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Ohne Nebenwirkung: Strahlentherapie lindert Schmerzen bei Tennisellenbogen und Co.

05.06.2014

Mit Strahlentherapie verbinden die meisten Menschen die Behandlung von Krebserkrankungen. Jährlich werden jedoch fast 50 000 Patienten bestrahlt, die eine gutartige Erkrankung haben oder an einer „funktionellen Störung“ leiden.

Die Bestrahlung lindert oder beseitigt dauerhaft Schmerzen, beispielsweise bei Arthrose, Fersensporn und Tennisellenbogen. Die verwendete Strahlendosis kann – das zeigt eine aktuelle Studie – bei gleichem Erfolg auf die Hälfte verringert werden. Darauf weisen Experten im Vorfeld der 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) hin, die vom 3. bis 6. Juli in Düsseldorf stattfindet.

Bei entzündlichen Weichteil-, degenerativen Gelenk- sowie Bindegewebserkrankungen leiden Patienten oft stark und dauerhaft an Schmerzen. „Viele Patienten, die zu uns kommen, haben schon einiges versucht, um ihre Schmerzen los zu werden: Kortison-Spritzen, Stoßwellentherapie oder Eis-Auflage bringen manchmal nicht den gewünschten Erfolg“, berichtet Privatdozent Dr. med. Oliver Ott, Oberarzt an der Strahlenklinik am Universitätsklinikum Erlangen. Die Bestrahlung kann bei bestimmten chronischen, degenerativ-entzündlichen Erkrankungen, etwa dem Fersensporn oder dem Tennisellenbogen, Abhilfe schaffen, weiß der Mediziner. „Dieses Wissen ist nicht neu. Seit fast 100 Jahren wurde in vielen Publikationen bestätigt, dass die Bestrahlung antientzündlich wirkt und bei Gelenkerkrankungen hilft“, ergänzt DEGRO-Tagungspräsident Professor Dr. med. Wilfried Budach, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie an der Universitätsklinik Düsseldorf.

Üblicherweise werden die Patienten an sechs Terminen über einen Zeitraum von zwei bis drei Wochen kurz bestrahlt. Pro Sitzung erhielten sie bislang 0,5 bis 1,0 Gray (Gy) – der Einheit der Strahlendosis– in ein bis zwei Behandlungsserien. „Je nachdem, wie der Patient auf die Bestrahlung ansprach, wurde die Dosis angepasst. Die Gesamtdosis betrug daher in der Regel 3 bis 12 Gy“, erklärt Dr. Ott.

Neuere Forschungsergebnisse ließen die Vermutung aufkommen, dass man einen gleich guten, schmerzlindernden Effekt auch mit einer niedrigeren Strahlendosis erreichen könnte. Daher wurde an der Universitätsklinik Erlangen eine randomisierte Dosisoptimierungsstudie durchgeführt. Zwischen 2006 und 2010 wurden insgesamt 1080 Patienten per Zufallsverteilung entweder mit Einzeldosen von 0,5 oder 1,0 Gy behandelt. 312 von ihnen litten an einem Schultersyndrom, 199 an einem Ellenbogensyndrom und 569 an einem schmerzhaften unteren oder oberen Fersensporn. 90 Prozent der Patienten erhielten sechs bis acht Wochen danach eine zweite Bestrahlungsserie, da sie berichteten, noch keine zufriedenstellende Besserung zu verspüren.

Die Ergebnisse direkt nach der letzten Bestrahlung waren beeindruckend: 84 Prozent der Behandelten gaben an, dass sich ihre Schmerzen komplett oder teilweise gebessert haben. Nach 32 Monaten wurden die Patienten erneut befragt, zu diesem Zeitpunkt waren es sogar 92 Prozent. Bei 43 Prozent der Patienten war der Schmerz komplett und anhaltend verschwunden und 49 Prozent gaben eine spürbare und nachhaltige Schmerzabnahme an. Nur bei acht Prozent aller Behandelten gab es keine Besserung. Studienleiter Dr. Ott bilanziert: „Zwischen den beiden Gruppen mit 0,5 und 1,0 Gy fanden sich keine Unterschiede. Die niedrigere Strahlendosis reichte also aus. Nebenwirkungen traten zudem nicht auf.“

„Für Patienten, bei denen konventionelle Therapien oder die Gabe von Schmerzmitteln nicht helfen, ist die Strahlentherapie mit reduzierten Einzeldosen eine gute und nebenwirkungsfreie Behandlungsoption“, fasst Tagungspräsident Budach zusammen. Die Therapie wird in allen strahlentherapeutischen Einrichtungen in Deutschland angeboten und ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

Literatur:
Ott OJ, Jeremias C, Gaipl US, Frey B, Schmidt M, Fietkau R. Radiotherapy for benign calcaneodynia: Long-term results of the Erlangen Dose Optimization (EDO) trial. Strahlenther Onkol. 2014 Mar 26. [Epub ahead of print]

Ott OJ, Hertel S, Gaipl US, Frey B, Schmidt M, Fietkau R. The Erlangen Dose Optimization trial for low-dose radiotherapy of benign painful elbow syndrome. Long-term results. Strahlenther Onkol. 2014;190:293-7.

Terminhinweise:

Symposium: Strahlentherapie bei gutartigen Erkrankungen
Vorsitz: O. Ott (Erlangen), O. Micke (Bielefeld), S.E. Combs (München)
Termin: 05.07.2014 14:30 bis 16:00
Ort: Congress Center Düsseldorf, Raum 16/17
Anschrift: Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf,

Pressekonferenz anlässlich der 20. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie
Termin: Donnerstag, 3. Juli 2014, 11:00 bis 12:00 Uhr
Ort: Congress Center Düsseldorf, Raum 12
Anschrift: Stockumer Kirchstraße 61, 40474 Düsseldorf,

Weitere Informationen zur Tagung und das Programm finden Sie im Internet unter http://www.degro.org/degro2014

Zur Strahlentherapie:
Die Strahlentherapie ist eine lokale, nicht-invasive, hochpräzise Behandlungsmethode mit hohen Sicherheitsstandards und regelmäßigen Qualitätskontrollen. Bildgebende Verfahren wie die Computer- oder Magnetresonanztomografie ermöglichen eine exakte Ortung des Krankheitsherdes, sodass die Radioonkologen die Strahlen dann zielgenau auf das zu bestrahlende Gewebe lenken können. Umliegendes Gewebe bleibt weitestgehend verschont.

Pressekontakt für Rückfragen:

Dagmar Arnold/Lisa-Marie Ströhlein
Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie e. V.
Pressestelle
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-380/ -459
Fax: 0711 8931-167
E-Mail: arnold@medizinkommunikation.org
stroehlein@medizinkommunikation.org

Weitere Informationen:

http://www.degro.org

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