Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Ansatz für Eierstock-Krebstherapie

13.05.2009
Ein Wissenschaftsverbund der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, des Bonner Forschungszentrums "caesar" und der Berliner Charité klärt einen Mechanismus der Resistenz von Eierstockkrebs gegen Chemotherapie auf. Ein neuer Ansatzpunkt für die Eierstock-Krebstherapie.

Forscher vom Institut für Humangenetik und Anthropologie der HHU konnten erstmals nachweisen, dass der körpereigene Eiweißstoff IGF 1R in Eierstockkrebszellen das Medikament Cisplatin unwirksam werden lässt.

IGF 1R löst eine Kaskade von chemischen Reaktionen im Inneren der Zellen aus, die zur Resistenz gegen die Standardtherapie mit Cisplatin führen. In der April-Ausgabe der renommierten amerikanischen Fachzeitschrift Cancer Research (Volume 69, Number 7, April 1rst, 2009, 2996-3003) sind jetzt die Ergebnisse erschienen, die in Kooperation mit Wissenschaftlern vom Institut für Pharmazeutische Biochemie der HHU, des Bonner Forschungszentrums "caesar" und der Charité der Humboldt-Universität Berlin entstanden sind.

Eierstockkrebs (Ovarialtumore) sind die tödlichsten unter den bösartigen gynäkologischen Erkrankungen. Etwa 9.600 Frauen erkranken jährlich allein in Deutschland an einem Ovarialtumor. Zunächst lässt sich diese Krebsart gut mit dem Standardmedikament Cisplatin beherrschen. Ihren tödlichen Verlauf zeigt die Erkrankung erst, wenn sie nach vermeindlich erfolgreicher Ersttherapie wieder auftritt und dann nicht mehr auf das Medikament anspricht. Der exakte Mechanismus, der zu resistenten Krebszellen führt, ist weitgehend unbekannt.

Die Forscher wandten ein neuartiges Verfahren an, das die Entstehung resistenter Zellen in der Patientin im Reagenzglas nachstellt. So ist es den Wissenschaftlern um Dr. rer. nat. Niels Eckstein und PD Dr. med. Hans-Dieter Royer erstmals gelungen, die biochemischen Prozesse zu beobachten, die während der Entstehung resistenter Zellen ablaufen. Auf transkriptioneller Ebene und auf Proteinebene konnte eine stetig steigende Menge an IGF 1R in Krebszellen nachgewiesen werden je länger Cisplatin gegeben wurde.

Eine klinische Studie konnte zeigen, dass die Experimente sich auf die Situation in der Patientin übertragen lassen. Ähnlich erfolgversprechende Befunde hat die Gruppe um Niels Eckstein und Hans-Dieter Royer bereits zur Chemotherapie-Resistenz im Brustkrebs erhoben. Auch diese wurden in einem international annerkannten Fachjournal publiziert (Journal of Biological Chemistry, 2008, Jan 11th; Volume 283, Number 2, 739-750).

Interessanterweise ist der Mechanismus beim Brustkrebs ein anderer. Die Forscher schliessen daraus, dass jeder Tumor hinsichtlich seiner Resistenzmechanismen einzeln betrachtet und untersucht werden muss. Da die Wissenschaftler in beiden Fällen einen Vorschlag unterbreitet haben, welche Medikamente zur Überwindung der Resistenz angewendet werden können, ist zu hoffen, dass die Befunde zeitnah Eingang in die klinische Therapie finden werden.

Kontakt:
Dr. Niels Eckstein
Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, UKD
Institut für Humangenetik und Anthropologie
Universitätsstr. 1
Gebäude 23.12, Ebene 03
40225 Düsseldorf, Germany
phone ++49 211 81 12356
Niels.Eckstein@uni-duesseldorf.de
PD Dr. Hans-Dieter Royer
Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, UKD
Institut für Humangenetik und Anthropologie
Universitätsstr. 1
Gebäude 23.12, Ebene 03
40225 Düsseldorf, Germany
phone ++49 211 81 12354
hans-dieter.royer@uni-duesseldorf.de

Rolf Willhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-duesseldorf.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise