Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Test für Blasenkrebs

10.05.2012
Forscher der Universitäten Würzburg und Freiburg haben einen Marker identifiziert, der mit hoher Zuverlässigkeit Auskunft darüber erteilt, ob ein Mensch an Blasenkrebs erkrankt ist. Die Anmeldung zum Patent läuft; die Bayerische Patentallianz GmbH sucht jetzt nach Pharmafirmen, die die entsprechende Lizenz erwerben wollen.

Rund 30.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland neu an Blasenkrebs. Die Krankheit ist damit die vierthäufigste Krebsart nach Lungen- und Darmkrebs sowie Prostatakrebs beim Mann beziehungsweise Brustkrebs bei der Frau.

Den Betroffenen wird in der Regel das Tumorgewebe in einer Operation entfernt; weitergehende Maßnahmen wie erneute Operationen, lokale Chemotherapie und regelmäßige Blasenspiegelung in der Folge sind häufig erforderlich. Haben sich bereits Metastasen im Körper eines Patienten ausgebreitet, sind die Überlebenschancen gering. Die Krankheit möglichst früh zu erkennen, ist daher sehr wichtig.

Der neue Marker

Auf dem Weg dorthin ist Wissenschaftlern der Universitäten Würzburg und Freiburg jetzt ein wichtiger Schritt gelungen: Sie haben einen neuen Marker identifiziert, der das sogenannte Transitionalzellkarzinom (TCC) der Harnblase nachweisen kann. Bei TCC handelt es sich um die mit circa 95 Prozent aller Fälle häufigste Form von Blasenkrebs.

„Wir konnten zeigen, dass das Protein LASP-1 bei an TCC erkrankten Patienten im Urin nachweisbar ist“, sagt Professorin Elke Butt-Dörje, kommissarische Leiterin des Instituts für Klinische Biochemie und Pathobiochemie der Universität Würzburg. Das Protein stelle somit einen viel versprechenden Blasenkrebs-Marker da.

Gemeinsam mit ihrem Freiburger Kollegen, dem Urologen Dr. Peter Ardelt, hat die Würzburger Professorin einen Marker für LASP-1 entwickelt und an 130 Patienten getestet. Das Ergebnis: „Unsere Studien haben gezeigt, dass der Marker eine sehr hohe Sensitivität aufweist, also Personen, die an Blasenkrebs erkrankt sind, sehr zuverlässig erkennt“, sagt Butt-Dörje. Darüber hinaus habe der Marker eine sehr hohe Spezifität, das heißt, er stuft gesunde Personen nicht fälschlicherweise als krank ein. Unnötige Gewebeentnahmen und Blasenspiegelungen werden auf diese Weise verhindert. Ein weiteres Plus: Für die Untersuchung reicht eine geringe Menge an Urin; eine Blutabnahme oder gar eine Blasenspiegelung ist nicht notwendig.

Patent angemeldet

Unterstützt von Dr. Iris Zwirner-Baier, Erfinderberaterin und Patentmanagerin am Servicezentrum Forschung und Technologietransfer der Universität Würzburg, haben die Wissenschaftler ihre Erfindung inzwischen zum Patent angemeldet. Die Bayerische Patentallianz GmbH, die zentrale Patent- und Vermarktungsagentur bayerischer Universitäten und Fachhochschulen, präsentiert das Produkt aktuell auf der BioVaria 2012 in München. Dort können Vertreter der Pharma-, Biotech- und Risikokapital-Branche sich über die neuesten Erfindungen der lebenswissenschaftlichen Forschung informieren und die entsprechenden Lizenzen erwerben.

Die nächsten Schritte

Die Arbeit der Wissenschaftler ist damit allerdings noch nicht beendet. „Wir sind momentan dabei, den Kreis der Studienteilnehmer zu erweitern“, sagt Elke Butt-Dörje. An 500 Patienten wollen sie den Marker auf seine Zuverlässigkeit testen, um zu noch aussagekräftigeren Zahlen zu gelangen und damit auch den Vergleich mit bereits existierenden Testmethoden zu bestehen, die schon lange auf dem Markt sind und folglich bereits an vielen Patienten zum Einsatz kamen.

„Unser Marker ist deutlich besser als alle anderen Urin-basierten Tumormarker“, ist sich die Wissenschaftlerin sicher. In 85 Prozent aller Fälle habe er den Blasenkrebs sicher vorhergesagt – ein sehr guter Wert, der deutlich über dem bisheriger Testverfahren liege.

Außerdem wollen die Forscher eine andere Analysemethode entwickeln, die schneller und klinisch einfacher einsetzbar ist. Das bisherige Verfahren ist vergleichsweise aufwändig und benötigt 24 Stunden, bis das Testergebnis vorliegt.

Ob dieser Test in ein paar Jahren zum Routineprogramm bei Vorsorgeuntersuchungen gehören wird? Daran hat Elke Butt-Dörje ihre Zweifel, immerhin sind damit ja auch nicht ganz unerhebliche Kosten verbunden. Das müssten allerdings die Krankenkassen entscheiden. Als Standardverfahren zur Kontrolle nach einer Blasenkrebserkrankung sei der Test jedoch sinnvoll. Er könne schnell und relativ zuverlässig darüber Auskunft geben, ob sich bei dem Patienten erneut ein Tumor gebildet habe oder ob er sich als geheilt betrachten kann.

Bayerische Patentallianz GmbH

Die Bayerische Patentallianz GmbH vermarktet als zentrale Patent- und Vermarktungsagentur von 28 bayerischen Universitäten und Hochschulen für angewandte Wissenschaften die Erfindungen von mehr als 18.000 Wissenschaftlern. Dabei unterstützt sie die Wissenschaftler, ihre Erfindung zu schützen und anschließend kommerziell zu nutzen. Für die Industrie stellt sie einen einzigartigen Zugang zum größten Technologiepool Bayerns bereit. Dank der hohen Forschungsqualität der bayerischen Universitäten und Hochschulen verfügt die Bayerische Patentallianz GmbH über zahlreiche innovative und schutzrechtlich gesicherte Erfindungen aus den Bereichen Life Sciences und Physical Sciences.

BioVaria 2012

Rund 70 Erfindungen von Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen aus Deutschland und Europa werden am 15. Mai in München unter dem Motto „Europe´s Next Top Technologies“ vorgestellt. Dort können sich Firmenvertreter einen schnellen Überblick über die neuesten Technologien verschaffen und wissenschaftliche Details direkt mit den Erfindern diskutieren. Die vorgestellten patentgeschützten Technologien befinden sich bereits in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium und können kommerziell nutzbar gemacht werden. Die Projekte kommen dabei aus den Bereichen Diagnose und Behandlung von Krebs, von Herz- und Kreislauferkrankungen sowie weiteren Krankheiten.

Kontakt
Prof. Elke Butt-Dörje, T: (0931) 31-83174,
E-Mail:butt@klin-biochem.uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.baypat.de/
http://www.biovaria.org/

Weitere Berichte zu: Blasenkrebs Blasenspiegelung Erfindung LASP-1 Marker Patent Patentallianz Protein Urin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet
26.07.2017 | Universitätsspital Bern

nachricht Neue statistische Verfahren zur Überprüfung von Arzneimittel-Generika
25.07.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie