Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuentwickeltes System erkennt Mangelernährung

24.02.2009
Dr. Sebastian Wieskotten vom Fachgebiet Regelungstechnik und Prozessautomatisierung der TU Darmstadt hat ein Assistenzsystem entwickelt, mit dem Ärzte Mangelernährung bei Patienten erheblich leichter und präziser diagnostizieren könnten als bisher möglich. Mangelernährung ist in den westlichen Gesellschaften paradoxerweise weit verbreitet.

57 kg Muskeln, Knochen, Haut und Organe, etwa 17 kg Fettgewebe und nur 0,4 l "überschüssig eingelagerte Körperflüssigkeit": Bei 80 kg Gesamtkörpergewicht und einer Größe von 1,80 m ist der 29-Jährige Jan Schlake damit im optimalen Bereich. Doch nicht jeder ist so gesund wie Schlake.

Nach Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin sind 10 bis 50 Prozent aller Patienten, die in Krankenhäusern behandelt werden, mangelernährt: Das Verhältnis aus Fettgewebe, Flüssigkeit und Magergeweben wie Muskeln, Knochen, Haut und Organen stimmt nicht. Krebspatienten, Diabetiker und ältere Menschen sind besonders häufig betroffen. Bei den Patienten sinkt die Lebensqualität und steigt die Sterblichkeit - was auf der anderen Seite mit erhöhten Kosten im Gesundheitswesen verbunden ist. Ein drängendes Problem also.

Die relativen Anteile von Körperfett, Körperflüssigkeit und Magergewebe werden bei Schlake mit einem an der Technischen Universität Darmstadt in Kooperation mit der Fresenius Medical Care neu entwickelten Assistenzsystem bestimmt, mit dem Fehlernährung nicht nur gemessen werden kann, sondern das auch gleich noch Hinweise zur Therapie gibt. Bisher waren Mediziner auf diesem Gebiet auf Schätzungen angewiesen, etwa den Body-Mass-Index oder die Messung von Hautfalten. Das Assistenzsystem könnte also Krankenhäuser, Ärzte und sogar Pflegedienste bei der Arbeit unterstützen - ist aber leider noch nicht auf dem Markt, da sich noch kein Hersteller gefunden hat, der es produzieren will.

Das neuartige Assistenzsystem wurde von Sebastian Wieskotten am Fachgebiet Regelungstechnik und Prozessautomatisierung im Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der TU Darmstadt im Rahmen seiner Doktorarbeit bei Prof. Dr. Rolf Isermann entwickelt. Wieskotten hat, aufbauend auf einem im medizinischen Fachhandel erhältlichen Gerät zur Bioimpedanzmessung, in Kooperation mit dem Uniklinikum Mannheim, der Berliner Charité und anderen Partnern das System bis zur Einsatzreife entwickelt. Finanziert wurde die Dissertation von der Siebeneicher-Stiftung Heidelberg.

Das System ließe sich von Ärzten sehr einfach anwenden: Wieskotten, jetzt Entwicklungsingenieur bei Fresenius Medical Care, legt seinem ehemaligen Kollegen Jan Schlake lediglich an einem Fuß und an einer Hand jeweils zwei Elektroden an, durch die für etwa 10 Sekunden schwache, völlig schmerzfreie Wechselströme mit sich ändernden Frequenzen zwischen 5 und 1000 kHz geschickt werden. Anschließend werden die Daten im Laptop von Wieskottens Systems ausgewertet. Auch wenn in Schlakes Fall das positive Ergebnis nicht überrascht: Wieskottens Assistenzsystem könnte vielen Menschen helfen und dazu noch Kosten sparen.

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de/
http://www.rtm.tu-darmstadt.de/Forschungsgruppe-RTP.623.0.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie