen Adenomen und Frühstadien des Mastdarmkrebses ist mit der Einführung der TEM revolutioniert worden“, so Prof. Markus. „In bis zu 15 Zentimeter Abstand vom Anus kann so operiert werden. Bei gutartigen Tumoren hat das Verfahren die konventionellen chirurgischen Techniken in diesem Bereich weitgehend verdrängt.“ Mit einem Operationsrektoskop blickt der Chirurg mit Hilfe einer Optik in das Rektum und navigiert so die speziell für diese Methode entwickelten Instrumente. Durch Beleuchtung, Vergrößerungseffekt des optischen Systems und Aufdehnung des Darmabschnitts mit Hilfe von CO2 ist eine exakte mikrochirurgische Präparation möglich.

Der Patient liegt bei dem Eingriff auf einem drehbaren OP-Tisch, so dass er stets in die für den Operateur günstigste Lage zu bringen ist. Im Unterschied zur Schlingenabtragung ist bei der TEM eine Vollnarkose oder eine Rückenmarksanästhesie notwendig.

„Für den Patienten ist dieses Verfahren dennoch schonend und mit nur geringer Belastung verbunden“, so Prof. Markus. „Komplikationen während oder nach dem Eingriff sind äußerst selten und die Rezidivrate – also die Zahl von Tumorneubildungen – ist sehr niedrig. Der größte Vorteil für die Patienten ist jedoch, dass die vollständige Entfernung von großen Polypen oder von Mastdarmkrebs im Frühstadium bei der TEM ohne Bauchschnitt und ohne Anlegen eines künstlichen Darmausganges möglich ist.“

Prof. Dr. Markus | EKE Presse Newsletter
Weitere Informationen:
http://www.elisabeth-essen.de

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