Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Operation der Eierstöcke durch den Magen

22.05.2012
Eingriff in der Mannheimer Universitäts-Frauenklinik weltweit erstmals durchgeführt

Gynäkologische Operationen an den Eierstöcken und Eileitern sind Routineverfahren, doch haben Ärzte der Universitätsmedizin Mannheim (UMM) nun erstmals einen solchen Eingriff über einen Zugang durch den Magen führend vorgenommen. Die von Gynäkologen und Chirurgen gemeinsam durchgeführte Operation hatte zum Ziel, bei einer 42-jährigen, genetisch vorbelasteten Patientin aus Gründen der Tumorvorsorge die Eierstöcke zu entfernen.

„Der Vorteil solch einer Operationsmethode besteht darin, dass weder ein großer Bauchschnitt noch kleine Inzisionen an der Bauchhaut notwendig sind. Es bleiben also keinerlei sichtbare Narben zurück,“ sagt Professor Dr. med. Georg Kähler, Leiter der Zentralen Interdisziplinären Endoskopie.

An der UMM setzt Kähler darauf, bei operativen Eingriffen natürliche Körperöffnungen zu nutzen – mittlerweile hat er mehrere entzündete Blinddärme entfernt, indem er mit Endoskopen anstatt durch die Bauchdecke über Speiseröhre und Magen in den Bauchraum vorgedrungen ist. Endoskope sind schlanke, schlauchartige Instrumente, die normalerweise bei einer Spiegelung des Magen-Darm-Trakts zum Einsatz kommen.

Im Fall der erwähnten Patientin, die nach dem Eingriff wieder wohlauf ist, war es nicht unbedeutend, einen ungewöhnlichen Zugangsweg zu den Eierstöcken zu suchen. Der UMM-Gynäkologe und Oberarzt Dr. med. Amadeus Hornemann: „Neben einer erblich bedingten hohen Wahrscheinlichkeit, an den Eierstöcken einen bösartigen Tumor zu entwickeln, leidet sie an einer Hauterkrankung, die nahe legt, die Haut nicht durch einen operativen Schnitt zu verletzen.“ Klassischerweise wird dieser Eingriff durch die Bauchdecke vorgenommen, in der Mannheimer Universitäts-Frauenklinik geschieht dies übrigens mehr als 50 mal im Jahr.

Dass der Zugang durch den Magen nicht medizinischer Experimentierfreude entspringt, sondern in verschiedenen chirurgischen Fachgebieten einen hohen Patientennutzen haben kann, bekräftigt Professor Kähler: „Die Magenwand ist dünner und dehnbarer als die Bauchhaut, und weil es sich um eine Schleimhaut handelt, verheilt dort eine Operationswunde auch schneller.“ Letzteres wiederum dient dem Allgemeinbefinden der Patienten.

Dr. Hornemann ergänzt: „Diese Vorgehensweise ist derzeit noch ausgesprochen selten, und die Eierstöcke wurden weltweit noch nie auf diese Weise entfernt. Aber die Entwicklung geht dahin, den natürlichen Körperöffnungen künftig eine größere Aufmerksamkeit bei neuen Operationsmethoden zu schenken.“ Die Medizingeschichte könnte ihm Recht geben, denn: „Als vor drei Jahrzehnten minimal-invasive Eingriffe immer gängiger wurden, hat die Fachwelt dies durchaus kritisch betrachtet. Heute ist solch eine Operation – quasi durchs Schlüsselloch – absoluter Standard in der Medizin.“

NOTES
Für Operationen, bei denen sich Ärzte vorhandene Körperöffnungen zunutze machen, hat die Fachwelt inzwischen einen Begriff geprägt: „Natural Orifice Transluminal Endoscopic Surgery (NOTES)“ lässt sich frei übersetzen mit „Chirurgie durch natürliche Körperöffnungen“. Der Trend zu möglichst kleinen Schnitten bei Operationen wird dabei weiterentwickelt zu möglichst keinen Schnitten – zumindest keinen sichtbaren.

Klaus Wingen | idw
Weitere Informationen:
http://www.umm.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie