Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuroblastom: Ursachenforschung am häufigsten soliden Tumor der Kindheit

03.04.2009
Mit ca. 7-8% aller Tumorneubildungen ist das Neuroblastom die zweithäufigste Krebserkrankung in der frühen Kindheit.

Es entwickelt sich aus Zellen des sympathischen Nervensystems, die sich aus bisher ungeklärter Ursache, ungehindert vermehren. Bereits sehr früh im Krankheitsverlauf kommt es zur Bildung von Tochtertumoren, die eine operative Entfernung erschweren.

Einen weiteren Therapieansatz bei aggressiveren Formen des Neuroblastoms bieten die Chemotherapie und Knochenmarktransplantationen. Eine wirkungsvolle Therapie für die aggressiven Formen des Neuroblastoms besteht jedoch nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht.

In einem von der Wilhelm- Sander Stiftung geförderten Projekt versucht nun die Forschungsgruppe von Prof. Hermann Rohrer am Max-Planck- Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main grundlegende Mechanismen der Entstehung dieses Tumors aufzuklären.

Die Entwicklung des sympathischen Nervensystems, das unter anderem verantwortlich für die Regulation der Körpertemperatur, der Herzfrequenz und der Organdurchblutung ist, stellt nun schon seit mehr als 20 Jahren den Forschungsschwerpunkt der Arbeitsgruppe von Prof. Hermann Rohrer dar.

In dieser Zeit wurden molekulare und genetische Mechanismen entdeckt und beschrieben, die zur Entstehung von Nervenzellen aus sogenannten Nervenzellvorläufern führen. In Kooperation mit Forschungsgruppen in den USA und in Frankreich konnte das Bild der genetischen Faktoren die zur Entstehung der sympathischen Nervenzellen beitragen, weiter komplettiert werden.

Die Verbindung zwischen Ergebnissen aus der Grundlagenforschung zur Entstehung peripherer Neurone und der klinischen Forschung begründet sich in der Tumorgenese des Neuroblastoms. Durch Analyse des Erbguts von Neuroblastompatienten konnte gezeigt werden, dass ein Teil der Patienten mit einer familiär vererbten Form des Neuroblastoms Mutationen im Phox2b-Gen aufweist.

In der Grundlagenforschung war dieses Gen bereits bestens bekannt, da es essentiell für die Entstehung sympathischer Neurone ist und in deren Entwicklung eine Schlüsselrolle einnimmt. Von der Untersuchung der Wirkungsweise dieser Mutationen in verschiedenen experimentellen Modellen versprechen sich Prof. Hermann Rohrer und seine Kollegen Dr. Konstantina Tsarovina und Tobias Reiff Einblicke in deren Auswirkungen auf die Teilungsfähigkeit und Differenzierung der Zellen des sympathischen Nervensystems.

Sollten einige der frühen Entwicklungsschritte sympathischer Nervenzellen durch die Mutationen im Phox2b-Gen beeinträchtigt sein, würde dies eine molekulare Erklärung für die Tumorentstehung im Patienten darstellen. Ein genaues Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen die zur Ausbildung des Neuroblastoms führen, könnte letztendlich durch neue Therapiemöglichkeiten und verbesserte Heilungschancen den Patienten zugute kommen.

Kontakt: Prof. Dr. Hermann Rohrer, Max- Planck- Institut für Hirnforschung / Frankfurt am Main, Tel: +49 69 96769 319, rohrer@mpih-frankfurt.mpg.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert die Fortsetzung dieses Forschungsprojekt mit weiteren über 150.000 €, nachdem bislang bereits über 140.000 € Fördermittel geflossen sind. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Bernhard Knappe | idw
Weitere Informationen:
http://www.sanst.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

49. eucen-Konferenz zum Thema Lebenslanges Lernen an Universitäten

29.05.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz an der Schnittstelle von Literatur, Kultur und Wirtschaft

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hält die Klebung?

29.05.2017 | Materialwissenschaften

Vom Edge- bis zum Cloud-Datacenter - Rittal zeigt in Monaco innovative Lösungen für Datacenter

29.05.2017 | Informationstechnologie

„BioFlexRobot“: Weiche Gelenke machen Roboter sicherer

29.05.2017 | Energie und Elektrotechnik