Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Therapie-Ansatz für Asthma

15.08.2013
Beinahe jedes zehnte Kind in Deutschland leidet an Asthma. Damit ist es die häufigste chronische Krankheit in diesem Lebensabschnitt.

Wissenschaftler des Universitätsklinikums der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben neue Wege gefunden, wie speziell das allergische Asthma in Zukunft besser behandelt werden könnte. Ihre Ergebnisse haben sie kürzlich in der Online-Zeitschrift Scientific Reports, herausgegeben vom Nature-Verlag, veröffentlicht (1).

Asthma ist eine chronische Entzündung der Atemwege. Die Patienten erleiden zum Teil lebensbedrohliche Anfälle mit Atemnot, die unter anderem mit einer vermehrten Schleimproduktion sowie einer Verkrampfung der Bronchialmuskulatur einhergehen. Mediziner unterscheiden je nach dem Auslöser für die Anfälle zwischen der allergischen und der nicht-allergischen Variante.

Die Erkenntnisse der FAU-Wissenschaftler um Prof. Dr. Dr. Susetta Finotto, Leiterin der Molekular-Pneumologischen Abteilung in der Anästhesiologischen Klinik, und Dr. Sonja Koch erweitern die frühere Entdeckung von Prof. Finotto über die schützende Rolle des körpereigenen Eiweißes T-bet bei allergischem Asthma. Ihre Ergebnisse könnten zu neuen Therapieansätzen für diese Form der Krankheit bei Kindern führen: Im Modell zeigten sie, dass sowohl eine Immuntherapie als auch der Einsatz bestimmter Antikörper die allergische Reaktion merklich verringern.

Die Wissenschaftler stellten zusammen mit der Kinderklinik Erlangen im Rahmen der EU-Studie PreDicta bei asthmatischen Kindern im Alter zwischen vier und sechs Jahren einen Zusammenhang zwischen dem Botenstoff Interleukin-6, kurz IL-6, sowie dem Eiweiß T-bet fest: Je weniger T-bet produziert wird, desto mehr IL-6 wird ausgeschüttet. Der Botenstoff IL-6 fördert die Entstehung spezieller Abwehrzellen, die allerdings die Krankheit verschlimmern. Hingegen ist T-bet eine Art molekularer Schalter, der dafür sorgt, dass vermehrt jene Abwehrzellen entstehen, die anti-entzündliche und damit mildernde Wirkung auf das Asthma haben.

Daraufhin untersuchten die Forscher am Modell, inwieweit sich dieser Zusammenhang mit einer Immuntherapie, bei der steigende Dosen des allergieauslösenden Stoffes gegeben werden, beeinflussen lässt. Und siehe da: Es wurde weniger des Botenstoffes IL-6 und dadurch auch weniger IL-17A, einem der Hauptverursacher von allergischem Asthma, produziert. Dadurch entstanden wiederum weniger Abwehrzellen, die das Asthma verschlechtern. In weiteren Studien müssen die Wissenschaftler jetzt klären, warum bei einer solchen Therapie weniger IL-6 produziert wird.

In einem zweiten Experiment setzten die Forscher anstatt der Immuntherapie spezielle Antikörper ein, die die Signalübertragung des Botenstoffs IL-6 blockierten. In der Folge ging die Entzündung ebenfalls zurück. Zudem fanden die Wissenschaftler weniger jener Abwehrzellen der Untergruppen Th2 und Th17, die als Hauptverursacher von allergischem Asthma gelten. Dies ist überaus interessant, da im Gegensatz zu Asthma einige Eiweiße der Th17-Gruppe, wie IL-17A, offenbar gegen andere chronisch entzündliche Erkrankungen, etwa dem Darmleiden Morbus Crohn, helfen. Die Erkenntnisse der Forscher könnten dazu beitragen, neue Therapieansätze für allergisches Asthma bei Kindern zu finden.

1) doi: 10.1038/srep01754

Ansprechpartner für die Medien:
Dr. Sonja Koch
Tel.: 09131/85-35989
s.koch@uk-erlangen.de

Blandina Mangelkramer | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-erlangen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hannover Messe: Elektrische Maschinen in neuen Dimensionen

28.03.2017 | HANNOVER MESSE

Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome

28.03.2017 | Medizin Gesundheit

Antibiotikaresistenz zeigt sich durch Leuchten

28.03.2017 | Biowissenschaften Chemie