Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuroblastom: Grundlagenforschung an einem rätselhaften Kindheits-Tumor

12.04.2012
Das Neuroblastom ist die zweithäufigste Krebserkrankung in der frühen Kindheit.

Es handelt sich um Vorläuferzellen des autonomen Nervensystems, die in ihrem unreifen Stadium verblieben und sich aus bisher nur ansatzweise geklärter Ursache ungehindert vermehren.

Eine wirkungsvolle Therapie für die aggressiven Formen des Neuroblastoms besteht nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nicht. Von der Wilhelm-Sander Stiftung gefördert, versuchen Wissenschaftler der Forschungsgruppe von Prof. Hermann Rohrer am Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt/Main grundlegende Mechanismen der Entstehung dieses Tumors aufzuklären, der sich bislang klinischen Zugriffen weitgehend entzogen hat.

Den Anlass für Professor Rohrer, die Entstehung des Neuroblastoms zu erforschen, lieferte die Analyse des Erbguts von Neuroblastompatienten. Diese zeigte, dass ein Teil der Patienten mit einer familiär vererbten Form des Neuroblastoms Mutationen im Phox2b-Gen aufweist. In der Grundlagenforschung war dieses Gen bereits bestens bekannt, da es essentiell für die Entstehung von Nervenzellen des sogenannten „sympathischen Nervensystems“ ist und in deren Entwicklung eine Schlüsselrolle einnimmt. Das „sympathische Nervensystem“ ist unter anderem verantwortlich für die Regulation der Körpertemperatur, der Herzfrequenz und der Verdauung.
In einem bereits vorher von der Wilhelm-Sander Stiftung geförderten Projekt der Arbeitsgruppe Rohrer konnten Dr. Konstantina Tsarovina und Tobias Reiff zeigen, dass die Mutationen im „Phox2b“-Gen sowohl Konsequenzen auf die Teilungsfähigkeit, als auch auf die korrekte Entwicklung der Vorläuferzellen des sympathischen Nervensystems haben und somit neue Einsichten in die Tumorentstehung der Patienten mit Mutationen im Phox2b-Gen gewinnen.

Kürzlich wurde ein weiteres Gen („Alk“) identifiziert, dessen Mutationen mit der Entstehung des Neuroblastoms einhergehen.

Das Alk-Gen kodiert für eine Rezeptor-Tyrosinkinase. Die Mutationen führen zu einer permanenten Aktivierung von zellinternen Signalwegen mit bisher unbekannten Folgen. In einem Folgeprojekt untersuchte die Forschergruppe um Professor Rohrer zunächst die Funktion von Alk in der normalen Entwicklung des sympathischen Nervensystems. Es stellte sich heraus, dass Alk und der aktivierende Ligand „Midkine“ die Teilung sympathischer Nervenzellvorläufer steuern. Die Aktivierung des Signalwegs führt zu vergrößerten sympathischen Nervenzelkörpern („Ganglien“). Die weitere Analyse befasst sich mit den nachgeschalteten Schritten welche der Neuroblastomentstehung zugrunde liegen. Sie soll letztendlich durch neue Therapiemöglichkeiten und verbesserte Heilungschancen den Patienten zu Gute kommen.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Folgeprojekt mit rund 240.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Mio. Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Aktuelle Publikation:
Reiff, T.; Huber, L.; Kramer, M.; Delattre, O.; Janoueix-Lerosey, I.; Rohrer, H.
Midkine and Alk signaling in sympathetic neuron proliferation and neuroblastoma predisposition Development (Cambridge, England) 138, 4699-4708 (2011)

Kontakt (Projektleitung): Prof. Dr. Hermann Rohrer, Max- Planck- Institut für Hirnforschung / Frankfurt am Main

Tel: +49 69 96769 319, E-Mail: hermann.rohre@brain.mpg.de

Sylvia Kloberdanz | idw
Weitere Informationen:
http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie