Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Verfahren beim Herzklappenersatz

27.10.2008
Katheter-Technik statt Operation: Alternative für Hochrisiko-Patienten

Mit vielversprechenden Erfolgen sind in jüngster Zeit neue Verfahren praktiziert worden, bei denen man Herzklappen-Prothesen nicht mit der üblichen offenen Operation, sondern mittels eines Katheters ins Herz einbringt.

"Diese neu entwickelte Technik stellt einen großen Fortschritt für Patienten dar, für die eine offene Operation ein sehr hohes Risiko bedeuten würde", sagt Prof. Dr. med. Hans-Reiner Figulla, Direktor der Kardiologie im Universitäts-Herzzentrum Jena und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

So wird bei der üblichen Operation das Brustbein eröffnet, das Herz muss vorübergehend stillgestellt, seine Funktion durch die Herz-Lungen-Maschine ersetzt werden. Für einige - vor allem sehr alte und schwer kranke - Patienten mit Begleiterkrankungen wie Herzschwäche, Nierenschwäche und Diabetes kann dies riskant sein.

Ersatz-Klappe gelangt zusammengefaltet in den Körper

Erfahrungen mit der alternativen Katheter-Technik gibt es bislang vor allem beim Ersatz der Aortenklappe. Eine Verengung dieses Ventils zwischen linker Herzkammer und Hauptschlagader (Aortenklappenstenose) ist besonders im höheren Lebensalter häufig und kann die Pumpfähigkeit des Herzmuskels erheblich einschränken.

"Bei dem neuen Verfahren wird die neue Klappe, die in ein Metallgeflecht (Stent) eingenäht und auf 6 bis 7 Millimeter zusammengefaltet ist, über einen Katheter ins Herz vorgeschoben. Den Katheter bringt der Arzt entweder über eine Leistenarterie oder die Herzspitze in den Körper", erläutert Prof. Figulla. Bei schlagendem Herzen spannt sich dann die neue Herzklappe im Bereich der alten Klappe auf, überlagert diese und übernimmt deren Funktion.

Dem Vorteil des Verfahrens, auf eine große Operation verzichten zu können, stehen allerdings auch Nachteile gegenüber. So sind die mittels Katheter eingeführten Klappen nicht ganz so dicht wie eingenähte, und es kann beim Vorschieben des Katheters zu Verletzungen der großen Arterien oder der Kammerscheidewand kommen. Zu den möglichen Folgen zählen Schlaganfälle (3 - 5 % der Patienten) oder Herzrhythmusstörungen mit der Notwendigkeit, einen Herzschrittmacher einzusetzen. "Der Aortenklappenersatz mit Kathetertechnik ist also keineswegs risikofrei. Für Patienten mit erhöhten Operationsrisiken bedeutet das innovative Verfahren dennoch eine wertvolle Behandlungsalternative, und neue Entwicklungen werden die Technik vereinfachen", ist Prof. Figulla überzeugt. Weltweit wurden nach aktuellsten Statistiken bisher rund 4000 solcher Eingriffe an der Aortenklappe vorgenommen. Neue, zum Teil noch in Erprobung befindliche Katheterverfahren gibt es mittlerweile auch für die Behandlung erkrankter Mitralklappen.

Langzeiterfahrungen liegen beim kathetergestützten Klappenersatz noch nicht vor. "Inwieweit dieser anderen Methoden über- oder unterlegen ist, muss daher in wissenschaftlichen Studien weiter erforscht werden", kommentiert der Herzchirurg Prof. Dr. med. Friedhelm Beyersdorf von der Universitätsklinik Freiburg. Und er weist auf die Ergebnisse des nach wie vor für die meisten Patienten in Frage kommenden Klappenersatzes mittels Operation hin: "Diese Ergebnisse sind - dank der ständig verbesserten Operationstechnik und moderner künstlicher Herzklappen - mittlerweile sehr gut, und schwere Komplikationen sind selten. Gleichzeitig werden auch bei Klappenoperationen zunehmend schonendere bzw. minimal-invasive Methoden eingesetzt."

Ausführliche Informationen zum Herzklappenersatz enthält die neue Broschüre der Deutschen Herzstiftung "Herzklappenerkrankungen heute". Sie ist gegen Einsendung von drei Euro in Briefmarken erhältlich bei: Deutsche Herzstiftung e.V., Vogtstraße 50, 60322 Frankfurt am Main.

Quelle für Statistiken: Transcatheter Cardiovascular Therapeutics Congress, Washington D.C., Oktober 2008

Informationen:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Pressestelle
Dr. Klaus Fleck / Pierre König
Tel. 069/95 51 28-140
Fax: 069/95 51 28-345
E-Mail: koenig@herzstiftung.de

Pierre König | idw
Weitere Informationen:
http://www.herzstiftung.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten