Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Niere ohne sichtbare Narben über natürliche Körperöffnung entfernt

22.10.2008
Premiere im Helios-Klinikum Berln-Buch. Zum ersten Mal in Deutschland wurde einer Patientin aus Werneuchen (Brandenburg) die Niere über die Vagina entfernt.

Den Eingriff, der keine sichtbaren Narben hinterlasst, führte Privatdozent Dr. Gralf Popken (45), Chefarzt der Klinik für Urologie des HELIOS Klinikums Berlin-Buch, durch. "Weltweit wurden erst in zwei Zentren in den USA - Cleveland und Texas - sowie in einer spanischen Klinik ähnliche Operationen durchgeführt und publiziert", berichtet der Bucher Urologe.

Veronika Peters ist überglücklich. Nach der Entfernung der Niere ist der Tumor komplett verschwunden, und die 44-jährige Patientin konnte die Klinik bereits nach sechs Tagen verlassen. Der Grund: Das Organ mit dem bösartigen Tumor wurde zum ersten Mal in Deutschland über die Vagina entfernt. Der Eingriff hat keine sichtbaren Narben hinterlassen, und die Patienten ist über die schnelle Heilung überrascht. "Ich würde mich jederzeit wieder für dieses Operationsverfahren entscheiden", freut sich Hotelfachfrau Peters über ihren Genesungsprozess.

Bei der Patientin, die in der Nähe von Werneuchen (Brandenburg) lebt, war ein bösartiger Nierentumor diagnostiziert worden. Die betroffene Niere musste komplett entfernt werden. Den komplizierten Eingriff führte Privatdozent Dr. Gralf Popken (45), Chefarzt der Klinik für Urologie des HELIOS Klinikums Berlin-Buch, durch. "Weltweit wurden erst in zwei Zentren in den USA - Cleveland und Texas - ähnliche Operationen durchgeführt und publiziert", berichtet der Bucher Urologe.

Privatdozent Popken nutzte eine vorhandene Narbe in der Nähe des Bauchnabels als Zugang. Über einen kleinen Schnitt von fünf Millimetern schob er eine Kamera in den Bauchraum. Für die zur Entfernung der Niere notwendigen Spezialinstrumente (Zange, Schere und ein Gerät zur Verödung des Blutgefäße) wählte der Chirurg die Vagina als Zugang zum Bauchraum. Dazu musste lediglich die dünne Schleimhaut des Douglas (tiefste Stelle der Bauchhöhle unter der Gebärmutter) durchbrochen werden. Über das Innere der Scheide wurden zunächst sog. Trokare in den Bauchraum geschoben. Durch diese Metallhülsen gelangten die Operationsinstrumente und eine zweite Kamera bis zur Niere. Die Kamera überträgt ein vergrößertes Bild auf einen externen Monitor. Die Chirurgen verfügten während des sechsstündigen Eingriffs über ein gut sichtbares Operationsfeld im Körper.

Beim klassischen Operationsverfahren zur Entfernung der Niere ist ein Bauchschnitt von 15 bis 20 Zentimetern notwendig. Dabei werden Muskeln, kleine Nervenstränge und Gefäße zwangsläufig durchtrennt. "Durch den Zugang über eine natürliche Körperöffnung blieb der Patientin eine größere Bauchnarbe erspart, die Wundheilung erfolgte daher viel schneller und mit weniger Schmerzen", hebt Urologie Popken die medizinischen Vorteile des neuen Verfahrens hervor. "Nach der Entfernung der Niere durch die Scheide haben wir den Zugang im Douglas problemlos und von außen unsichtbar vernäht", berichtet Popken, der während des Eingriffs eng mit einem Gynäkologen kooperierte.

Mit Operationen durch natürliche Körperöffnungen steht die Chirurgie vor einem Quantensprung. "Die Entfernung der Gallenblase durch die Vagina war der Anfang, die Entfernung der Niere insbesondere bei bösartigen Tumoren ist ein weiterer Meilenstein in Richtung NOS oder Natural Orifice Surgery", meint Dr. Popken. NOS heißt übersetzt "Endoskopische Operationen über natürliche Kör-peröffnungen." Chirurgisch ist die Beseitigung einer tumorbefallenen Niere ein anspruchsvoller und komplexer Eingriff, da der Tumor komplett mit dem Lymphgewebe entfernt werden muss. Dazu notwendig ist eine exakte Darstellung der Niere mit Harnleiter und aller großen Gefäße. Sie müssen, um ein Streuen des Tumors zu verhindern, am Anfang der Operation durchtrennt werden. Auch werden Lymphdrüsen und -bahnen entlang der großen Gefäße im Bauchraum entfernt.

Der Durchbruch in Buch kommt nicht von ungefähr. Privatdozent Popken ist spezialisiert auf die "Schlüssellochchirurgie" und verfolgt auf wissenschaftlichen Kongressen und internen Fachtagungen intensiv die Entwicklung. "Zur Durchsetzung neuer Methoden ist die interdisziplinäre Zu-sammenarbeit und wissenschaftlich-theoretische Begleitung in unserem Unternehmen ganz entscheidend", meint der Bucher Urologe. Mit der Bildung von Fachgruppen, in denen ein enger wissenschaftlicher und praktischer Austausch stattfinde, habe HELIOS eine wichtige Infrastruktur aufgebaut. Popken leitet im HELIOS-Konzern die Fachgruppe Urologie und die Arbeitsgemeinsschaft Minimalinvasive Chirurgie.

Veronika Peters wird jetzt zur Rehabilitation fahren. Danach möchte die Mutter von drei fast erwachsenen Kindern wieder in ihren alten Beruf zurück. Sie führte bereits aussichtsreiche Gespräche, doch dann wurde der bösartige Tumor entdeckt. Nach dem erfolgreichen Eingriff blickt sie optimistisch in die Zukunft.

Pressekontakt:

HELIOS Klinikum Berlin-Buch
Hermann Müller
PR-Marketing/Pressesprecher
Schwanebecker Chaussee 50
13125 Berlin
Telefon: 030/9401-20 84 und 0175/4000850
Telefax: 030/9401- 32 08
E-Mail: hermann.mueller@helios-kliniken.de

Hermann Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.helios-kliniken.de/berlin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz: Nierenschädigungen therapieren, bevor Symptome auftreten
20.09.2017 | Universitätsklinikum Regensburg (UKR)

nachricht Neuer Ansatz zur Therapie der diabetischen Nephropathie
19.09.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie