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Oberflächlichkeit mit Konsequenz: Veränderungen auf Chromosom 13 könnten Auslöser für Leukämie sein

13.12.2011
Die Chronisch Lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Blutkrebsart der westlichen Welt. Trotz intensiver Bemühungen sind die genauen molekularen Zusammenhänge nach wie vor unklar.

Krebszellen von Patienten mit dieser Erkrankung zeichnen sich in mehr als der Hälfte aller Fälle durch den Funktionsverlust einer bestimmten Region auf Chromosom 13 des Erbgutes aus. Ulmer Krebsforscher um Dr. Daniel Mertens wollen die Ursache dafür aufdecken. Damit schaffen sie Perspektiven für die Entwicklung neuer Diagnose- und Behandlungsmethoden.


Blutausstrich eines B-CLL Patienten. Mit einer Papenheim-Färbung lassen sich weiße Blutkörperchen (Lymphozyten) dunkelrot anfärben. Neben den hellroten Erythrozyten ist die Zahl der Lymphocyten in CLL Patienten stark erhöht.
Quelle: Daniel Mertens

Auf Chromosom 13 vermuten Wissenschaftler einen Schlüsselmechanismus, der in gesunden Zellen die Entstehung von Leukämie verhindert. In Zellen bestimmter Krebsarten dagegen scheint dieser Schutzmechanismus außer Kraft gesetzt zu sein. Bisher suchen Forscher allerdings vergeblich nach einer konkreten Veränderung des genetischen Codes.

Deshalb vermutet Dr. Mertens: „In Leukämiezellen müssen die entsprechenden Genabschnitte durch einen anderen Mechanismus in ihrer Funktion gehemmt sein“. Er hat eine sogenannte epigenetische Veränderung auf der Erbsubstanz in Verdacht. Eine solche Modifikation hat keinen Einfluss auf die Reihenfolge der Grundbausteine des Erbguts. Sie kann jedoch ausreichen, um die Aktivität der Gene zu beeinflussen. Genau wie der genetische Code des Erbguts können auch epigenetische Veränderungen prinzipiell an die Tochterzellen weitergegeben werden und somit am Tumorwachstum beteiligt sein.

Das Forscherteam um Dr. Mertens will mithilfe moderner Technologien die epigenetischen Modifikationen auf Chromosom 13 in einer noch nicht dagewesenen Auflösung messen. Ziel der Ulmer Krebsforscher ist es, den Mechanismus zu klären, der für den Verlust des Schutzmechanismus in Leukämiezellen verantwortlich ist. Wenn dies gelänge, wäre der Weg geebnet für neue diagnostische und therapeutische Strategien in der Behandlung der Chronisch Lymphatischen Leukämie.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit rund 150.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Projektleitung:
Dr. Daniel Mertens, PhD, Universitätsklinikum Ulm
Web: www.mertens-lab.de
Kontakt über Pressestelle des Universitätsklinikums Ulm:
Jörg Portius
E-Mail: joerg.portius@uniklinik-ulm.de
Tel.: +43 (0)731 / 500 43043

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

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