Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuentdeckter Zelltyp unterstützt die Selbstheilungskräfte des Herzens

17.11.2010
Rostocker Wissenschaftler klären Zusammenspiel von Hormon- und Immunsystem – therapeutische Anwendung denkbar

Wissenschaftler der Universität Rostock haben einen neuen Zelltyp identifiziert, der dazu beiträgt ein geschädigtes Herz vor Entzündungsreaktionen zu schützen.

Die Ergebnisse dieser Untersuchungen veröffentlichte die Arbeitsgruppe um Dr. Jun Li in der Novemberausgabe des Journal of Immunology. Die Beschreibung des neuen Zelltyps erklärt wichtige Zusammenhänge von Hormon- und Immunsystem, teilt das Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie der Universität Rostock (RTC) mit. Ziel der Studien ist die Entwicklung neuer Therapien für Herzkranke.

Wissenschaftler der Universität Rostock haben einen neuen Zelltyp identifiziert, der dazu beiträgt ein geschädigtes Herz vor Entzündungsreaktionen zu schützen. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen veröffentlichte die Arbeitsgruppe um Dr. Jun Li in der Novemberausgabe des Journal of Immunology.

Mit der Entdeckung der so genannten CD8+AT2R+T-Zellen gelang den Rostocker Wissenschaftlern ein wichtiger Schritt in der Aufklärung des komplizierten Wechselspiels zwischen Hormon- und Immunsystem. Das Hormon Angiotensin II kontrolliert den Blutdruck und den Wasserhaushalt des Körpers, es wird über verschiedene Rezeptoren (AT1-R und AT2-R) gesteuert. Gut erforscht ist Angiotensin II mit seinem Rezeptor AT1-R, der für eine Verengung der Gefäße und damit für höheren Blutdruck sorgt. Blutdrucksenkende Medikamente nutzen diesen Mechanismus durch die Hemmung von AT1-R. Der AT2-R ist dagegen wenig erforscht.

Um die Rolle des AT2-R besser zu verstehen, beobachteten Li und seine Kollegen AT2-Rezeptoren und ihr Verhalten in Ratten, die einen Herzinfarkt erlitten hatten. Dabei entdeckten sie den neuen Zelltyp CD8+AT2R+T-Zellen. Dies ist eine Untergruppe von T-Lymphozyten, die auf die Erkennung ausgesuchter Antigene spezialisiert sind. Sieben Tage nach dem Infarkt fanden die Wissenschaftler eine signifikant erhöhte Zahl von CD8+AT2R+T-Zellen im Herzen und in der Milz der Tiere. Sie konnten auch die Funktion dieses Zelltyps ermitteln: diese Lymphozyten fördern die Produktion eines speziellen Botenstoffs des Immunsystems (IL-10), der seinerseits die Körperabwehr reguliert und damit vor übersteigerten Entzündungsprozessen schützt. Denn das Immunsystem des Menschen reagiert nicht immer angemessen auf eine Bedrohung, z.B. eine Entzündung. Dr. Jun Li erläutert das so: „Oft schädigt eine übersteigerte Reaktion des Immunsystems die befallenen Organe mehr als nötig wäre, um den Angriff abzuwehren. Ein Beispiel dafür ist, dass in Folge eines Herzinfarktes oft große Areale des Herzmuskels absterben, vernarben und dann nicht mehr zur Herzfunktion beitragen können.“

Die Rostocker Arbeitsgruppe geht auch schon einen Schritt weiter und denkt über die Möglichkeit einer therapeutischen Anwendung des neu entdeckten Zelltyps nach. Eine gezielte Behandlung mit CD8+AT2R+T-Zellen könnte die Immunreaktion des Körpers so weit steuern, dass nach einem Herzinfarkt die Rettung des geschädigten Herzmuskels wahrscheinlicher wird. Dazu wurden in Rostock erste Versuche an Ratten durchgeführt: Sie zeigten, dass eine Gabe von CD8+AT2R+ T-Zellen nach einem Herzinfarkt die Größe des Infarkts reduziert. Die Zellen waren zuvor aus dem Blut und der Milz der Tiere isoliert und vermehrt worden. Auch aus menschlichem Blut lassen sich CD8+AT2R+ T-Zellen isolieren, daher besteht zunächst theoretisch die Möglichkeit, mithilfe dieser Zellen die körpereigenen Regenerationsprozesse zu steuern. Bevor es so weit ist, sind noch diverse Studien zu Sicherheit, Wirksamkeit und Nutzen notwendig, so dass es bis zur anwendbaren Therapie noch Jahre dauern kann. „In Rostock haben wir sehr gute Voraussetzungen, diese Erkenntnisse aus dem Labor in die Klinik zu bringen,“ sagt Dr. Li, „denn wir arbeiten am Referenz- und Translationszentrum für kardiale Stammzelltherapie, in dem Forscher, Ärzte, und Translationsexperten eng zusammenarbeiten, um neue regenerative Therapien für Herzkranke möglichst effektiv und sicher voranzubringen.“

Publikation:
Curato C, Slavic S, Dong J, Skorska A, Altarche-Xifró W, Miteva K, Kaschina E, Thiel A, Imboden H, Wang J, Steckelings U, Steinhoff G, Unger T, Li J.
Identification of non-cytotoxic and IL-10-producing CD8+AT2R+ T cell population in response to ischemic heart injury.

J Immunol. 2010;185:6286-6293

Für Rückfragen steht Prof. Dr. med. Gustav Steinhoff, Leiter des Referenz- und Translationszentrums für kardiale Stammzelltherapie (RTC) der Universität Rostock zur Verfügung. Telefon: +49 (0)381 - 4 94 61 00 e-mail: gustav.steinhoff@med.uni-rostock.de

Ingrid Rieck | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften