Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Therapien gegen diabetische Retinopathie

02.10.2009
Diabetes mellitus kann auch die Netzhaut des Auges schädigen. Augenärzte sprechen dann von einer diabetischen Retinopathie, einer durch den Diabetes bedingten Netzhauterkrankung.

Eine multifaktorielle Therapie kann das Auftreten von Netzhautkomplikationen zeitlich verzögern. Bestandteile sind eine isokalorische, fettreduzierte Ernährung, mindestens dreimal wöchentlich aktive körperliche Betätigung und Nikotinverzicht.

Zudem sollte eine schrittweise Anpassung der Blutzuckerwerte, die Behandlung von Fettstoffwechselstörungen und das Einstellen des Bluthochdruckes an Normwerte erfolgen. Vorbeugung und Behandlung der diabetischen Retinopathie waren ein Thema auf dem 107. DOG-Kongress in Leipzig.

Die Veröffentlichung der Ergebnisse zweier Studien haben im vergangenen Jahr zu einem Umdenken in Vorbeugung und Therapie des Diabetes geführt. Im Rahmen der ADVANCE- und der ACCORD-Studie haben sich Menschen mit Typ 2-Diabetes intensiv um eine fast normnahe Einstellung ihrer Blutzuckerwerte bemüht. Doch die erhoffte positive Wirkung der aggressiven HbA1c-Reduktion (6,4% beziehungsweise 6,5%) blieb aus. HbA1c ist eine Form des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin), an den Glukose gebunden ist.

Der Anteil von HbA1c am gesamten Hämoglobin wird zur Verlaufskontrolle des Diabetes mellitus verwendet. "In den Studien konnten insbesondere kardiovaskuläre Spätkomplikationen nicht vermieden werden. In der ACCORD-Studie erhöhte die enge Blutzuckerkontrolle sogar die Sterblichkeit", berichtet Professor Dr. med. Peter Wiedemann, Präsident des 107. Kongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) und Direktor der Universitäts-Augenklinik Leipzig. In der ADVANCE-Studie kam es zwar signifikant zu einer Reduktion des Auftretens einer Nierenbeteiligung, ein Einfluss auf die Retinopathie war aber in beiden Studien nicht erkennbar.

Dafür konnten Forscher zeigen, dass bestimmte Medikamente zur Regulierung von Blutfetten und Blutdruck vor einer diabetischen Retinopathie schützen. "Fenofibrat, das die Blutfette senkt, verlangsamt bei einer guten Stoffwechsellage zusätzlich den Verlauf einer Retinopathie so stark, dass viele Betroffene vorerst keine Laserbehandlung der Netzhaut benötigen", so Wiedemann. Eine ähnlich schützende Wirkung werde mit neuen Medikamenten erzielt, die in die hormonelle Blutdruckregulierung eingreifen. "Wissenschaftler haben festgestellt, dass der Wirkstoff Candesartan beim Typ 1-Diabetes einer Retinopathie vorbeugt. Beim Typ 2-Diabetes könnte er das Fortschreiten des Augenleidens verlangsamen", erläutert Wiedemann.

In der Therapie der Retinopathie ist die Photokoagulation, eine Laserbehandlung der Netzhaut, seit Jahrzehnten Standard. "Die Laserstrahlen veröden schlecht durchblutete Netzhautareale. Dadurch verhindern sie, dass neue Blutgefäße entstehen, die hauptsächlich für eine Erblindung verantwortlich sind", erklärt Wiedemann. Zunehmend kommen aber auch Medikamente zum Einsatz, die sich bei der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) bewährt haben. So verhindert der Wirkstoff Ranibizumab bei der AMD, dass sich in der Makula - dem Ort des schärfsten Sehens auf der Netzhaut - neue Blutgefäße und Flüssigkeitseinlagerungen bilden. "Die Makula ist auch bei vielen Diabetikern geschädigt. Ranibizumab könnte hier eine sinnvolle Ergänzung zur Lasertherapie sein", so Wiedemann. Der genaue Stellenwert werde derzeit in der RESTORE-Studie untersucht.

Literaturhinweise zu den Studien:

DIabetic REtinopathy Candesartan Trials (DIRECT)
DIRECT-Studie 1. In: Lancet 2008; 372: 1394-1402
DIRECT-Protect 2. In: Lancet 2008; 372: 1385-1393
Fenofibrate Intervention and Event Lowering in Diabetes (FIELD) Study.
In: Lancet 2007; 370: 1687-1697
Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes Study Group (ACCORD)
In: The New England Journal of Medicine 2008;358:2545-59.
Action in Diabetes and Vascular Disease: Preterax and Diamicron Modified Release Controlled Evaluation (ADVANCE). In: The New England Journal of Medicine 2008;358:2560-72.

Pressekontakt für Rückfragen:

Pressestelle 107. DOG-Kongress
Silke Stark
Postfach 30 11 20
70451 Stuttgart
Telefon: 0711 8931-572
Telefax: 0711 8931-167
stark@medizinkommunikation.org

Silke Stark | idw
Weitere Informationen:
http://www.dog.org
http://www.dog2009.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Im Focus: Leichtbau serientauglich machen

Immer mehr Autobauer setzen auf Karosserieteile aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK). Dennoch müssen Fertigungs- und Reparaturkosten weiter gesenkt werden, um CFK kostengünstig nutzbar zu machen. Das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) hat daher zusammen mit der Volkswagen AG und fünf weiteren Partnern im Projekt HolQueSt 3D Laserprozesse zum automatisierten Besäumen, Bohren und Reparieren von dreidimensionalen Bauteilen entwickelt.

Automatisiert ablaufende Bearbeitungsprozesse sind die Grundlage, um CFK-Bauteile endgültig in die Serienproduktion zu bringen. Ausgerichtet an einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

Jenaer Akustik-Tag: Belastende Geräusche minimieren - für den Schutz des Gehörs

27.04.2017 | Veranstaltungen

Ballungsräume Europas

26.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

VLC 200 GT von EMAG: Neue passgenaue Dreh-Schleif-Lösung für die Bearbeitung von Pkw-Getrieberädern

27.04.2017 | Maschinenbau

Induktive Lötprozesse von eldec: Schneller, präziser und sparsamer verlöten

27.04.2017 | Maschinenbau

Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

27.04.2017 | Informationstechnologie