Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Strategie zur Hemmung der Virus-Vermehrung

14.08.2009
Zellprotein als neuer Angriffspunkt für Hepatitis C Therapie identifiziert / Heidelberger Virologen veröffentlichen in "Public Library of Science Pathogens"

Viren benötigen für ihre Vermehrung funktionstüchtige Zellen. Therapien setzten bislang vor allem an viruseigenen Faktoren an und erzeugten häufig Resistenzen. Neue, verbesserte Therapien versuchen die Virusvermehrung durch Hemmung zelleigener Faktoren zu stoppen.

Das Team um Professor Dr. Ralf Bartenschlager, Direktor der Abteilung Molekulare Virologie am Hygiene-Institut des Universitätsklinikums Heidelberg, hat ein Protein in befallenen Leberzellen identifiziert, das für die Vermehrung des Hepatitis C Virus essentiell ist, und dessen Hemmung die Virusvermehrung hoch-effizient blockiert. Die Studie wird in der renommierten Zeitschrift "Public Library of Science Pathogens" veröffentlicht.

Viren benötigen Zellproteine zur Vermehrung

Über 170 Millionen Menschen weltweit sind von einer chronischen Hepatitis C betroffen. Nach einer Infektion verbleibt das Virus in bis zu 80 Prozent der Fälle lebenslang im Körper. Diese chronisch Infizierten tragen dann ein hohes Risiko an einer schwerwiegenden Leberentzündung oder gar einem Leberzelltumor zu erkranken.

Viren sind mit minimaler Erbinformation ausgestattet und deshalb für ihre Vermehrung wesentlich auf die befallenen Zellen angewiesen. Ein wichtiger Zell-Faktor für die Vermehrung des Hepatitis C Virus ist das Protein Cyclophilin, das für den ordnungsgemäßen Aufbau größerer Proteinstrukturen in der Zelle wichtig ist. Cyclophilin kann sehr wirksam durch ein Medikament gehemmt werden, das bisher vor allem nach Organtransplantationen eingesetzt wurde, das Immunsuppressivum Cyclosporin. Auf der Suche nach besser verträglichen Wirkstoffen für die Hepatitis C Therapie wurden Abkömmlinge (Derivate) des Cyclosporins entwickelt, die das Immunsystem nicht mehr unterdrücken, das Cyclophilin aber immer noch sehr wirksam hemmen. Ein solches Derivat ist DEBIO-025. Obwohl man den genauen antiviralen Wirkmechanismus von DEBIO-025 bei der Hepatitis C Therapie noch nicht kennt, werden bereits klinische Studien durchgeführt.

Das entscheidende Protein ist Cyclophilin A

Es gibt zahlreiche Cyclophiline in der Zelle, die durch Cyclosporinderivate gehemmt werden. Die Heidelberger Wissenschaftler untersuchten an Leberzellen, welches Cyclophilin entscheidend für die Vermehrung des Hepatitis C Virus ist und fanden: Nur die Blockade von Cyclophilin A führte zu einer kompletten Virushemmung und das ist auch das Angriffsziel von DEBIO-025.

Dabei kommen zwei, sich ergänzende Effekte zum Tragen: Zum einen wird Cyclophilin A offensichtlich für den Aufbau der viralen Vermehrungsmaschinerie benötigt, zum anderen für die ordnungsgemäße Funktion eines viruseigenen Enzyms, das für die Ausbildung infektiöser Viren benötigt wird. Die Hemmung von Cyclophilin A durch DEBIO-025 trifft somit die Vermehrung des Hepatitis C Virus doppelt. Die Blockade von Cyclophilin B hatte dagegen keinen Effekt.

"Das Potenzial der Hemmung virus-essentieller Zellfaktoren für eine Therapie wird bisher quasi nicht genutzt", erklärt Professor Bartenschlager. "Dabei hat dieser Ansatz den großen Vorteil, dass Therapieresistenzen deutlich seltener und in geringerem Ausmaß vorkommen, als bei einer direkten Hemmung viruseigener Faktoren."

Weitere Informationen im Internet:
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Hygiene-Institut.106583.0.html
www.klinikum.uni-heidelberg.de/Virologie.1214.0.html
Literatur:
Essential role of cyclophilin A for hepatitis C virus replication and virus production and possible link to polyprotein cleavage kinetics. Artur Kaul, Sarah Stauffer, Carola Berger, Thomas Pertel, Jennifer Schmitt, Stephanie Kallis, Margarita Zayas Lopez, Volker Lohmann, Jeremy Luban, Ralf Bartenschlager. PLoS Pathogens, 2009.
Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ralf Bartenschlager
Abteilung Molekulare Virologie / Hygiene Institut
Universitätsklinikum Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 345
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 69
Fax: 06221 / 56 45 70
E-Mail: Ralf_Bartenschlager(at)med.uni-heidelberg.de
Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät Heidelberg
Krankenversorgung, Forschung und Lehre von internationalem Rang
Das Universitätsklinikum Heidelberg ist eines der größten und renommiertesten medizinischen Zentren in Deutschland; die Medizinische Fakultät der Universität Heidelberg zählt zu den international bedeutsamen biomedizinischen Forschungseinrichtungen in Europa. Gemeinsames Ziel ist die Entwicklung neuer Therapien und ihre rasche Umsetzung für den Patienten. Klinikum und Fakultät beschäftigen rund 7.000 Mitarbeiter und sind aktiv in Ausbildung und Qualifizierung. In mehr als 40 Kliniken und Fachabteilungen mit 1.600 Betten werden jährlich rund 500.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Derzeit studieren ca. 3.100 angehende Ärzte in Heidelberg; das Heidelberger Curriculum Medicinale (HeiCuMed) steht an der Spitze der medizinischen Ausbildungsgänge in Deutschland. (Stand 12/2008)
Bei Rückfragen von Journalisten:
Dr. Annette Tuffs
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Universitätsklinikums Heidelberg
und der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 672
69120 Heidelberg
Tel.: 06221 / 56 45 36
Fax: 06221 / 56 45 44
E-Mail: annette.tuffs(at)med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie