Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

OP-Checklisten erhöhen Patientensicherheit

10.05.2011
Medizinische Hochschule Hannover (MHH) etabliert IT-gestützten Fragenkatalog an allen Kliniken / Geringeres Fehlerrisiko rund um Operationen

In der Luftfahrt gehören sie seit Jahren zum Alltag, jetzt beschäftigen sich auch Krankenhäuser zunehmend mit dem Thema: Checklisten sollen helfen, organisationstechnische Fehler vor, während und nach einer Operation zu vermeiden.

In der MHH sind OP-Checklisten nichts Neues, einige chirurgische Abteilungen arbeiten schon seit langem damit. Die Maßnahme für erhöhte Patientensicherheit wird nun noch weiter professionalisiert. Zurzeit integriert die Hochschule die Listen in ihr IT-System. Gleichzeitig werden sie für alle Operationen an sämtlichen Kliniken auf dem Campus eingeführt.

Mit einem einfachen Fragenkatalog können viele Fehler rund um einen operativen Eingriff verhindert werden, das hat eine Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gezeigt. Krankenhäuser aus acht Ländern hatten 2007 und 2008 daran teilgenommen. Sowohl die Zahl der Todesfälle als auch die Komplikationsrate konnten durch die Checklisten deutlich gesenkt werden. „Diese erhöhte Sicherheit wollen wir allen Patienten bieten“, sagt Dr. Albrecht Bornscheuer, OP-Manager an der MHH. Die Einführung der OP-Checklisten an Krankenhäusern ist freiwillig, die Hochschule kommt damit aber den Forderungen des Aktionsbündnisses Patientensicherheit nach.

„Die Checklisten nehmen für einen Moment sehr wichtige Dinge in den Fokus. Ist es der richtige Patient? Ist die richtige OP geplant? Ist die richtige Seite vorbereitet? Es kosten nur wenige Sekunden, aber das menschliche Hhirn ist auf Kreativität programmiert, nicht auf die Abarbeitung von Listen. Da können computergestützte Checklisten helfen“, meint Dr. Andreas Tecklenburg, Mitglied des MHH-Präsidiums und zuständig für das Ressort Krankenversorgung. Die Punkte auf der Checkliste wirken zunächst fast trivial. Vor der Narkose wird der Patient unter anderem nach seinem Namen und Geburtsdatum sowie nach Art und Stelle des Eingriffs gefragt. Bevor der Chirurg den ersten Schnitt macht, verständigen sich alle an der Operation Beteiligten Ärzte und Pflegekräfte noch mal über die Identität des Patienten und die Operation sowie beispielsweise über zu erwartende Komplikationen. Direkt nach der OP wird unter anderem geprüft, ob genau so viele Instrumente und Tücher vorhanden sind wie vor dem Eingriff. „Eigentlich sind das, was wir abfragen, Selbstverständlichkeiten. Und doch können dadurch Fehler vermieden werden“, erklärt Professor Dr. Claus Petersen, Kinderchirurg am Zentrum für Chirurgie. Dort sind Checklisten seit 2009 fester Bestandteil einer jeden Operation. „Auch wenn alle daran denken, kann etwas vergessen werden, beispielsweise wenn es eine Kommunikationslücke gibt“, sagt der Chirurg. Eine Operation sei ein komplexer Vorgang mit vielen Beteiligten mit unterschiedlichen Aufgaben. Irrtümer und Verwechslungen könnten hier nie hundertprozentig ausgeschlossen werden. „Mit den Checklisten haben wir eine systematische Kontrolle, die nicht viel Zeit kostet und für den Patienten mehr Sicherheit verschafft.“ Im OP der Kinderklinik der MHH werden pro Jahr zwischen 1500 und 2000 Operationen durchgeführt.

An der MHH-Klinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde (HNO) sind OP-Checklisten seit zwei Jahren Normalität. „Wir stellen dadurch unter anderem sicher, dass unsere Patienten auf ihrem Weg von der Station in den OP-Saal keiner Verwechslungsgefahr ausgesetzt sind. Passiert ist in dieser Hinsicht zwar noch nie etwas, aber damit beugen wir menschlichen Fehlern vor“, erläutert Professor Dr. Thomas Lenarz, Direktor der Klinik. „Der Operateur führt die letzte Überprüfungsmaßnahme durch, das Team Time Out. Zusammen mit dem Pflegepersonal, der Anästhesie und den Assistenten wird sichergestellt, dass wir am richtigen Patienten den richtigen Eingriff vornehmen und alles vorhanden ist, was wir dazu benötigen." Bisher nutzt die HNO-Klinik noch Checklisten in Papierform, demnächst wird sie den Operateuren auch IT-gestützt zur Verfügung stehen. Die Integration des Fragenkatalogs in das OP-Dokumentations-System der MHH ist in vollem Gang: Bereits angeschlossen sind die Klinik für Kinderchirurgie, die Klinik für Herz-, Thorax, Transplantations- und Gefäßchirurgie, die Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie, die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die Klinik für Urologie und Urologische Onkologie sowie die Klinik für Dermatologie, Allergologie und Venerologie. „Im Sommer folgen die Klinik für Unfallchirurgie und die Klinik für Plastische, Hand- und Wiederherstellungschirurgie“, sagt Katrin Rohwer-Mensching vom MHH-Zentrum für Informationsmanagement. Die Diplom-Mathematikerin betreut die Integration der Checklisten in den IT-Workflow und strebt an, die restlichen operativ tätigen Abteilungen ebenfalls bis Ende des Jahres angeschlossen zu haben. Unterstützt wird sie bei dem Projekt von der Firma Siemens.

Zu der Pressemitteilung gibt es ein Foto, das Sie gerne kostenlos im Zusammenhang mit der Berichterstattung über die OP-Listen verwenden können, wenn Sie als Quelle „MHH“ angeben. Das Foto zeigt einen OP in der Kinderklinik der MHH. Vor der Operation gehen alle daran Beteiligten die Checkliste am Bildschirm durch.

Weitere Informationen erhalten Sie ist bei Dr. Albrecht Bornscheuer, MHH-OP-Management, Telefon (0511) 532-6163, E-Mail bornscheuer.albrecht@mh-hannover.de und bei Professor Dr. Claus Petersen, Klinik für Kinderchirurgie der MHH, Telefon (0511) 532-9240, E-Mail petersen.claus@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie