Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues überaus wirksames Medikament gegen chronische Hepatitis C gefunden

01.07.2011
Prof. Dr. Stefan Zeuzem publiziert Studienergebnisse von herausragender Relevanz in zwei Artikeln des renommierten New England Journal of Medicine. Die Forschungsleistungen am Leberzentrum des Universitätsklinikums Frankfurt erhöhen die Heilungschancen bei Patienten mit chronischer Hepatitis C von 44 auf 75 Prozent.

Sieben Jahre war Prof. Dr. Stefan Zeuzem, Direktor der Medizinischen Klinik I am Universitätsklinikum Frankfurt, im Rahmen zahlreicher Studien kontinuierlich an einer neuen Therapie für chronisch an Hepatitis C erkrankten Patienten in einer internationalen Forschungsgruppe beteiligt. Eine Forschungslücke, deren Notwendigkeit sich an Zahlen belegen lässt: bis zu 60 Prozent der Patienten mit chronischer Hepatitis-C des Genotyps 1 reagieren nicht auf die Standardtherapie mit dem Wirkstoff pegyliertes Interferon alfa-2a plus Ribavirin.

Hepatitis C kann tödlich enden. Laut WHO gibt es weltweit ca. 170 Millionen Menschen, die an diesem Virus erkrankt sind. Für Deutschland liegen die Schätzungen in einer Größenordnung von 400.000 bis 800.000 Personen, wobei pro Jahr mehrere Tausend Neuinfizierte hinzukommen. Die Dunkelziffer der Infektionen ist wahrscheinlich weitaus höher, da die Krankheit häufig unerkannt bleibt durch ihre anfänglich milde Symptomatik. Dies ist gefährlich, denn Hepatitis ist eine überaus ernsthafte virale Entzündung der Leber, die über Blut übertragen wird. Bei 50 bis 90 Prozent der Patienten wird die akute Hepatitis C chronisch, das heißt die Entzündung der Leber durch Hepatitis-C-Viren heilt innerhalb von sechs Monaten nicht aus. Langfristig folgen Krankheiten wie Leberzirrhose oder Leberkrebs.

Studien unter zentraler Frankfurter Beteiligung
„Mit beiden Studien“, so Prof. Zeuzem, der Leitautor der REALIZE- und Seniorautor der ADVANCE-Studie, „haben wir die Wirkung von Telepravir in Ergänzung zur Standardtherapie bei Hepatitis-C-Patienten getestet. Dies schien von vornherein eine vielversprechende Idee zu sein, denn das Hepatitis-C-Virus braucht für seine Ausbreitung eine spezielle Protease, also einen Proteinzerteiler. Telaprevir ist ein Proteaseinhibitor, der die Vermehrung des Virus massiv hemmt.“

Die REALIZE-Studie erforschte die Wirkung von Telaprevir als Ergänzung zur Standardtherapie bei bereits behandelten Patienten des Genotyps 1, während in der ADVANCE-Studie die Untersuchungsgruppe aus bislang unbehandelten Patienten desselben Genotyps bestand. In zwei weiteren Studien wurde auch der Proteaseinhibitor Boceprevir getestet, an denen Prof. Zeuzem als Co-Autor sein Wissen zu bereits behandelten Patienten einbringen konnte.

Neues Medikament
In den USA hat die Food and Drug Administration bereits die Einführung der beiden neuen Medikamente Telaprevir und Boceprevir genehmigt, die auf diesen Studien beruhen. „Viele Menschen mit chronischer Hepatitis C Genotyp 1, die bereits behandelt aber nicht geheilt wurden, warten schon lange auf eine neue Arznei, die eine wirklich bessere Chance bietet, das Virus zu beseitigen“, sagt Prof. Dr. Stefan Zeuzem. Wann das Medikament in Deutschland eingeführt wird, ist noch offen, wahrscheinlich aber noch in diesem Jahr.

Ricarda Wessinghage | idw
Weitere Informationen:
http://www.kgu.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Erste Verteidigungslinie gegen Grippe weiter entschlüsselt
21.02.2018 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Neue Behandlung mit Immunglobulinen hilft gegen Entzündung der weißen Hirnsubstanz bei Kindern
21.02.2018 | Universität Witten/Herdecke

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kameratechnologie in Fahrzeugen: Bilddaten latenzarm komprimiert

21.02.2018 | Messenachrichten

Mit grüner Chemie gegen Malaria

21.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro

21.02.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics