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Auch ohne Kortison kein erhöhtes Risiko einer Abstoßung der Spenderniere

01.04.2009
Kinder und Jugendliche profitieren vom Absetzen der Präparate / Preisgekrönte Studie Heidelberger Kinderärzte in "Transplantation" veröffentlicht

Nierentransplantierte Kinder und Jugendliche, bei denen ein Jahr nach der Transplantation die Behandlung mit Kortisonpräparaten abgesetzt wird, haben kein erhöhtes Risiko ihre neue Niere abzustoßen. Dies gilt in erster Linie für Patienten, deren immunologische Risiken für eine Abstoßung des Organs von vornherein beschränkt sind.

Werden ein Jahr nach der Transplantation die Kortisonpräparate abgesetzt, bringt dies viele Vorteile: Blutdruck- und Blutzuckerwerte verbessern sich, das Wachstum normalisiert sich und das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen sinkt.

Dies hat eine Studie unter der Federführung von Prof. Dr. med. Burkhard Tönshoff, Leitender Oberarzt der Klinik Kinderheilkunde I des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Heidelberg ergeben. Die Ein-Jahres-Ergebnisse der laufenden Studie wurden im März 2009 in der Fachzeitschrift "Transplantation" veröffentlicht.

Die beiden Erstautoren des Artikels, Dr. Britta Höcker, Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg, und Privatdozent Dr. Lutz Weber, vormals Heidelberg, jetzt Universitätskinderklinik München, sind 2008 für ihre Arbeit mit dem Johannes Brodehl-Preis der Gesellschaft für Pädiatrische Nephrologie (GPN) ausgezeichnet worden.

Kortisonpräparate hemmen das Wachstum und verursachen Bluthochdruck

Spenderorgane werden vom Immunsystem des Empfängers als "Fremdkörper" erkannt. Ohne eine gezielte Therapie würden sie von den Immunzellen angegriffen und zerstört: Die effektive, aber mit erheblichen Nebenwirkungen belastete Unter-drückung der Immunabwehr (Immunsuppression) mit Medikamenten bewirkt, dass nach fünf Jahren noch rund 80 Prozent der übertragenen Nieren funktionieren. Die Therapie besteht üblicherweise aus einer dreifachen Immunsuppression; einer der Wirkstoffe ist ein Kortisonpräparat.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen sind die Nebenwirkungen der Präparate gravierend: Sie verursachen Bluthochdruck und in Folge häufig Herz-Kreislauf-Erkrankungen, hemmen das Wachstum, beeinträchtigen den Fettstoffwechsel und führen zur Gewichtszunahme. Viele Zentren, die transplantierte Kinder betreuen, stellen daher nach einer bestimmten Zeit auf eine Immunsuppression ohne Steroide um. Dieses Vorgehen wurde durch die Heidelberger Studie nun wissenschaftlich untermauert.

In Heidelberg ist die Immunsuppression ohne Kortison Therapie der Wahl

Ob dieses Vorgehen allerdings das Risiko der Organabstoßung erhöht, untersuchte erstmals das Forscherteam von Dr. Britta Höcker und Dr. Lutz Weber unter der Leitung von Professor Dr. Burkhard Tönshoff in einer prospektiven Studie mit 42 Patienten zwischen drei und 17 Jahren aus ganz Deutschland. An der Studie teilnehmen konnten nur Patienten ohne erhöhtes Risiko einer Abstoßung, die seit der Transplantation nicht vermehrt Abstoßungsreaktionen gezeigt hatten und die zwei andere immunsuppressive Medikamente (Cyclosporin A und Mycophenolatmofetil) gut vertrugen. Der Entzug der Kortisonpräparate erfolgte ein bis zwei Jahre nach der Transplantation.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie zeigten große Unterschiede zwischen der Patientengruppe, die eine Immunsuppression ohne Kortison erhielt, und der Kontrollgruppe: Die Patienten holten im Wachstum auf, ihre Blutwerte verbesserten sich und sie benötigten deutlich weniger blutdrucksenkende Medikamente, während sich bei der Kontrollgruppe Blutdruck, Blutwerte und Wachstum weiter verschlechterten. Keine Unterschiede gab es dagegen bei der Organfunktion der Spendernieren, der Anzahl der Infekte und Abstoßungsreaktionen.

Am Universitätsklinikum Heidelberg ist dieses Vorgehen inzwischen die Therapie der Wahl. Für eine Umstellung eignen sich allerdings nicht alle Patienten. "Ist das Risiko einer Organabstoßung hoch oder sind bereits Abstoßungsreaktionen aufgetreten, sollten die Patienten weiterhin Steroide einnehmen", empfiehlt Professor Tönshoff.

Ansprechpartner:
Dr. Britta Höcker
Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 38 360
E-Mail: britta.hoecker(at)med.uni-heidelberg.de
Literatur:
Höcker B, Weber LT, Feneberg R, Drube J, John U, Fehrenbach H, Pohl M, Zimmering M, Fründ S, Klaus G, Wühl E, Tönshoff B. Prospective, randomized trial on late steroid withdrawal in pediatric renal transplant recipients under cyclosporine microemulsion and mycophenolate mofetil. Transplantation 87 (6), 2009
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
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