Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Verfahren: Hallesche Neurochirurgen bestimmen Narkosetiefe durch Überwachung von Hirnnerven

29.10.2012
Die so genannte intraoperative Wachheit ist über alle Patienten gesehen ein sehr seltenes Ereignis, kann aber bei Risikopatienten und -eingriffen bei bis zu einen von 100 Patienten auftreten.

Häufig hinterlässt solch eine intraoperative Wachheit bei Betroffenen potentiell schwerwiegende psychische Folgen. Ein Verfahren, mit dem derartige Ereignisse zuverlässig vorhergesagt und somit in ihrer Häufigkeit reduziert werden können, existiert bislang nicht.

Durch gute Beobachtungsgabe gelang es halleschen Neurochirurgen um Professor Dr. Christian Strauss (Direktor der halleschen Universitätsklinik und Poliklinik für Neurochirurgie) zusammen mit ihren Kollegen der Anästhesie um Professor Dr. Michael Bucher (Direktor der Universitätsklinik für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin), ein neues Verfahren zur Bestimmung der Narkosetiefe zu entwickeln.

„Wir überwachen bei einigen unseren Operationen durch ein Neuromonitoring die Muskelaktivität der Schlund- und Rachenmuskeln“, sagt der Neurochirurgieprofessor. Bei bestimmten Operationen an der Schädelbasis (wie etwa beim Akustikusneurinom) verwendeten die Ärzte dieses Verfahren bisher, um bei den Eingriffen die Schädigung der dazugehörigen Nerven im Operationsfeld zu verhindern. Weltweit einzigartig ist in Halle dabei die lückenlose automatisierte Computerüberwachung dieser Nerven.

„Wir beobachteten nun bei solchen Operationen, dass es unabhängig von einer durch die Operation bedingten Manipulation und ohne weitere Hinweise auf eine beginnende Aufwachreaktion bei einzelnen Patienten zu einer Aktivitätszunahme in den Schlund- und Rachenmuskeln kam.“ Die Ärzte stellten die Hypothese auf, dass diese Aktivitätszunahme eine unmittelbar bevorstehende Aufwachreaktion des Patienten frühzeitig ankündigen konnte und prüften nun gemeinsam mit den Anästhesisten bei 23 Patienten im Rahmen der geplanten Narkoseausleitung nach solchen Operationen dieses Phänomen und fanden unsere Beobachtung bestätigt. Das Elektromyogramm (EMG) zeigte im Durchschnitt vier Minuten früher als herkömmliche Monitoringverfahren ein bevorstehendes Erwachen des Patienten an. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im international anerkannten „Journal of Neurosurgical Anesthesiology, Bd. 24.

Neben den möglicherweise gravierenden psychologischen Auswirkungen können die mit intraoperativer Wachheit verbundenen Patientenbewegungen gerade bei kritischen Operationen wie etwa am Gehirn oder Rückenmark zu einer schweren Schädigung des Patienten führen, so dass eine möglichst exakte Aussage über die Narkosetiefe einen sehr wichtigen Beitrag zur Patientensicherheit leisten kann. Das dafür erforderliche System sollte robust und möglichst einfach zu bedienen sein. „Wir wollen ein Verfahren entwickeln, bei dem der Aufwand so gering wie möglich ist“, sagt Professor Strauss. Die Sicherheit für den Patienten stehe dabei aber immer an erster Stelle.

Die Ärzte – Neurochirurgen und Anästhesisten – planen nun durch ein Forschungsvorhaben herauszufinden, wie das Verfahren eine breite Anwendung finden kann. Geeignet scheint es bei allen Operationen, bei denen keine medikamentöse Ausschaltung der Muskulatur während des Eingriffs erforderlich ist. In diesen Fällen kann das Verfahren naturgemäß nicht eingesetzt werden. Die geplante Studie, für die eine Förderung beantragt ist, soll unter anderem prüfen, ob verlässliche Aussagen auch durch eine gleichartige Überwachung der Gesichtsmuskeln möglich sind.

Jens Müller
Stabsstelle Presse- und Unternehmenskommunikation
Leiter und Pressesprecher
Universitätsklinikum Halle (Saale)
Medizinische Fakultät der
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Ernst-Grube-Str. 40
06120 Halle (Saale)
Tel.: (0345) 557-1032
Fax: (0345) 557-5749

Jens Müller | Uni-Klinikum Halle (Saal
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-halle.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

nachricht Schnelltests für genauere Diagnose bei Hirntumoren
17.05.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics