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Neues Verfahren zur Herzklappenimplantation bei jungen Patienten im EMAH-Zentrum / Erfolgreiche Premiere im UKM

02.08.2010
Erneute Operation kann vermieden und Zahl der Krankenhausaufenthalte reduziert werden

Erstmals wurden am Universitätsklinikum Münster (UKM) künstliche Pulmonalklappen im Katheterverfahren implantiert. Die Pulmonalklappe ist eine der vier Herzklappen, die den Rückfluss des Blutes aus der Lungenarterie in das Herz verhindert.

Der Eingriff wurde im Zentrum für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH) durchgeführt. Die eingesetzte biologische Kunstklappe, die aus Rinderherzbeuteln gefertigt wird, ist in ein Drahtgeflecht (Stent) eingenäht, welches auf einem Ballonkatheter montiert wird. Das UKM zählt damit zu den ersten Krankenhäusern in Europa, in denen diese Klappe implantiert wurde. Zeitgleich wurden solche Eingriffe in fünf anderen spezialisierten Kliniken in Europa durchgeführt.

Die beiden Patienten im Alter von 16 und 35 Jahren konnten bereits nach wenigen Tagen das UKM verlassen, ihnen geht es gut. Prof. Dr. Helmut Baumgartner, Leiter des EMAH-Zentrums am UKM: „Bei angeborenen Herzfehlern, bei denen keine funktionstüchtige Klappe zwischen der rechten Herzkammer und der Lungenschlagader nach vorangegangenen Operationen vorhanden ist, wird bei dem neuen Verfahren zuerst ein Stent über die Leistenvene eingebracht, dann an der Übergangsstelle zwischen Herz und Schlagader implantiert und schließlich die Stentklappe darin exakt platziert. Im Anschluss wird der Ballon gefüllt und dadurch der Stent mit der Klappe entfaltet und verankert.“

Neu an diesem Verfahren sind die Position, an denen die künstlichen Klappen eingesetzt werden und die Tatsache, dass solche Klappen nun auch erstmals bei jüngeren Patienten implantiert wurden. Bislang hatten die Herzspezialisten der Uniklinik in Münster diese Kathetertechnik schon bei 130 älteren Patienten mit Verengung der Aortenklappe (Ventil zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader) eingesetzt.

Verfahren steigert Lebensqualität der Betroffenen

„Patienten mit angeborenen Herzfehlern haben meist schon in jungen Jahren eine lange Krankheitsgeschichte hinter sich, in der mitunter mehrere Operationen erforderlich waren, um eine adäquate Herzfunktion wiederherzustellen bzw. aufrecht zu erhalten. Trotz aller Fortschritte der Herzchirurgie, die ein langfristiges Überleben und eine gute Lebensqualität bei komplexen Herzfehlern überhaupt erst möglich gemacht haben, bedeuten die zum Teil unvermeidbaren Wiederholungseingriffe dennoch eine große Belastung für die Betroffenen“, erklärt Prof. Dr. Helmut Baumgartner. Auch aus diesem Grund hat sich die interventionelle Kardiologie mit den vielfältigen Möglichkeiten zur kathetergestützten Behandlung von Herzfehlern zu einem wichtigen Pfeiler gerade in der Langzeitbetreuung dieser Patienten entwickelt. „Unseren beiden Patienten konnte mit diesem neuen Katheterverfahren eine erneute Operation erspart werden. Sie konnten bereits nach wenigen Tagen das Krankenhaus wieder verlassen und die sonst bei einer operativen Behandlung erforderliche längere Erholungsphase fällt bei dieser Behandlung weg. Vor allem aber werden die Patienten nicht dem Operationsrisiko, das bei bereits mehrfachen Voroperationen erhöht ist, ausgesetzt“, fasst Prof. Baumgartner die Vorteile zusammen.

Die Eingriffe wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Helmut Baumgartner mit einem interdisziplinären Team von Erwachsenen- und Kinderkardiologen gemeinsam mit einem Experten aus Toronto Ende Juni in Münster durchgeführt.

Stefan Dreising | Universitätsklinikum Münster
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenster.de

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