Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues bundesweites Register zum plötzlichen Herztod von Sportlern soll Prävention verbessern

03.04.2012
Ein Fußball-Profi hat vor zwei Wochen einen Herzstillstand erlitten und ist offenbar nur knapp dem Tode entronnen.
Das Medieninteresse an diesen tragischen Fällen erweckt den Eindruck, dass der plötzliche Herztod bei Sportlern besonders häufig vorkommt. Statistiken belegen jedoch das Gegenteil: In Deutschland sterben jährlich über 100.000 Menschen an einem plötzlichen Herztod, bisher trifft es lediglich einige Hundert beim Sport. Um hierfür noch genauere Zahlen zu ermitteln und die Ursachen zu erforschen, will das Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes jetzt ein bundesweites Register aufbauen.

Dies geschieht unter Schirmherrschaft der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und mit finanzieller Förderung der Deutschen Herzstiftung.

„Wir gehen bisher davon aus, dass junge Sportler höchstens in drei von 100.000 Herztodesfällen pro Jahr die Betroffenen sind. Das Risiko steigt jedoch ab dem 35. Lebensjahr. Nach den schweren Sportverletzungen sind Herz-Kreislauferkrankungen damit die häufigste Todesursache unter Sportlern“, erläutert Tim Meyer, der das Institut für Sport- und Präventivmedizin der Saar-Uni leitet und als Mannschaftsarzt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft betreut. Das Risiko für einen plötzlichen Herztod ist zwischen den Geschlechtern ungleich verteilt, rund 90 Prozent aller Betroffenen sind Männer.
Am häufigsten trifft es die 40- bis 50-Jährigen. Denn in dieser Altersklasse wird eine Herzkranzgefäßverkalkung zunehmend wahrscheinlicher, zugleich ist eine sportliche Aktivität oft noch vorhanden. „Vor allem Freizeitsportler mit schlechtem Trainingszustand sind stärker gefährdet. Sie sollten ihren Einstieg in den Sport daher langsam angehen und sich zuvor sportmedizinisch untersuchen und beraten lassen“, rät Meyer.

Die Ursachen für den plötzlichen Herztod, der während oder kurz nach einer sportlichen Aktivität eintritt, sind vielfältig und sollen daher in der datengeschützten Online-Datenbank in Saarbrücken erfasst werden. Auf der neuen Webseite des deutschlandweiten Registers werden die verschiedenen Krankheitsbilder näher erläutert. „Es gibt familiär gehäuft vorkommende Herzmuskelerkrankungen, bei denen die Muskulatur der linken Herzkammer asymmetrisch verdickt ist. Wird dies frühzeitig erkannt, muss den Betroffenen von Leistungssport abgeraten werden“, betont Philipp Bohm, der das Register wissenschaftlich betreut. Seltener sind angeborene Anomalien, die zu einem Fehlverlauf der Herzkranzarterien führen. Diese Fehlbildungen können heute meist operiert werden, so dass Athleten wieder Wettkampfsport ermöglicht wird.

„Was jeden Sportler auch ohne erbliche Vorbelastung treffen kann, ist eine entzündliche Erkrankung des Herzmuskels, die Myokarditis, die in Deutschland meistens durch Viren, manchmal auch durch Bakterien verursacht wird“, erklärt der Saarbrücker Sportmediziner. Sie begleite gelegentlich eine allgemeine Infektion und trete zeitlich versetzt zur infektiösen Erkrankung auf. „Athleten mit einer nachgewiesenen Myokarditis sollten nach heutigem Kenntnisstand für drei bis sechs Monate auf Leistungssport verzichten“, unterstreicht Bohm. Bei älteren Menschen verursache meist eine Erkrankung der Herzkranzgefäße, oft bedingt durch Ablagerungen in den Gefäßwänden, einen Herzinfarkt bei sportlicher Aktivität.

„Wir wissen heute, dass es regional unterschiedliche Ursachen für den plötzlichen Herztod gibt. Dabei ist noch nicht geklärt, ob ausschließlich die ethnische Zugehörigkeit der Betroffenen eine Rolle spielt. Wir brauchen daher nationale Register, um in Zukunft plötzlichen Todesfällen von Wettkampf- und Freizeitsportlern aus unterschiedlichen Regionen optimal vorbeugen zu können“, nennt Tim Meyer als Begründung für die neue Datenbank. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen könnten dann bestehende Screening-Verfahren verbessert werden. „Auch wenn wir im Spitzen- und Profisport in Deutschland bereits sehr gut aufgestellt sind, bleibt der Amateur- und Freizeitsport ein wichtiges Feld“, betont Meyer. Bei der neuen Datenbank haben daher nicht nur Ärzte, sondern auch Angehörige von Betroffenen, Sportler, Trainer und andere Personen die Möglichkeit, plötzliche Todesfälle zu melden.
Als Vorbild dient das U.S. Register der Minneapolis Heart Foundation sowie auf europäischer Ebene das 2011 initiierte Register der Schweiz. Das deutsche Register wird am Institut für Sport- und Präventivmedizin in Saarbrücken unter der Federführung von Dr. Philipp Bohm betrieben. „Trotz der darin erfassten tragischen Einzelfälle darf man aber auch nicht aus den Augen verlieren, dass eine regelmäßige sportliche Aktivität eher vor schweren Erkrankungen schützt als dass sie befördert werden“, betont er.

Fragen beantworten:

Prof. Dr. Tim Meyer
Institut für Sport- und Präventivmedizin
Tel. 0681 302-3750
Mail: sportmed@mx.uni-saarland.de

Dr. med. Philipp Bohm
Tel. 0681 302-70406
Mail: p.bohm@mx.uni-saarland.de
Hinweis für Hörfunk-Journalisten: Sie können Telefoninterviews in Studioqualität mit Wissenschaftlern der Universität des Saarlandes führen, über Rundfunk-ISDN-Codec. Interviewwünsche bitte an die Pressestelle (0681 302-3610) richten.

Gerhild Sieber | Universität des Saarlandes
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de/scd
http://www.uni-saarland.de/pressefotos

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie