Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Ziel für Therapie chronischer Nervenerkrankungen

06.05.2009
Patienten legen zuallererst Wert darauf, dass ein Medikament ihnen Erleichterung verschafft, und sind nicht so sehr daran interessiert, wie das vor sich geht.

Wissenschaftler sehen dies anders: Eine genaue Kenntnis des Wirkmechanismus lässt weitere Behandlungsfortschritte erwarten. Am Universitätsklinikum Erlangen haben Forscher nun herausgefunden, wo der Ansatzpunkt einer Therapie liegt, die für eine bestimmte chronisch entzündliche Nervenerkrankung üblich ist.

Die chronisch inflammatorische demyelinierende Polyneuropathie (CIDP) ist eine entzündliche Erkrankung des peripheren Nervensystems, die von 100.000 Erwachsenen etwa jeden zweiten bis siebten befällt.

Das klinische Erscheinungsbild ist nicht einheitlich, aber die häufigste Form führt zu einer fortschreitenden oder wiederkehrenden Muskelschwäche. Die gängige Therapie für diese Erkrankung ist die Gabe hochdosierter Immunglobuline (sog. IVIG Therapie), die effizient in der Lage ist, die Symptome der Erkrankung zu unterdrücken. Bisher war jedoch nicht bekannt, wie dieses Medikament beim Menschen wirkt.

Forschern der Erlanger Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Falk Nimmerjahn (Medizinische Klinik 3) ist es jetzt in Zusammenarbeit mit Arbeitsgruppen aus Marburg, Hamburg und New York erstmalig gelungen, einen Einblick in den Mechanismus der IVIG Aktivität beim Menschen zu erhalten. Die Wissenschaftler konnten zeigen, dass ein Gendefekt, der zu einer verminderten Expres­sion eines regulatorischen Eiweißstoffes (eines so genannten inhibitorischen Fc-Rezeptors) auf Fresszellen und B-Zellen führt, gehäuft bei CIDP Patienten vorkommt.

Unter Therapie mit IVIG kam es zu einer Wiederherstellung der Expression dieses wichtigen Regulators, was mit einer Unterdrückung der Krankheitssymptomatik korrelierte. Die Ergebnisse sind in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) veröffentlicht worden, einer wissenschaftlichen Zeitschrift, die von der Akademie der Wissenschaften der Vereinigten Staaten herausgegeben wird (Tackenberg et al., PNAS 2009; 106: 4788-92).

Studien in Tiermodellen hatten schon länger auf eine wichtige Rolle dieses Proteins bei der Entstehung und Schwere von Autoimmunerkrankungen hingedeutet, aber es war unklar, ob diese Ergebnisse auch für den Menschen zutreffen. Die Ergebnisse lassen hoffen, dass neue Therapien, die gezielt die Expression dieses regulatorischen Eiweißstoffes beeinflussen, in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung von Autoimmunerkrankungen wie der CIDP spielen könnten.

Die Universität Erlangen-Nürnberg, gegründet 1743, ist mit 26.000 Studierenden, 550 Professorinnen und Professoren sowie 2000 wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte Universität in Nordbayern. Schwerpunkte in Forschung und Lehre liegen an den Schnittstellen von Naturwissenschaften, Technik und Medizin in engem Dialog mit Jura und Theologie sowie den Geistes-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Seit Mai 2008 trägt die Universität das Siegel "familiengerechte Hochschule".

Weitere Informationen für die Medien:

Prof. Dr. Falk Nimmerjahn
Tel.: 09131/85-39346, -35913
fnimmerj@molmed.uni-erlangen.de

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Wachablösung im Immunsystem: wie Dendritische Zellen ihre Bewaffnung an Mastzellen übergeben
16.11.2017 | Universitätsklinikum Magdeburg

nachricht Wie Lungenkrebs zur Entstehung von Lungenhochdruck führt
16.11.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie