Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nach Nierentransplantation: Kontrastmittel-Ultraschall zeigt Durchblutungsstörungen auf

12.11.2013
Neue diagnostische Möglichkeiten nach Nierentransplantation: Untersuchung mit Ultraschall-Kontrastmittel zeigt Durchblutungsstörungen zuverlässiger auf

Im Jahr 2012 wurde nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) 2586 Patienten in Deutschland eine neue Niere transplantiert. Ob das Organ beim Empfänger zuverlässig arbeitet, müssen Ärzte nach der Operation regelmäßig kontrollieren.

Dabei hilft jetzt ein neues Verfahren: Mittels Kontrastmittel-Ultraschall können Mediziner die Durchblutung der kleinsten Gefäße in den Transplantaten verfolgen. Sie erkennen damit frühzeitig eine Thrombose, einen Niereninfarkt oder auch eine Abstoßungsreaktion.

Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) empfehlen, den kontrastverstärkten Ultraschall vermehrt zur Überwachung von transplantierten Nieren einzusetzen.

„Die Ultraschalldiagnostik ist die wichtigste Bildgebung für die Verlaufskontrolle der transplantierten Niere“, betont Dr. Konrad Stock, Oberarzt der Nephrologischen Ultraschallabteilung am Klinikum rechts der Isar der TU München und DEGUM-Kursleiter der Sektion Innere Medizin. „Bislang können mit den weitverbreiteten Ultraschall-Verfahren, dem Grauwert-Bild und der Farbdoppler-Technik, entscheidende Beeinträchtigungen des Nierentransplantats – wie ein Aufstau des Urins oder ausgedehnte Durchblutungsstörungen – rasch direkt am Patientenbett diagnostiziert werden.“ Gerade bei der Beurteilung der Durchblutung hatten die herkömmlichen Verfahren jedoch ihre Grenzen.

Ein neues Verfahren, die Kontrastmittel-Sonografie, ermöglicht es jetzt erstmals, die Durchblutung auch der kleinsten Gefäße (Mikroperfusion) in der Transplantatniere fast nebenwirkungsfrei mittels Ultraschall darzustellen. „Dem Patienten wird hierzu circa ein Milliliter einer Mikrobläschen-Flüssigkeit in eine Vene gespritzt“, erklärt Stock. „Diese Mikrobläschen sind etwa so groß wie rote Blutkörperchen. Die Kontrastmittel-Bläschen zirkulieren dann mehrere Minuten im Blut, bevor sie über die Lunge abgeatmet werden.“ „Das Ultraschall-Kontrastmittel erreicht dann nach circa zehn bis 15 Sekunden die Niere“, berichtet Professor Dr. Thomas Fischer, Leiter des Ultraschallzentrums der Charité Berlin Mitte und DEGUM-Kursleiter der Sektion Radiologie. „Wir können es zunächst in den größeren Gefäßen beobachten. Etwas später durchströmen die Mikrobläschen die kleineren Blutgefäße, sodass wir die durchbluteten von den nicht durchbluteten Bereichen der Niere unterscheiden können“, erklärt der Experte. Erste Studien hätten zudem gezeigt, dass die Zeit des Kontrastmittel-Anflutens in der Nierenrinde entscheidende Hinweise auf eine gefürchtete Transplantatnieren-Abstoßungsreaktion liefern könne.

Im Gegensatz zu anderen Kontrastmitteln sind Ultraschall-Kontrastmittel für den Patienten relativ harmlos. Nur sehr selten ist mit Unverträglichkeitsreaktionen zu rechnen. Für die transplantierte Niere ist das Ultraschall-Kontrastmittel ebenfalls gut verträglich. Eine Kontrastmittel-Ultraschalluntersuchung kann auch am Krankenbett und auf der Intensivstation durchgeführt werden. Sie kommt – anders als etwa die Computertomografie – ohne Röntgenstrahlung aus, und dem Patienten bleibt die Untersuchung in einer engen Röhre erspart.

Die DEGUM vermittelt Medizinern Aus- und Weiterbildungskurse in der technisch anspruchsvollen Kontrastmittel-Sonografie, deren erfolgreicher klinischer Einsatz von der korrekten Durchführung der Methode und der Ausbildung der untersuchenden Ärzte abhängt.

Literatur:
C. J. Harvey, P. S. Sidhu, M. Bachmann Nielsen: Contrast-Enhanced Ultrasound in Renal Transplants: Applications and Future Directions. Kontrastverstärkter Ultraschall (CEUS) bei Nierentransplantaten: Einsatz und zukünftige Ausrichtung Ultraschall in der Medizin 2013; 34: 319–321, Thieme Verlag Stuttgart

Stock K in Weskott HP: Contrast-enhanced ultrasound, 2nd edition, Bremen, Unimed Verlag, 2013

Fischer T, Dieckhöfer J, Mühler M, Lembcke A, Morgana S, Budde K, Neumayer HH, Ebeling V, Thomas A, Filimonow S.: The use of contrast enhanced US in renal transplant: first results and potential clinical benefit. Eur Radiol Suppl 2005; 15: E109–116

Fischer T, Filimonow S, Dieckhöfer J, Mühler M, Lembcke A, Budde K, Neumayer HH, Ebeling V, Giessing M, Thomas A, Morgera S.: Improved Diagnosis of early kidney allograft dysfunction by Ultrasound with Echo Enhancer: a new method for the diagnosis of renal perfusion NDT, Nephrol Dial Transpl 2006;21(10): 2921–2929

Fischer T, Rudolph J, Morgera S, Budde K, Slowinski T, Ebeling V, Taymoorian K, Giessing M, Thomas A, Filimonow S.: Arrival Time Parametric Imaging: A New Ultrasound Technique for Quantifying Perfusion of Kidney Grafts. Ultraschall in der Medizin 2008 Aug;29(4):418–23

Internet:
DEGUM-zertifizierte Ultraschall-Ärzte finden Patienten unter: http://www.degum.de
Kontakt für Journalisten:
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)
Pressestelle
Irina Lorenz-Meyer
Anna Julia Voormann
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-642/-552
Fax: 0711 8931-984
lorenz-meyer@medizinkommunikation.org

Anna Julia Voormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.degum.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Ein neuer Ansatz bei Hyperinsulinismus
18.09.2017 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

10. Cottbuser Medienrechtstage zu »Fake News, Hate Speech und Whistleblowing«

18.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit dem Umzug ins Baufritz-Haus kehrte die Gesundheit zurück

19.09.2017 | Unternehmensmeldung

Parasitenflirt: Molekulare Kamera zeigt Paarungszustand von Bilharziose-Erregern in 3D

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten