Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Forschungsprojekt: Früherkennung bei familiärem Darmkrebs

17.09.2014

In den kommenden anderthalb Jahren wird am Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE) der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig eine Analyse umfangreicher Patientendaten neue Erkenntnisse zum erblichen Darmkrebs liefern. Ziel des Projektes ist es, die Darmkrebsfrüherkennung bei Patienten mit hohem Erkrankungsrisiko zu verbessern. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Projekt mit 550.000 Euro.

Eine Darmspiegelung (Koloskopie) gehört zu den unliebsamen Untersuchungen, die für viele Patienten mit Scham und Ängsten verbunden ist. Sie gilt gleichwohl als die derzeit beste Darmkrebs-Vorsorge, ganz besonders für Menschen, die aufgrund veränderter Erbanlagen ein hohes Erkrankungsrisiko in sich tragen.

Die betroffenen Personen haben ein mutiertes Gen, das zu einer familiären Häufung von Darmkrebserkrankungen führt. Der erbliche Darmkrebs (Fachabkürzung HNPCC ) entwickelt sich sehr viel schneller als nicht-erbliche Tumore und tritt auch bei jüngeren Personen häufiger auf. Entsprechend frühzeitig und engmaschig müssen sich die Betroffenen einer Darmspiegelung unterziehen und in ein lebenslanges Vorsorge- beziehungsweise Früherkennungsprogramm eingebunden werden.

Daten von über 8.000 Patienten

"Es ist internationaler Konsens, Risikopatienten engmaschig koloskopisch zu überwachen", erklärt PD Dr. Christoph Engel, einer der Studienleiter am IMISE. "Trotzdem sind einige Fragen unbeantwortet. Wir wissen nicht, welches Untersuchungsintervall optimal für die Patienten ist. Und anders als beim nicht-erblichen Darmkrebs wissen wir zu wenig über den Einfluss individueller Risikofaktoren bei HNPCC."

Das neue Projekt läuft unter dem Dach des Deutschen HNPCC-Konsortiums. Dabei handelt es sich um einen Forschungsverbund der Deutschen Krebshilfe, der eines der weltweit größten Register für betroffene Familien aufgebaut hat und an dem das IMISE maßgeblich beteiligt ist.

Beteiligt sind zudem klinische Einrichtungen in Bochum, Bonn, Dresden, Düsseldorf, Heidelberg und München/Regensburg. Die nun startende Datenanalyse wird die Studiendaten des Konsortiums sowie mehrerer internationaler Studien zum familiären Darmkrebs zusammenführen und vergleichen. Dabei werden in Leipzig die Daten von mehr als 8.000 Patienten und etwa 20.000 Darmspiegelungen ausgewertet.

Individuelle Risikofaktoren

Die Wissenschaftler wollen ermitteln, wie bedeutend das Darmspiegelungsintervall für die Krebsfrüherkennung ist. Eine frühere Studie des deutschen Forschungsverbundes hatte gezeigt, dass jährliche Darmspiegelungen bei Menschen ab 25 Jahren gut durchführbar und wirkungsvoll sind, weil Karzinome in einem frühen Stadium erkannt werden.

In den Niederlanden indes werden Risikopatienten nur alle zwei Jahre, in Finnland alle zwei bis drei Jahre untersucht. Ein direkter Vergleich der verschiedenen Intervalle steht bislang aus und wird nun in Leipzig geleistet.

Hinzu kommt, dass die bisherigen Früherkennungsempfehlungen bei familiärem Darmkrebs nicht das individuelle Risiko des einzelnen Patienten berücksichtigen.

Ziel der Datenanalyse ist es deshalb auch, das Erkrankungsrisiko aufgrund individueller Faktoren wie Alter, Geschlecht und des betroffenen Gens besser einschätzen zu können.

Anne-Katrin Hartinger


Weitere Informationen:

PD Dr. Christoph Engel
Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie
Telefon: +49 341 97-16124
E-Mail: christoph.engel@imise.uni-leipzig.de
Web: http://www.imise.uni-leipzig.de


Pressearbeit IMISE
Dr. Anne-Katrin Hartinger
Telefon: +49 341 97-16292
E-Mail: anne-katrin.hartinger@imise.uni-leipzig.de
Web: http://www.imise.uni-leipzig.de

Weitere Informationen:

http://www.hnpcc.de/

Diana Smikalla | Universität Leipzig

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Weltweit einmalig: Korrekte Diagnose der Lungentuberkulose in nur drei Tagen
16.04.2018 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Im Focus: Gammastrahlungsblitze aus Plasmafäden

Neuartige hocheffiziente und brillante Quelle für Gammastrahlung: Anhand von Modellrechnungen haben Physiker des Heidelberger MPI für Kernphysik eine neue Methode für eine effiziente und brillante Gammastrahlungsquelle vorgeschlagen. Ein gigantischer Gammastrahlungsblitz wird hier durch die Wechselwirkung eines dichten ultra-relativistischen Elektronenstrahls mit einem dünnen leitenden Festkörper erzeugt. Die reichliche Produktion energetischer Gammastrahlen beruht auf der Aufspaltung des Elektronenstrahls in einzelne Filamente, während dieser den Festkörper durchquert. Die erreichbare Energie und Intensität der Gammastrahlung eröffnet neue und fundamentale Experimente in der Kernphysik.

Die typische Wellenlänge des Lichtes, die mit einem Objekt des Mikrokosmos wechselwirkt, ist umso kürzer, je kleiner dieses Objekt ist. Für Atome reicht dies...

Im Focus: Gamma-ray flashes from plasma filaments

Novel highly efficient and brilliant gamma-ray source: Based on model calculations, physicists of the Max PIanck Institute for Nuclear Physics in Heidelberg propose a novel method for an efficient high-brilliance gamma-ray source. A giant collimated gamma-ray pulse is generated from the interaction of a dense ultra-relativistic electron beam with a thin solid conductor. Energetic gamma-rays are copiously produced as the electron beam splits into filaments while propagating across the conductor. The resulting gamma-ray energy and flux enable novel experiments in nuclear and fundamental physics.

The typical wavelength of light interacting with an object of the microcosm scales with the size of this object. For atoms, this ranges from visible light to...

Im Focus: Wie schwingt ein Molekül, wenn es berührt wird?

Physiker aus Regensburg, Kanazawa und Kalmar untersuchen Einfluss eines äußeren Kraftfeldes

Physiker der Universität Regensburg (Deutschland), der Kanazawa University (Japan) und der Linnaeus University in Kalmar (Schweden) haben den Einfluss eines...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Nachhaltige und innovative Lösungen

19.04.2018 | HANNOVER MESSE

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Auf dem Weg zur optischen Kernuhr

19.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics