Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Angriffspunkt gegen Brustkrebs

23.11.2016

Ein Wirkstoff mit Namen Dinaciclib kann möglicherweise verhindern, dass Brusttumoren gegen eine Chemotherapie resistent werden. Das zeigt eine aktuelle Studie unter Beteiligung der Universität Bonn. Erste Ergebnisse aus Mausexperimenten und mit menschlichen Krebszellen sind viel versprechend. Momentan wird der Ansatz in einer klinischen Studie an Menschen getestet. Die Arbeit ist nun in der Zeitschrift „Cell Reports“ erschienen.

Auslöser von Brustkrebs ist häufig eine Veränderung in den „Breast Cancer“-Genen BRCA1 oder BRCA2. BRCA-Gene übernehmen eine wichtige Funktion bei der DNA-Reparatur. Wenn sie defekt sind, können sich im Erbgut von Brustzellen Fehler anhäufen. Das kann dazu führen, dass sich die Zellen unkontrolliert vermehren und zu Tumoren heranwachsen.


Dinaciclib (grün) ist ein hochaktiver Wirkstoff, der die Funktion der Kinase CDK12 (weiß/rot) inhibiert.

© Matthias Geyer/Uni Bonn

Es gibt beim Menschen noch einen alternativen Mechanismus für die DNA-Reparatur. Dieser wird vor allem dann wichtig, wenn die BRCA-Gene mutiert sind. Er sorgt dafür, dass die DNA-Schäden nicht so groß werden, dass die betroffene Zelle stirbt. Bei Brustkrebs-Erkrankungen versucht man daher, diesen alternativen Reparaturweg zu hemmen, um so den Krebszellen den Todesstoß zu versetzen. Dazu nutzt man so genannte PARP-Inhibitoren.

PARP-Inhibitoren gelten als Hoffnungsträger, etwa im Kampf gegen hoch aggressive Formen von Brustkrebs. Leider werden Tumorzellen aber oft gegen den Wirkstoff resistent. Sie können nämlich unter bestimmten Bedingungen den Funktionsverlust der BRCA-Gene ausgleichen. Der eigentliche Haupt-Reparaturmechanismus wird dadurch also wieder aktiviert.

Tumoren schrumpften nachhaltig

„Dinaciclib kann diesen Vorgang augenscheinlich unterbinden“, erklärt Prof. Dr. Matthias Geyer vom Institut für Angeborene Immunität der Universität Bonn. „Damit sprechen die Krebszellen weiterhin auf die PARP-Behandlung an.“ Die Wissenschaftler konnten diesen Effekt in ihrer Studie beispielsweise bei krebskranken Mäusen dokumentieren: In den mit PARP-Inhibitoren und Dinaciclib behandelten Tieren schrumpften die Tumoren nachhaltig, ohne dass sich Resistenzen zeigten.

Das Labor von Prof. Geyer beschäftigt sich vor allem mit der Aufklärung dreidimensionaler Molekülstrukturen. Vor zwei Jahren gelang seiner Gruppe dieses Kunststück für ein Protein namens CDK12. CDK12 ist eine sogenannte Kinase, die die Ablesung bestimmter Gene steuert. Ein paar Tage nach Veröffentlichung der Struktur erhielt Matthias Geyer einen Anruf aus den USA.

Sein Kollege, der Krebsforscher Prof. Dr. Geoffrey Shapiro, untersuchte dort seit einiger Zeit die Wirkung von Dinaciclib. Man wusste bereits, dass Dinaciclib das Wachstum von Tumoren bremst. Bekannt war auch, dass Dinaciclib Kinasen blockiert – doch welche genau? Shapiro bat seine deutschen Kollegen, den Einfluss von Dinaciclib auf CDK12 zu testen.

„Tatsächlich konnten wir zeigen, dass Dinaciclib CDK12 hemmt“, erklärt Dr. Ann Katrin Greifenberg, die zusammen mit Prof. Geyer den Bonner Teil der Studie geleitet hat. „Dadurch wird die Ablesung von Genen blockiert, die für den Hauptmechanismus der DNA-Reparatur verantwortlich sind. Die Krebszelle kann diesen Weg daher nicht reaktivieren; sie bleibt für die PARP-Behandlung empfindlich.“

Geoffrey Shapiro führt momentan eine klinische Studie zu Dinaciclib durch. Darin will er den Effekt des Medikaments bei Frauen mit aggressivem Brustkrebs untersuchen. „Die von uns aufgeklärte 3D-Struktur von CDK12 erlaubt es aber auch, völlig neue Wirkstoffe gegen diese Kinase zu entwickeln“, betont Geyer. „Sie könnten dazu beitragen, die Chemotherapie gegen aggressive Formen von Brustkrebs besser verträglich und effektiver zu machen. Der Weg dorthin ist aber noch weit.“

An der Studie waren insgesamt sechs Arbeitsgruppen aus den USA, Spanien und Deutschland beteiligt. Die Federführung lag beim Dana-Farber Krebsinstitut sowie der Harvard Medical School, Boston, USA.

Publikation: Shawn F. Johnson et al.: CDK12 inhibition reverses de novo and acquired PARP inhibitor resistance in BRCA wild-type and mutated models of triple-negative breast cancer; Cell Reports; DOI: 10.1016/j.celrep.2016.10.077

Kontakt:

Prof. Dr. Matthias Geyer
Institut für Angeborene Immunität der Universität Bonn
Tel. 0228/9656233
E-Mail: matthias.geyer@uni-bonn.de

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Revolutionär: Ein Algensaft deckt täglichen Vitamin-B12-Bedarf
23.04.2018 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neuer Impfstoff-Kandidat gegen Malaria erfolgreich in erster klinischer Studie untersucht

25.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Erkheimer Ökohaus-Pionier eröffnet neues Musterhaus „Heimat 4.0“

25.04.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

25.04.2018 | Energie und Elektrotechnik

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics