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Nierentumore bei Kindern: Schonendere Therapie senkt Nebenwirkungen

15.07.2015

In Deutschland erkranken im Jahr rund 100 Kinder an einem Wilms-Tumor, einer seltenen Form von Nierentumoren. 90 Prozent der Betroffenen haben gute Chancen, den Krebs zu besiegen.

Eine internationale Studie unter Leitung des Homburger Kinderonkologen Professor Dr. Norbert Graf hat nun gezeigt, dass Kinder, bei denen eine gute Heilungschance besteht, eine weniger intensive Chemotherapie benötigen.


Prof. Dr. Norbert Graf

Foto: UKS

Denn hierbei wird bislang der Wirkstoff Doxorubicin verwendet, der bei den kleinen Patienten das Herz langfristig schädigen kann. Die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko, später im Leben an einem Herzleiden zu erkranken, durch den Wegfall dieses Chemotherapeutikums deutlich gesenkt werden konnte.

Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht.

Bei Krebserkrankungen setzen Ärzte neben Operationen und Bestrahlung oft auf Chemotherapie. Diese Behandlung geht meist mit Nebenwirkungen einher, die bei Patienten auch erst Jahre später auftreten können.

Bei Kindern, die an einem Wilms-Tumor erkranken, kommt zum Beispiel das Chemotherapeutikum Doxorubicin zum Einsatz – ein Mittel, das auch bei anderen Krebserkrankungen helfen soll. „Bei den Kindern kann es als Langzeitfolge das Herz schädigen. In seltenen Fällen kann es sogar dazu führen, dass das Herz transplantiert werden muss“, sagt Professor Dr. Norbert Graf, Direktor der Kinderonkologie des Universitätsklinikums in Homburg und Leiter der Studie.

Gemeinsam mit Kollegen aus Europa und Brasilien hat er in den vergangenen Jahren untersucht, welche Folgen es hat, wenn die Mediziner bei der Behandlung auf diesen Wirkstoff verzichten. „Die 583 Kinder, die an der Studie teilgenommen haben, haben alle an einer mittelschweren Form des Tumors gelitten und gute Heilungschancen gehabt“, erklärt der Professor.

Die Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Alle Patienten erhielten zwei Chemotherapeutika, die eine Gruppe erhielt zusätzlich bei der Behandlung nach wie vor Doxorubicin, in der anderen Gruppe wurde erstmals auf dieses Medikament verzichtet. Bei den Patienten fanden nach der Therapie regelmäßig Kontrolluntersuchungen statt.

„Wir haben gezeigt, dass die Patienten ohne das Chemotherapeutikum den Krebs genauso gut überwunden haben wie die Kinder, die das Mittel bekommen haben“, fast Professor Graf die Ergebnisse der Studie zusammen. „Die Kinder können auf diese Weise schonender behandelt werden. Schwere Nebenwirkungen am Herzen bleiben ihnen erspart.“

Die Studie wurde von der Internationalen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie durchgeführt und in Deutschland von der Deutschen Krebshilfe finanziert. An der Arbeit waren von 2001 bis 2011 Mediziner und Forscher aus 26 Ländern beteiligt. „Nur durch eine solche internationale Zusammenarbeit ist es möglich, seltene Erkrankungen wie den Wilms-Tumor besser zu erforschen und bei betroffenen Kindern das Risiko zu senken, nach erfolgreicher Krebstherapie an einem Herzleiden zu erkranken“, so Professor Graf.

Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlicht:
„Omission of doxorubicin from the treatment of stage II–III, intermediate-risk Wilms' tumour (SIOP WT 2001): an open-label, non-inferiority, randomised controlled trial.”
DOI:10.1016/S0140-6736(14)62395-3

Fragen beantwortet:
Prof. Dr. Norbert Graf
Klinik für Kinderonkologie
Tel.: 06841 1628397
E-Mail: graf(at)uks.eu

Melanie Löw | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

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