Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Strategien gegen Malaria

06.04.2010
Gabriele Pradel hat für ihre Forschung an den Sexualstadien des Malariaerregers die Rudolphi-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Parasitologie erhalten. Ihre Arbeiten über die Übertragung des Erregers vom Menschen auf die Mücke könnten als Grundlage für die Entwicklung neuartiger Anti-Malaria-Strategien dienen.

Bevor der Malariaerreger Plasmodium falciparum einen Menschen befallen und in Lebensgefahr bringen kann, hat er in der Regel einen komplizierten Weg zurückgelegt: Eine Anopheles-Mücke sticht einen infizierten Menschen und nimmt mit dessen Blut auch ein paar der Erregerzellen auf.

Im Darm der Mücke reifen die Plasmodien zu Geschlechtszellen heran, die im Prinzip mit den Ei- und Samenzellen des Menschen vergleichbar sind. Sie verschmelzen miteinander, verlassen den Darm und der Parasit wandert anschließend in die Speicheldrüsen der Mücke. Sticht diese erneut einen Menschen, infiziert sie ihn und der Kreislauf hat sich geschlossen.

Forschung an den Sexualstadien des Malariaerregers

Die Sexualstadien des Malariaerregers erforscht Gabriele Pradel schon seit vielen Jahren. Seit Januar 2005 leitet sie am Zentrum für Infektionsforschung der Universität Würzburg eine Nachwuchsgruppe, die sich speziell mit diesen Stadien beschäftigt. Zuvor hatte sie sechs Jahre lang am Department of Medical Parasitology der New York University und am Cornell Medical Center über Malariaparasiten gearbeitet.

Noch vor zehn Jahren war über die Sexualphasen des Malariaerregers und somit über die Übertragung des Parasiten vom Menschen auf die Mücke wenig bekannt. Das hat sich mit den Arbeiten von Gabriele Pradel mittlerweile geändert. Vor allem zu den Befruchtungsvorgängen des Erregers hat die Biologin in den vergangenen Jahren entscheidende Erkenntnisse geliefert.

Eine klebrige Hülle als Angriffspunkt

So konnten Gabriele Pradel und ihr Team erst vor Kurzem nachweisen, dass der Erreger kurz vor der Entstehung seiner Geschlechtszellen sechs spezielle Proteine produziert, die sich untereinander zu größeren Komplexen zusammenlagern. Diese Proteinhaufen finden sich später ausschließlich auf der Oberfläche seiner "Eizellen" wieder und bilden dort eine klebrige Hülle. "Möglicherweise dient die klebrige Hülle dazu, die 'Samenzellen' festzuhalten. Denkbar ist aber auch, dass die 'Eizelle' sich damit gegen aggressive Substanzen schützt, die im Darm der Mücken vorkommen", mutmaßt Gabriele Pradel.

Eventuell ist die klebrige Hülle ein wunder Punkt des Parasiten. Denn falls sie für seine Fortpflanzung absolut notwendig ist, eignet sie sich als Angriffsziel für bestimmte Impfstoffe. Solche neuen Angriffspunkte werden von Wissenschaftlern weltweit gesucht. Denn noch immer sterben jedes Jahr mehr als eine Million Menschen an dieser Tropenkrankheit. Malaria zählt damit zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten weltweit. Eine wirksame Bekämpfung der Krankheit wird momentan durch die zunehmenden Resistenzen des Erregers gegen gebräuchliche Medikamente verhindert, und Impfstoffe zum Schutz gegen Malaria stehen bis heute nicht zur Verfügung.

Für ihre Forschung an den Sexualstadien des Malariaerregers hat die Deutsche Gesellschaft für Parasitologie während ihrer Jahrestagung in Düsseldorf am 17. März 2010 Gabriele Pradel die Karl Asmund Rudolphi-Medaille verliehen. Die Gesellschaft würdigt damit herausragende wissenschaftliche Leistungen auf dem Gebiet der Parasitologie.

Kontakt: PD Dr. Gabriele Pradel, T: (0931) 31-82174, E-Mail: gabriele.pradel@uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Innovative Antikörper für die Tumortherapie
20.02.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Nervenschmerzen zukünftig wirksamer behandeln
20.02.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Latest News

Impacts of mass coral die-off on Indian Ocean reefs revealed

21.02.2017 | Earth Sciences

Novel breast tomosynthesis technique reduces screening recall rate

21.02.2017 | Medical Engineering

Use your Voice – and Smart Homes will “LISTEN”

21.02.2017 | Trade Fair News